Felix Sturm, ein Architekt des Expressionismus, und sein Bau St. Maria Magdalena in Berlin-Niederschönhausen

Eines frühen Abends vergangene Woche stand ich  auf dem Balkon meiner Berliner Schwägerin und sah etwas, das dort zweifelsohne nicht erst seit gestern im Blickfeld stand, mir aber aus unerklärlichen Gründen noch nie aufgefallen war – und das, obwohl es sich um eine wirklich auffällige Struktur handelte. Aus der Ferne hatte ich zunächst die Assoziation, als habe man versucht, mit den Mitteln der norddeutschen Backsteingotik einen maurischen Turm zu erbauen.

Ich konnte mir auf diesen Fremdkörper inmitten der eher kleinstädtischen Bebauung des „Baumviertels“ keinen Reim machen und beschloss, dort in den nächsten Tagen vorbei zu radeln. Gedacht, getan, und was soll ich sagen – was ich vorfand, war eine Entdeckung.

Ihre geometrische Formensprache weist die Kirche St. Maria Magdalena (erbaut 1929–30) unverkennbar als Werk des deutschen Expressionismus aus. Das Wechselspiel aus Wuchtigkeit im Baukörper und – bei aller Klarheit – Verspieltheit im Ornament erinnert mich an die Kreuzkirche in Berlin-Schmargendorf (erbaut 1927–29), die ich im Vorbeifahren schon oft bewundert habe.

Meine erste Assoziation, „etwas Maurisches“, finde ich insofern gar nicht so verkehrt, als der expressionistischen Architektur in meinen Augen immer etwas Phantastisches, Märchenhaftes aneignet.

Das in Fensterform und am Portal wiederkehrende Sternenmotiv verleiht dem Bau etwas Morgenländisches:

Auch der Innenraum (den ich zwar in Augenschein nehmen, aber aufgrund eines Gottesdienstes nicht fotografieren wollte): vollkommen individuell, mit parabolartigen Bögen im Hauptraum und gotisch anmutenden Arkaden in den Seitenschiffen, die mich wiederum an die stumpfwinkligen Portale des Leipziger Grassimuseums (erbaut 1925–29) erinnerten.

Die Inschrift „SOLI DEO HONOR“ und das Terrakotta-Relief im Tympanon sollen auf den Bildhauer Paul Halbhuber zurückgehen; ob er auch die Figur der Maria mit Jesuskind links des Portals schuf, konnte ich ebenfalls nicht herausfinden.

Wer aber war der Architekt von St. Maria Magdalena? Er hieß Felix Sturm, so viel ist bekannt. Leider war meine Suchmaschinen-Anfrage zu seinen Lebensdaten oder weiteren Bauten unergiebig (und wurde durch die Tatsache, dass es einen deutschen Boxweltmeister gleichen Namens gibt, erschwert). Es erschien mir aber mehr als unwahrscheinlich, dass man ein solches Meisterwerk quasi aus dem Nichts heraus erschafft. Daher rief ich beim zuständigen Pfarramt an: auch dort weiß man nichts von weiteren Kirchbauten Sturms; er solle aber als Pankower Privathäuser gebaut haben.

Leider fehlt mir die Zeit zu aufwändigeren Recherchen. Über Hinweise zu weiteren Bauten Felix Sturms würde ich mich also freuen.

Abschließend muss ich Harald Strecks Einschätzung zustimmen, der in seinem Buch Was ist modern? Wege aus der Sackgasse deutscher Gegenwartsarchitektur über den Expressionismus in der Architektur schrieb:

„Im Grunde wohnt diesem Stil ein Potenzial inne, das niemals hinreichend zur Entfaltung gekommen ist, das kaum irgendwo über Einzelbauten hinaus zur Gestaltung moderner Lebenswelten genutzt wurde […].“

Schade, oder?

Eine interessante Bildstrecke zur Architektur Ende der Zwanziger/Anfang der Dreißiger Jahre in Berlin findet man hier.

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3 Kommentare zu Felix Sturm, ein Architekt des Expressionismus, und sein Bau St. Maria Magdalena in Berlin-Niederschönhausen

  1. Wunderbarer Beitrag. Danke. Leider konnte ich bisher auch nicht mehr finden. Doch Villa und Kirche im „Villenviertel“ passt ja. Vielleicht finden Sie Hintergründe auf meinen Seiten: http://konstantinmanthey.blogspot.de

  2. das finde ich echt super. vielen dank für ihre info.

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