Close Watching: Robin Gibb, „Juliet“

Robin Gibb liegt im Koma. Liest man. Ich wünsche ihm gute Besserung. Immerhin verdanke ich mein allererstes Musikvideo. Ich war neun Jahre alt. Ich konnte nicht fassen, was ich da sah.

Zeit für eine Reise in die Vergangenheit:


Natur! Windgeräusche! Neckisch springt Robin Gibb hinter einem Baum hervor, das Sakko lässig über die Schulter geworfen.

Robin passiert eine Kutsche, bei der auch ein Laie wie ich Achsenbruch konstatieren kann.

Einsatz der synthetischen Panflöte. Lord Robin übersieht seine Ländereien, sein Blick zoomt auf sein Schloss.

Ein Mann nach meinem Geschmack! Begleitet vom charakteristischen Beat, erwacht beim Anblick des leeren Raumes sofort der Innenarchitekt in ihm. Sein Gesicht spiegelt bereits den nächsten Trip zu IKEA wieder.

Auch nach 30 Jahren verstehe ich nicht alles, was diese Falsettstimme von sich gibt. Aber ich bin mir sicher, er singt von EXPEDIT, BILLY und POÄNG.

Dramatische Geste: Lord Robin zieht ein Leintuch beiseite. Darunter: eine alte Schreibmaschine. Weiß der Mann denn alles über mich?

Blutroter Himmel. Black Beauty reitet ins Bild. Na gut, die Mähre ist weiß. Ihre Gebieterin im Pelzmantel auch. Vor 29 Jahren war ich mir sicher: die schönste Frau der Welt! So wollte auch ich aussehen!

Lord Robin schwingt seine schmale Taille auf einen Stuhl und beginnt zu tippen. Enttäuschung: er kann nur Zwei-Finger-Suchsystem.

Die Kutsche durchmisst die Landschaft. Ich habe bis heute nicht begriffen, warum es so aussieht, als ob die Speichen sich rückwärts drehten.

Weiße Frau sieht Robin. Hochnäsiger Blick. Blöde Ische! Robin tippt weiter. Um ihn herum viele aufgeschlagene Bücher. Ein Fall fürs VroniPlag?

Feuer! Ische hüpft durch die Kulissen und rauft sich die Haare. Kommandant zu Pferde schnappt sich Ische. Ist sie die Marquise von O?

Robin rettet Ische. Robin verliert Ische, weil er noch kurz seinen Brief zu Ende tippen will. Ein Mann des Wortes! Ische denkt sich, „dann doch lieber ein Mann der Tat!“ Und lässt sich ein zweites Mal räubern.

Robin kriecht durch den Wald, um ihn glosende Reste. Umweltverschmutzung! Robin findet ein Schwert, schwört sich: „Ich geh zu Robin Wood!“

Das Lager der Uniformierten: Ische räkelt sich im Zelt. Hat die noch nie davon gehört, dass Frauen in Miniröcken und weißen Nachthemden selbst schuld sind? Kommandant fackelt nicht lange. Auftritt Robin. Ob er sich die Hand am Flammenschwert versengt hat?

Schnitt: Lord Robin tippt wieder. Die Einkaufsliste fürs Frühstück am Morgen danach. Schnitt: Lord Robin auf seinem Balkon: „Ey Süße, ich hab’ die Butter vergessen. Und kannst Du noch Brötchen von der Tanke?“

Juliet senkt den Kopf. „Butter? Kohlenhydrate? Ich dachte, Du liebst mich!“ Lord Robin senkt beschämt den Kopf: „Ich hab’s mal wieder verkackt!“ Allein sein Schwert glüht weiter.

PS Robin, ich zähl’ keine Kalorien!

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Maultaschen, Döner, oder doch lieber Empanadas? Qualitätsjournalismus als Realsatire

Dass ich Maultaschen für eine gar köstliche Angelegenheit halte, ist hinreichend dokumentiert. Dass man mit Teigtaschen aber auch äußerst geschmacklose Dinge anstellen kann, beweist SZ-Online in der aktuellen Ausgabe. Dort scheint eine Meldung aus dem Gruselkabinett abnormer Verbrechen der Redaktion wohl noch nicht deskriptiv genug gewesen zu sein. So wurde der Anriss

„Drei brasilianische Sektenmitglieder stehen unter dem Verdacht, Frauen getötet und ihr Fleisch an ahnungslose Nachbarn verkauft zu haben… [sic!]“

kurzerhand mit folgendem Bild illustriert: Weiterlesen

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Süßes am Sonntag: Ich back’ dann mal ein paar Kuchen

Dass ich (als Tochter der weltbesten Kuchenbäckerin) äußerst selten Kuchen backe, erwähnte ich schon.

