Ein klassisches F(o)ul: Das memo im Hechtviertel

Als erklärter Fan der arabischen Küche wollte ich das memo auf der Rudolf-Leonhard-Straße eigentlich schon im April ausprobieren, denn die Kunde von der dortigen, palästinenischen Küche hatte bereits die Runde gemacht. Doch leider hat es unter der Woche abends gar nicht offen. Und gerade dann bin ich tagsüber ja nicht im Hecht-, sondern im Barockviertel.

Doch vergangenen Freitag, ein Brückentag, saß ich nicht nur als Strohwitwe ohne Lust auf Single-Küche zuhause, sondern war auch aufgrund gewisser Umstände, die ich leider auf dem Blog nicht öffentlich machen kann, ohne mir diverse juristische Maulkörbe einzuhandeln, fertig mit der Welt.

Ein klassisches Foul

Ich kann gar nicht genügend betonen, wie unterirdisch meine Laune war, als ich in diesem Lädchen mit dem konsequent gelb-grünen Farbschema  strandete. Alles modern, aufgeräumt, sauber, doch dafür hatte ich in dem Moment keine Antennen. Wenn mich etwas aus meinem Stimmungstief herausholte, dann war es – ein klassisches Foul. Nein, das bedeutet nichts Schlechtes, sondern ist einfach ein „im gesamten arabischen Raum verbreitetes Bohnengericht.“

Es war nur ein kleines Schälchen, das die Wirtin mir kredenzte, aber die Aromenvielfalt rief meine Lebensgeister zurück. Da war zunächst der Duft der frisch gehackten Petersilie und des Knoblauchs („Viel Knoblauch!“, meinte die Wirtin mich warnen zu müssen – als ob das etwas Verwerfliches sei!) Dann die Konsistenz: weiche, aber noch bissfeste Fava-Bohnen, begleitet von reifen Tomatenstückchen, umhüllt von Tahini und einem wahren See aus Olivenöl, das ich zuerst etwas misstrauisch anstarrte, mich dann aber begeistert seinem vollmundigen, leicht bitteren Geschmack hingab und es anschließend mit Fladenbrot restlos aufstippte, nachdem mir die Wirtin in ganz unprätentiös-charmanter Weise gezeigt hatte, wie man das Gericht in Palästina traditionell zu sich nimmt.

Klassisches F(o)ul: Fava-Bohnen mit Konblauch, Petersilie und Olivenöl

Mir war den ganzen Tag kalt gewesen; auch in dieser Hinsicht erwiesen sich die deftigen Bohnen als ideal Wahl. Zu trinken wählte ich „memos Tee“, mit Salbei gemischten Schwarztee, der zunächst etwas gewöhnungsbedürftig schmeckte, dann wohlig wärmte.

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Es war so gut, dass ich beschloss, schnellstmöglich wiederzukommen, und die Gelegenheit bot sich gestern nach der Rückkehr von unserem Ausflug an den Dresdner Stadtrand.

Mein Mann und ich bestellten einmal das Tagesgericht*, dessen Name ich leider zu notieren vergaß: Safranreis mit Mandeln, dazu ganz mürbes Rindfleisch und Raita. Es schmeckte, wie man sich das wünscht, und war für den Preis von 4,90 € inkl. Limo ein absolut fairer Deal.

Tagesgericht, leider ohne Namen, weil ich anscheinend jegliche journalistische Sorgfalt verliere, sobald Essen vor mir steht, und leider schon etwas zerwühlt, weil mein Mann trotz eines Fotografiepraktikums nicht verstanden hat, dass food-Fotos nichts mit Losfuttern zu tun haben.

Tagesgericht, leider ohne Namen*, weil ich anscheinend jegliche journalistische Sorgfalt verliere, sobald Essen vor mir steht, und leider schon etwas zerwühlt, weil mein Mann trotz eines Fotografiepraktikums nicht verstanden hat, dass food-Fotos nichts mit Losfuttern zu tun haben.

Dazu orderten wir noch einen Falafel-Halloumi-Teller, der außer mit Salat auch mit meiner Leib- und Magen- (und leider auch Hüftgold-) speise Hummus serviert wird.

Halloumi-Falafel-Teller mit Bratkartoffeln, Hummus und Salat.

Halloumi-Falafel-Teller mit Bratkartoffeln, Hummus und Salat.

Erfrischend dazu das hausgemachte Ayran. Hinterher waren wir sehr satt, aber für ein Schälchen Kardamomkaffee mit einem Minibatzen Baklava war noch Platz.

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Es gibt im memo eine Salat- und Suppenauswahl, außerdem eine Karte mit Mezze (kleineren Gerichten bzw. Vorspeisen, z. T. vegetarisch und/oder vegan), und eine mit gehaltvolleren Hauptgerichten, derer ich mich zu einem späteren Zeitpunkt sicher einmal annehmen werde.

Übrigens: die Schließzeiten sollen in lauen Sommernächten weniger strikt gehandhabt werden.


*Nachtrag: zum Glück veröffentlicht das memo auf Facebook seinen Mittagstisch, so dass wir nun wissen, es handelte sich um Kedreh.

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7 Kommentare zu Ein klassisches F(o)ul: Das memo im Hechtviertel

  1. stip sagt:

    Schließzeiten? Welche Schließzeiten? Gibt’s als Journalisten-Service eine Adresse und Öffnungszeiten? Klingt nämlich gut!

  2. martina sagt:

    Hat bisschen was flegelhaftes, wenn Dein Mann es mit dem Essen nicht abwarten kann und sofort bei Lieferung beginnt zu schaufeln. Muss sich ändern!

    • Wird sich nie ändern. Eine Schüssel für acht Jungs – Kindheit im Internat prägt da sehr. Wäre auf meiner Liste der Dinge, die sich wirklich ändern müssten, auch ziemlich weit unten.

  3. Pingback: Vierter Advent: Multikulti-Hechtzauber – Journal ohne IsmusJournal ohne Ismus

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