Kreta-Urlaub 2013: Vlita (βλήτα) – Amaranth-Wildgemüse

Griechische Küche – aus Drei mach Tausend?

Mit griechischen Restaurants in Deutschland verhält es sich ja so: Die Länge der Speisekarte macht jedem Marathonlauf Konkurrenz. Die scheinbare Vielfalt lässt sich jedoch im Grunde genommen auf drei Fleischgerichte reduzieren, sagen wir: Steak, Frikadellen und Spieße. Der Rest sind Beilagen in endlosen Varianten, die sich meiner bescheidenen Meinung nach viel übersichtlicher mittels mathematischer Bäume darstellen ließen.

Neuentdeckung für mich, Standard unter Kretern: das Wildgemüse Vlita (βλήτα)

Noch nie jedoch ist mir in einem griechischen Restaurant (in und außerhalb Deutschlands) jenes Kraut begegnet, das ich als eine der kulinarischen Entdeckungen dieses Urlaubs verbuchen darf: Vlita (βλήτα) – Amaranth-Wildgemüse.

Zunächst hatte mich Aunty Industrious beim Marktgang in Kolymvari auf etwas hingewiesen, was wie ein Haufen Blätter aussah. Da ich aber keinerlei Vorstellung hatte, was sich damit anfangen ließe (und Tantchen, mit Verlaub (und nach eigener Aussage) nicht den feinen Gaumen ihrer Schwester Aunty Glamorous teilt), wollte ich mich erst ein wenig informieren. Vielleicht hätte ich es wieder vergessen, wenn nicht ein paar Tage später eine Bekannte meiner Tante uns eine Riesentüte mit Ernte aus ihrem Garten verehrt hätte (von der hiesigen Freigiebigkeit schrieb ich bereits):

Gute Gaben aus kretischen Gärten: Lauchzwiebeln, Zucchino und das Wildgemüse Vlita (βλήτα), ein Amaranth-Gewächs. Besonders dessen violette Blätter machten mich neugierig.

Gute Gaben aus kretischen Gärten: Lauchzwiebeln, Zucchino und das Wildgemüse Vlita (βλήτα), ein Amaranth-Gewächs. Besonders dessen violette Blätter machten mich neugierig.

Vlita (βλήτα) heißt auf Deutsch Amaranth und gehört zur Gattung der Fuchsschwanzgewächse, zu denen auch Spinat, Mangold, Rote Bete, Zuckerrüben sowie das südamerikanische Getreide Quinoa zählen.

Lange Zeit galt Vlita als Arme-Leute-Essen (dabei steckt es voller Nährstoffe), weswegen es bis vor kurzem nur auf Wochenmärkten erhältlich war. Nachdem langsam auch in Kreta eine Wiederentdeckung alter Wild- und Kulturpflanzen einsetzt, findet man Vlita neuerdings auch in Supermärkten. Wann diese Entwicklung sich auch auf den Speisekarten von Restaurants widerspiegelt, bleibt abzuwarten.

Der Kilopreis für Vlita ist stark saisonabhängig, und man sollte darauf achten, sich nicht die schweren, aber ungenießbaren Stängel miteinpacken zu lassen, wie Maria Verivakis, Autorin des (gestern erwähnten) Blogs Organically Cooked, warnt:

It’s amazing what you can get for free if you have a garden (while other people were paying 1.84 euro a kilo today for [vlita] at the supermarket, which includes the heavy stalks, thereby adding weight to your purchase).

Man wäscht die Blätter wie frischen Spinat (sie sind aber bei weitem nicht so sandig) und dünstet sie mit dem Restwasser, welches ohne Abschütteln an ihnen haften bleibt, ca. fünf bis zehn Minuten lang. Anschließend würzt man mit Salz, Pfeffer, reichlich frischem Zitronensaft, Knoblauch und Olivenöl. Das Ganze wird lauwarm als Gemüse, sowie nach einem Tag kalt als Salat verzehrt. Mich hat es ziemlich an Spinat erinnert. Die oft konstatierte Bitterkeit konnte ich nicht bestätigen.

Auch die Ernährungswissenschaflerin Uta Wagner, die auf Kreta lebt und dort das deutschsprachige Blog Der Geschmack von Kreta schreibt (welches ich ebenfalls allen an der kretischen Küche Interessierten empfehle), schreibt Wissenswertes über Vlita.

Auf die ganz traditionelle Zubereitungsart eines Vlita-Eintopfs, also mit gedünsteten Kartoffeln und im Ganzen gedünsteten Zucchini hatte ich beim ersten Versuch keinen Appetit. Stattdessen spendierte meine Tante herrlich aromatische, kretische Kartoffeln, (die Sorte kannte ich nicht; sie war schneller gar als deutsche, weswegen sie beim Servieren etwas zerfiel), die ich mit Olivenöl und frischer Petersilie würzte. Zuletzt briet ich ein paar Lachsfilets dazu:

Bei der Aussicht vom Balkon meiner Tante mundet selbst ein sogenanntes „Arme-Leute-Essen“ fürstlich.

