Hacking Reality oder Fucking with the Truth? Quargos Blogger-Targeting

Man denkt ja immer, die Leute aus der Werbebranche, das sind die wirklich Kreativen unter uns. Man stelle sich daher meine Überraschung vor, als ich gestern folgende E-Mail in meinem Postfach hatte:

Screenshot der E-Mail von Quargo an meine Blog-E-Mail-Adresse.

Screenshot der E-Mail von Quargo an meine Blog-E-Mail-Adresse.Screenshot_E-Mail Quargo

Ich weiß nicht, ob es rechtens ist, Herrn Elischers E-Mail hier zu veröffentlichen. Allerdings bin ich ja ausdrücklich um „ein Review“ bzw. „paar Wörter“ gebeten worden.

Nun denn, (zum ersten).

Mama, Wuff, Miau, Schuhe, Nase.

Verwirrt? Nun, das sind Wörter. Genau genommen Wörter, die das Bubele derzeit beherrscht. (Wenn Sie das jetzt nicht verstehen, Herr Elischer, liegt es vielleicht daran, dass Sie ein ganz klein wenig geflunkert haben, als Sie andeuteten, Sie seien hier begeisterter Leser.)

Ich vermute aber stark, dass man sich von mir Worte statt Wörtern erhofft.

Nun denn (zum zweiten).

Ich dachte wirklich, unerwünschte Werbe-E-Mail sei inzwischen so verpönt, dass man sich als Werbeagentur gar nicht mehr traut, das als Strategie in den Raum zu stellen. Das hat mich etwas erschüttert. Und das habe ich auch auf der Quargo-Seite kundgetan.

Die Reaktion:

Screenshot einer Unterhaltung auf der Quargo-Facebook-Präsenz.

Screenshot einer Unterhaltung auf der Quargo-Facebook-Präsenz.

App-Developer lesen Dresden-spezifischen Mutti-Blog? Man lernt doch nie aus. Ich freue mich wirklich, dass ich mit meinem bunten Themenspektrum so gut ankomme. Oder war es gar meine Beschäftigung mit „Computerles“, die mir diese Aufmerksamkeit einbrachte?

– Mal ehrlich: gibt es noch irgendwo Blogger, die sich von  derart stümperhaftem Rangewanze geehrt fühlen? Ist das noch „Hacking Reality“ oder schon „Fucking with the Truth“?

Damit wir uns nicht missverstehen: ich habe kein Problem damit, eine Rezension eines Produkts zu verfassen, welches mir gefällt. Ich mache das sogar unaufgefordert und ohne Gegenleistung. Alles, was ich erwarte, ist ein bißchen Respekt – davor, wer ich bin und was ich mache.


Die Kaltmamsell hat es in einem Post zum Thema „Internet- vs. Marketingkultur“ treffend ausgedrückt: Wenn die Unternehmenskultur im Argen liegt, hilft nur noch Lügen und Tricksen. Wann werden die Verantwortlichen endlich schnallen, dass Mundpropaganda nicht funktionieren kann, wenn die Aufrichtigkeit auf der Strecke bleibt?


Ein Kommentator auf Facebook bemerkte: „Kommt mir von zig anderen Firmen irgendwie bekannt vor.“ Ja, mir tut es fast ein wenig leid für Quargo. Aber nur fast. Die App mag ja ganz nett sein (kann ich als Android-Nutzer nicht beurteilen). Doch wer so stümperhaft an Testimonials herangeht, nimmt den Backlash ja quasi in Kauf. Und da Quargo offenkundig die eigene Marke wichtiger ist als der Mensch, der sie propagieren soll, gibt’s jetzt wenigstens von mir mal eine vor’n Latz.

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4 Kommentare zu Hacking Reality oder Fucking with the Truth? Quargos Blogger-Targeting

  1. ikarus sagt:

    Tja, ich habe dieselbe Mail von Quargo auch bekommen und nach zwei Sekunden behandelt wie Post vom nigerianischen Ex-Präsidentenbakiers. Denn es ist verfickter Spam. Doppelt verfickter Spam, weil er sich als User-Post tarnt.
    Vierfach verfickt finde ich das, weil Deine und meine Mail wahrscheinlich Agenturen mit Segnung von Quargo abgesetzt haben, die in ihrer Leistungsbeschreibung „Blogger-Relations“ stehen haben und wahrlich nichts vom Blogging verstanden haben. Denn es war ja kein Versehen, sondern kalkulierter Bullshit.

    • Deine Wortmeldung freut mich besonders, weil Du ja (ich denke, das darf ich schreiben, ohne zu viel über den Menschen hinter dem Pseudonym preis zu geben) vom Fach bist, und eben NICHT mit Abwiegeln reagierst, sondern mein Problem mit dieser ganzen Aktion nachvollziehen kannst.

      Wie ließe sich denn herausfinden, welche Agentur hier von Quargo beauftragt wurde?

  2. stefanolix sagt:

    Korrigiere mal bitte den Link zur Kaltmamsell, der funktioniert so nicht. Nach dem »werden« ist die Adresse der Seite zu Ende.

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