Süßes am Sonntag erfordert Sauerei am Samstag.

Süßes am Sonntag erfordert Sauerei am Samstag.

Basic Brainwashing Baking

Neulich bei Freunden fiel mir jedoch ein Backbuch mit sehr gelbem Umschlag in die Hände. Die Marketingstrategie des Verlages besteht augenscheinlich darin, das Backen wie eine einzige große Party erscheinen zu lassen. In der Wohnküche der Back-WG tummeln sich stets mehrere, junge und attraktive Menschen: die Frauen perfekt gestylt, als stünden sie Teigspritzern auf ihren schicken Outfits völlig unbekümmert gegenüber; die Männer in T-Shirts mit ironischen Motiven wie dem Superman-Logo oder der Aufschrift „Steak-Sandwich“. Ich habe diese Lifestyle-Lüge natürlich voll durchschaut und bin ihr daher sofort auf den Leim gegangen. 37 Klebezettel später stand mein Entschluss fest, ab jetzt jeden Samstag einen Kuchen für sonntags zu backen. Mal sehen, wie lange dieser Wahn anhält.

Kuchen # 1: Orangenkuchen

Der erste Kuchen vom vergangenen Sonntag sah so aus:

Orangenkuchen à la Yellowstone.

Orangenkuchen à la Yellowstone.

Kann man jetzt keinen Preis mit gewinnen (vor allem nicht in Dresden, wo ja ein Tortenweltmeister residiert). Dort, wo der Kuchen ungleichmäßig aufgegangen war, hatte sich obenauf eine Lache aus Glasur gebildet. Diese Glasur aus frisch gepresstem Orangensaft und Zucker war so fingerlickin’ good, dass ich mir wünschte, Liliputaner zu sein, um daraufhin den Freitod durch Ersaufen im Orangenglasursee zu wählen.

Das ist der Teig für Kuchen #2.

Süß-saurer Teig … Was das wohl werden wird?

Süß-saurer Teig … Was das wohl werden wird?

Näheres am nächsten Sonntag.

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Neuer Fahrgastservice der DVB: Baby an Bord!

Komfort auch für Kleine …

Komfort auch für Kleine …


Einen Super-Service bieten neuerdings die Dresdner Verkehrsbetriebe: Haltegriffe auch für die Kleinsten unter ihren Fahrgästen. Die DVB reagieren damit auf die wachsende Zahl von Kinderwagen in den Straßenbahnen.

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Freitags Fisch: Lachs in Basilikum-Kapernbutter

Ich fürchte, mein Katholisch-Sein beschränkt sich zur Zeit darauf, dass ich freitags Fisch koche. (Es wäre wahrscheinlich auch das Einzige, was ich beibehalten würde, sollte ich jemals aus der Kirche austreten.)

Ofenfisch mit Kapern-Basilikumbutter (aus: Kochen für Faule, GU).

Ofenfisch mit Kapern-Basilikumbutter (aus: Kochen für Faule, GU).

Heute Mittag wollte ich eine Wöchnerin im Haus bekochen. Daher habe ich mein altbewährtes Ausgangsrezept, den „Ofenfisch mit Basilikumbutter“ (aus Kochen für Faule, GU 2009; Rezept auf Küchengötter.de) entsprechend abgemildert. Statt Cayennepfeffer würzte ich mit Paprika edelsüß. Und das ganz Gedöns mit der Herstellung der Basilikumbutter habe ich mir gespart – schließlich schmilzt diese im Ofen sogleich wieder. Man kann also auch einfach den Fisch mit Basilikumblättern und Butterscheiben belegen, es schmeckt deswegen keinen Deut schlechter. Die angegebene Garzeit sollte man getrost verdoppeln.

Der buttrige Lachs mit den säuerlichen Kapern und dem aromatische Basilikum, dazu die leichte Paprikanote ergeben ein im Handumdrehen zubereitetes, köstliches Fischgericht, zu dem Nudeln, Reis oder auch Kartoffeln passen.

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Donauwelle im Hechtviertel-Tiki

Donauwelle im Tiki, Hechtviertel, Dresden.

Donauwelle im Tiki, Hechtviertel, Dresden.

