Schwäbisches Soulfood: Kässpätzle mit Weißbier

Über die Weihnachtstage erlebte ich die schlimmste Erkältung, an die ich mich „meiner Lebtag“ erinnern kann. Bis auf Fieber nahm ich neben Halsschmerzen, dicken Mandeln, Husten vor allem einem Schnupfen, der seine eigene olympische Disziplin verdient hätte, alles mit. Dass darunter die Festtagsplanung litt, versteht sich von selbst. Die Bescherung wurde auf den Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages verlegt (so wie es die Briten tun), doch mein Mann und Söhnchen nahmen’s mit Gelassenheit, und irgendwie waren es trotz allem beschauliche Tage.

Derart zu Hausarrest verdammt, verfiel ich in einen wahren Kochrausch, wollte ich doch meine Lieben wenigstens in dieser Hinsicht verwöhnen. So kredenzte ich in den vergangenen Tagen Altbewährtes und Neuerprobtes.

Auf die heutige Premiere bin ich besonders stolz, denn jedes Familienmitglied trug zum Gelingen bei.

Für die Kässpätzle mit Weißbier hielt ich mich weitgehend an Gerhard Zislers zauberhaft altmodisches Kochbuch Köstliches aus der schwäbischen Küche, welches ich einst in einem Berliner Restaurant entdeckt hatte und mir sogleich zulegen musste.

Gerhard Zinsler, Köstliches aus der schwäbischen Küche. Komet, o. J.

Gerhard Zinsler, Köstliches aus der schwäbischen Küche. Komet, o. J.

Zinsler schreibt einleitend: „eine besondere Note bekommen diese Spätzle, wenn man Weißbier, d. h. Weizenbier mit in den Teig gibt und mit herzhaftem Bergkäse einen Auflauf daraus macht.“

Als Zwangsabstinente verfiel ich schon beim Lesen der Überschrift in einen (Freuden-)Rausch. Vom Alkohol bleibt aber allein ein mildwürziger Geschmack, der der ganzen Familie überaus mundete.

Für einen Auflauf, der locker vier Erwachsene sättigt, verrühre man 500 g Mehl, 6 Eier, 1/4 Liter Weißbier, 1 Prise Salz sowie Muskat zu einem glatten Teig. Eigentlich heißt es, Spätzleteig müsse „Blasen schlagen“. Ich hatte aber nicht mit einkalkuliert, dass das Bier beim Befüllen des Messbechers erheblich Schaum entwickeln würde, so dass ich letztlich wahrscheinlich deutlich mehr davon zum Teig kippte und dieser recht flüssig geriet. Sicherheitshalber bat ich meinen Mann, ihn mit den Knethaken des Handrührgeräts gründlich zu vermengen. Anschließend ließ ich ihn noch beinahe eine halbe Stunde ruhen, so dass er doch noch etwas dickflüssiger wurde.

Der Qualität der Spätzle tat die Konsistenz überhaupt keinen Abbruch: während ich mich ums Rotkraut (frei nach H. Davidis) kümmerte, schöpfte mein Mann Kelle um Kelle in den Einfüllschacht der sogenannten Spätzle-Hex, einer original schwäbischen Erfindung aus meiner Heimatstadt. Das Bubele drehte tapfer die Kurbel, die die Walze antrieb, welche den Teig in langen Fäden ins siedende Wasser beförderte. Eine Portion Spätzle nach der anderen wurde sodann mit der Schaumkelle aus dem Wasser gefischt, in eine Auflaufform gegeben und mit geriebenem Emmentaler und Greyerzer bestreut.

Anschließend noch alles für 10 Minuten unter den Grill, während ein paar Zwiebelringe in der Pfanne goldbraun schmälzten.

Kässpätzle mit Weißbier und Rotkraut – Swabian Soulfood.

Kässpätzle mit Weißbier und Rotkraut – Swabian Soulfood.

Ein Mittagessen wie ein Heimatfilm (minus verklemmter Sexualmoral und schlechtem Soundtrack – nur Technicolor konnte man damals anscheinend besser, als meine Kamera).

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5 Kommentare zu Schwäbisches Soulfood: Kässpätzle mit Weißbier

  1. Miss Mao sagt:

    Wir lieben Spätzle! Allerdings hat sich in unsere Familie kein(e) begnadete(r) Koch/ Köchin verirrt, weswegen wir meist zur Tüte greifen. Dafür ist die zugehörige Soße dann immer „handmade“ vom Chefkoch.
    Einen guten Rutsch!

  2. Parkwächter sagt:

    Technik hin, Color her – das sieht lecker aus! Ich hoffe, Du bist wieder fit, und wir sprechen uns bald im neuen Jahr! Kommt gut rüber! A.

  3. Schlachterin sagt:

    Weißbier im Spätzleteig geht für mich ja gar nicht (Weißbier = Sch…bier), aber die Kombination Kässpätzle und Rotkraut finde ich höchst interessant – das muss ich unbedingt demnächst ausprobieren.

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