Italien-Urlaub 2012 – ein Rückblick: Verona, Historische Ladenfassade (Fernando Pensato)

Semper floreat! Detail einer ehemaligen „Fernando Pensato“-Ladenfassade, Via Cappelli, Verona.

Semper floreat! Detail einer ehemaligen „Fernando Pensato“-Ladenfassade, Via Cappelli, Verona.

Die Via Mazzini und die daran angrenzenden Gassen bilden das Einkaufsviertel Veronas schlechthin. Heutzutage findet man dort leider immer häufiger dieselben internationalen Marken wie in den meisten weltweiten Großstädten, die Einkaufen zu einer recht austauschbaren Erfahrung werden lassen.

In meiner Kindheit jedoch empfand ich einen Schaufensterbummel rund um die Via Mazzini als ein Eintauchen in eine fremde Welt des Schönen, mithin eine Verzauberung. Ich kann mich zwar nicht erinnern, dass meine Mutter jemals tatsächlich etwas kaufte (wobei ich mich da so, wie ich sie kenne, auch irren kann.) Man konnte jedoch sicher gehen, dass Aunty Glamorous öfter das eine oder andere edle Stück zur Schau trug, welches sie dort erstanden haben musste.

Kann sich außer mir noch jemand an den Werbespruch in westdeutschen Frauenzeitschriften der 80er Jahre erinnern: „Scarpe italiane – l’alta moda in Sachen Schuh“? (Google leidet diesbezüglich an Amnesie, oder ich.)

Die Schuhgeschäfte der Via Mazzini prangten voller Schuhe, die in meiner kindlichen Vorstellung „Prinzessinenschuhe“ waren: Glitzersteine, Spitzenapplikationen und natürlich bar jeder Rücksicht auf weibliche Anatomie.

Warum erzähle ich das? Nun, die Veränderung der Veroneser Shoppingmeile wird für mich nirgends besser ersichtlich, als an einem Haus auf der Via Cappelli, die rechtwinklig dort anschließt, wo die Via Mazzini auf die Piazza dell’Erbe  stößt. Dort findet man die obige Vignette, die zu einem Schaufensterensemble gehört, welches einst eine Boutique des italienischen Schuhdesigners Fernando Pensato beherbergte.

Fernando Pensato erhebt den Anspruch, der Erste gewesen zu sein, der seine Kreationen mit Stickereien und Straßsteinchen verzierte. Mit Sicherheit war er unter den Ersten, die netzartiges Nylongewebe als Material für Schuhe entdeckten.

Darüber hinaus entwarf er für jede Kollektion Gemälde in einem Stil, der für mich sofort als Kürzel für die späten Siebziger erkennbar ist und eigentlich eine Rückbesinnung jener Dekade auf den Jugendstil darstellt.

Fabelhafte Schuhschönheiten: Detail einer Fernando-Pensato-Ladenfassade in der Via Cappelli, Verona.

Fabelhafte Schuhschönheiten: Detail einer Fernando-Pensato-Ladenfassade in der Via Cappelli, Verona.

Als Kind stand ich bei jedem Besuch staunend vor den auf Schuhen gleichsam aufgepropften Frauenbüsten, die an der Fassade des Fernando-Pensato-Ladens prangten und natürlich, Sirenen gleich, jenen stummen und doch kraftvollen Lockruf ausstießen, der nach wie vor von Frauen in aller Welt vernommen wird, sobald sie der Objekte ihrer Begierde in einem Schaufenster ansichtig werden: „SCHUHE!“

Heute beherbergt das Haus ein Bademodengeschäft, und ich sehe mit ziemlichem Bedauern jenem Tag entgegen, an dem diese besondere Fassade, die ja auch ein Stück Modegeschichte darstellt, als altmodisch angesehen und demoliert werden wird.

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