Die Rudolf-Leonhardstraße ist die Babymeile des Hechtviertels. Man kann davon ausgehen, auf dem Weg zum NETTO einer befreundeten Mutter zu begegnen. Zentraler Sammelpunkt ist dann das Tiki, vor dem es vor lauter Kinderwagen oft kein Durchkommen gibt. Ich gestehe, ich bin kein Fan von Neumanns Eis, aber mit ihren Kuchen, seien es der Schokoladenkuchen oder die Donauwelle, kriegt mich das Tiki immer wieder. Und die Bedienungen sind eigentlich stets gelaunt. Nachtrag: GUT! :)

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Huhn im Hecht

Die schönen, ersten Frühlingstage sind Geschichte, heute graut es grau in grau. Deswegen kurz ein virtueller Farbklecks aus dem Hechtviertel.

Huhn mit Schuh'n: Schaufenster im Hechtviertel, Dresden.

Huhn mit Schuh'n: Schaufenster im Hechtviertel, Dresden.

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Frühstück, Mittagessen und zum-Kaffee in einem: Dinkel-Früchtebrot

Märkisches Dinkel-Früchtebrot.

Märkisches Dinkel-Früchtebrot.

Meine neue Leibspeise: Dinkel-Früchtebrot mit Butter. Hat alles, was man zum Stillen braucht: Fett, Ballaststoffe und einen großen Wohlfühlfaktor. (Und herrlich altmodisches Einwickelpapier.)

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For you, vor Ort, fort: Hechtviertel ohne Schlecker

Nicht länger „for you vor Ort“: die von der Insolvenz betroffene Schleckerfiliale an der Ecke Rudolf-Leonhard-/Erlenstraße.

Ehemalige Schlecker-Filiale im Hechtviertel am Tag ihrer Schließung.

Ehemalige Schlecker-Filiale im Hechtviertel am Tag ihrer Schließung (mit solidarisch gewandeter Honda).

Was wohl jetzt die dunkelbraune, scheckige Katze macht, die dort ein- und auszugehen schien?

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Bibliophile Entdeckungen im Grünschnabel liest

Frida freut's: Detail der Buchhandlung Grünschnabel liest auf dem Weißen Hirsch in Dresden.

Frida freut's: Detail der Buchhandlung Grünschnabel liest auf dem Weißen Hirsch in Dresden.

Frida  Kahlo, die wie eine Schutzheilige von einer Laibung herabschaut – das und vieles mehr findet man in dem niedlichen Buchlädchen Grünschnabel liest. Vergangene Woche führten mich meine Wege auf den Weißen Hirsch, wo ich diese kleine Buchhandlung entdeckte.

Im Element: Nasse Bücher …

Im Element: Nasse Bücher …

Wie immer verursachen mir bibliophil gemachte Buchumschläge Gewissensnöte: kaufen, allein des schönen Einbands wegen, selbst im Wissen, absehbar keine Zeit zum Lesen zu finden? Frido Manns Mein Nidden: Auf der Kurischen Nehrung konnte ich nur schwer beiseite legen, und auch die trompe-l’œil-Regentropfen auf dem Cover von Lisa-Maria Seydlitz’ Sommertöchter übten einen fast haptischen Reiz auf mich aus.

Erich Kästner, Meine Mutter zu Wasser und zu Lande (2010).

Erich Kästner, Meine Mutter zu Wasser und zu Lande (2010).

Als meine Mutter während meines Wochenbetts zu Besuch in Dresden weilte, hatte einer ihrer Spaziergänge mit dem Bubele sie ins Erich-Kästner-Museum geführt. Es gefiel ihr, dort einen Autor ihrer Kindheit wieder zu entdecken. – Daran musste ich denken, als ich in der Buchhandlung Erich Kästners Meine Mutter zu Wasser und zu Lande entdeckte und mir darin folgendes Gedicht auffiel:

„Das ist ein Glück: mit seiner Mutter fahren! / Weil Mütter doch die besten Frauen sind. / Sie reisten mit uns, als wir Knaben waren, / und reisen nun mit uns, nach vielen Jahren, / als wären sie das Kind.“

Da meine Mutter am nächsten Tag Geburtstag hatte, schien mir der Fund ein Fingerzeig zu sein, und ich kaufte das Buch. Von der kleinen Poststelle an der Plattleite aufgegeben, traf es tags drauf pünktlich ein.

(Inzwischen hat meine Mutter mir erzählt, dass sie das Buch als Lektüre für die alten Leute nutzt, denen sie im städtischen Krankenhaus vorliest, und dass diese die Erinnerungen Kästners sehr anregend fänden.)

 

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