Bei der Aussicht vom Balkon meiner Tante mundet selbst ein sogenanntes „Arme-Leute-Essen“ fürstlich.

Die Knoblauch-Olivenöl-Zitronensaft-Marinade behielt ich aber bei, sie passte perfekt!

Kleinere Vlita-Stängel beißen sich in etwa wie Brokkoli-Stängel.

Kleinere Vlita-Stängel erinnern in der Konsistenz an Brokkoli-Stängel.

Weil danach immer noch eine halbe Tüte Vlita übrig war, versuchte ich mich anderntags an einem Rezept von Tobias Judmaier, der auf seinem Blog tobias kocht „mediterrane Küche für jeden Tag“ vorstellt und unter anderem Gastbeiträge auf dem Blog von Radio Kreta (einem Sender für die hiesige deutschsprachige Community) veröffentlicht. Tobias‘ herzhafte Vlita-Variante mit Speck und Graviera-Käse konnte vor allem meinen Mann überzeugen:

Vlita-Salat mit Graviera und Schinken sowie Zucchiniblüten.

Vlita-Salat mit Graviera und Schinken sowie Zucchiniblüten.

Hinweis: Im Supermarkt gab es keinen Speck, daher nahm ich Schinken (hierzulande unter dem Namen „Μπεικον ρολο“ erhältlich, wobei es sich allerdings eher um eine Art Pancetta arrotolata handelt).

Chorta (χόρτα) und Portulak (γλιστρίδα)

Neben Vlita zählt in Griechenland eine große Vielfalt Wildgemüse zum Speiseplan, die man Chorta (χόρτα) nennt und deren Ernte Volkssport und Wissenschaft zugleich zu sein scheint. Ein weiteres dieser Kräutlein ist der Portulak (γλιστρίδα), den ich hier im Garten meiner Tante jeden Tag pflücke und klein geschnitten allem Möglichen beigebe (ziemlich so, wie es auch Uta Wagner empfiehlt), z. B. hier einem Broccoli-Salat:

Broccolisalat mit Feta und Portulak, dazu Kartoffeln und Lachsfilet.

Broccolisalat mit Feta und Portulak, dazu Kartoffeln und Lachsfilet.

Auf meiner To-try-Liste steht auch noch Maria Verivakis Salat von Portulak und (rohen!, marinierten) Zucchini. Hmm! Nachdem ich nun gesehen habe, dass er hier wie Unkraut sprießt, werde ich in Deutschlands Gärten ebenfalls danach Ausschau halten.

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9 Kommentare zu Kreta-Urlaub 2013: Vlita (βλήτα) – Amaranth-Wildgemüse

  1. ikarus sagt:

    Danke für die Erinnerung an diese Köstlichkeit – Chorta ist tatsächlich meine kulinarische Hauptfreude bei jedem Hellas-Aufenthalt! Okay, neben gegrilltem Octopus, flambiertem Saganaki, Auberginencreme und einem kräftigen Retsina :)

  2. ikarus sagt:

    Ich traue dem nicht, der ist in einem Blumenkübel gewachsen, in dem eigentlich mongolischer Bambus gedeihen sollte…

  3. Veronika sagt:

    Zu Vlita muss unbedingt noch etwas gesagt werden. Du nennst es Wild Gemüse.
    Aber besser von niemandem Vlita an nehmen der das irgend wo gesammelt hat und nie selber sammeln.
    Es gibt eine sehr ähnliche Pflanze die giftig ist!
    Nicht so giftig wie Pilze sein können, aber meine Nachbarin hat letzthin eine ganze Nacht im Krankenhaus verbracht nach dem sie von dem falschen Vlita gegessen hatte. Leider weiß ich nicht wie die giftige Pflanze heißt.

    • Es von NIEMANDEM anzunehmen, „der das irgendwo gesammelt hat“, halte ich für schwer machbar. Das tun doch hier sehr Viele, und die Bauern, die es auf den Märkten verkaufen, letzten Endes ja auch! Ich werde mich aber mal umhören. Danke für den Hinweis.

  4. thg sagt:

    Von Portulak habe ich schon mal was gehört, aber Vlita ist mir gänzlich neu. Gibt’s das in hiesigen Breiten auch, vielleicht ja sogar als Pflänzchen? Müsste ich glatt mal schauen. Wär ja was für mich.

    • Die einzige Bezugsquelle, die ich auf Anhieb in Deutschland finden konnte, war diese. Eventuell auch in Asia-Geschäften, da der Amaranth ja auch „Chinesischer Spinat“ genannt wird.

      • Günthi sagt:

        Beschafft Samen und pfanzt das Gemüse selber an. Natürlich haben nicht alle Gelegenheit dazu. Vielleicht können Freunde in GR mit Samen und Freude in D mit einem Garten helfen. In meinem Garten gedeien z.Z. zehn dieser wohlschmeckenden Pflanzen. Jahr für Jahr.

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