J.

Ein sehr langes Telefonat und ein paar Chats, immer zu nachtschlafener Zeit, zählen zu den besten – lustigsten, bedeutungsvollen – Unterhaltungen diesen Jahres. Die Erinnerung daran ist alles, was mir von J. bleibt, der heute starb.

Ich glaube, er wusste, dass er es nicht noch einmal schaffen würde. Aber er hat sich verdammt nochmal geweigert aufzugeben.

Er ging mit mir zur Schule und etwas eher als ich nach Dresden, wo wir uns zufällig wieder begegneten. Er half mir, in der Fremde heimisch zu werden.

Bei seinem Weggang bot er mir völlig selbstlos an, in seine Fußstapfen zu treten. Rückblickend ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich zwanzig Jahre früher auf den Trichter gekommen wäre, wo mein Talent liegt, wenn ich seine Handreichung angenommen hätte.

Er hatte gottverdammten Charme und wusste auch nach 15 Jahren noch, welches Parfüm ich damals gerne trug.

Sein letztes Manuskript, das nur vordergründig eine deutsche Insel porträtiert, ist tatsächlich eine ungemein intensive Liebeserklärung an das Leben. Schon beim ersten Überfliegen musste ich ihm meinen Neid angesichts seiner hammergeilen Schreibe aussprechen. In Wahrheit war ich tief berührt.

Mein Feedback kommt zu spät, doch ich hoffe, dass dieser, sein letzter Text in irgendeiner Form noch das Licht der Welt erblicken wird.

Mir fällt kein guter Schlusssatz ein. Es bleibt eine Sache mit beschissenem Schluss.

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