Allein gegen die Mafia: Game of Thrones 1.0. Würdigung zum Tod Damiano Damianis

Eigentlich wollte ich heute einigermaßen vernünftig sein und gegen zwei Uhr ins Bett gehen.

Doch dann entdecke ich beim Überfliegen einer Tageszeitung eine Nachricht, und schon kommen die Bilder hoch. Bilder, die in ihrer Schonungslosigkeit und Brutalität ein heißgeliebter Teil meiner Kindheit waren.

Ich bin im Nachhinein selbst verblüfft, dass meinen Eltern mir offenbar erlaubten, die Fernsehserie Allein gegen die Mafia (ital. La Piovra = die Krake) zu schauen, denn eigentlich wuchs ich recht behütet auf.

Doch ich erinnere mich genau an die Fernsehabende im Familienkreis: wie gebannt wir von diesem TV-Großereignis der 80er waren, von dieser Produktion, die mit einem internationalen Staraufgebot (unter anderem Rolf Hoppe, den ich erst Jahre später als Hiesigen wieder entdecken sollte) ein Straßenfeger erster Güte war.

Die Regie der ersten Staffel führte der Regisseur Damiano Damiani, der am 7. März verstorben ist.

Natürlich bin ich anschließend auf Youtube versackt und habe mir mindestens eine eineinhalbstündige Folge auf Italienisch angesehen, mich an Gesichter und Handlungsstränge erinnert, als sei es nicht bis zu 29 Jahre her, dass ich sie zum ersten Mal sah: zum Beispiel, wie die atemberaubend anmutige Esther Rasi, die den Tod ihres Vaters rächen will, indem sie dessen Mörder heiratet, Tano Cariddi (dies eine Schurkenrolle, wie sie ein Schauspieler wohl nur einmal im Leben angeboten bekommt); die Schlussszene in der Villa Melzi, in der Esther Tano ihre Täuschung offenbart, dieser sonst so eiskalte Mann darüber völlig die Fassung verliert, sie tötet, und wie Corrado wieder einmal zu spät kommt, so dass ihm nur noch bleibt, den Tod der Zwanzigjährigen zu betrauern.

Ich würde gerne eine ausführliche Würdigung verfassen, denn wie ich feststelle, wirken Regie und Erzählweise in keinster Weise angestaubt, gestrig oder überholt. Noch zeitloser aber der Plot: vom Kampf des gerechten (manchmal selbstgerechten), vor allem aber mutigen Commissario Corrado Cattani, den starken Frauen an seiner Seite (der zungenbrecherische Name „Titti Pecci Scialoia“ rollt mir heute noch mit schlafwandlerischer Sicherheit von der Zunge, weil wir zuhause es liebten, diese Namen nachzusprechen), sowie den Verbrechen der Mafia, die bei ihrem Streben nach Macht und Einflussnahme jeglichen selbst propagierten, patriarchalen Ehrenkodex genauso wie die Landesgrenzen Italiens hinter sich gelassen hat und längst international agiert. Game of Thrones 1.0, bin ich versucht es zu nennen.

Aber gerne lasse ich dem von mir ebenfalls sehr geschätzten Regisseur Dominik Graf den Vortritt, der dem Werk in einer Lesung eine treffende Würdigung widerfahren lässt. Anhören  lohnt unbedingt!

Und wer dann noch nicht von der Qualität einer 80er-Jahre Serie überzeugt sein sollte (also einem Produkt jenes Jahrzehnts, das ansonsten durch Serienfraß wie Miami Vice oder Knight Rider seinen Stempel aufgedrückt bekam), der sollte sich die ausdrucksstarke, höchst differenzierte Filmmusik von Ennio Morricone anhören, die bei mir nach nur ein, zwei Akkorden Gänsehaut auslöst (vom Motiv ab Minute Zwei so sehr, dass ich mich jetzt schleunigst zu Mann und Kind ins Bett gesellen werde, um mich aufzuwärmen).

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2 Kommentare zu Allein gegen die Mafia: Game of Thrones 1.0. Würdigung zum Tod Damiano Damianis

  1. Ute sagt:

    Du hattest mich mit dem „Allein-gegen-die-Mafia“-Fieber infiziert. Allerdings musste ich die meisten Folgen aufnehmen, weil sie immer so spät liefen. Erst vor zwei Jahren hab ich mich schweren Herzens von den Videokassetten getrennt, weil unser Rekorder endgültig den Geist aufgegeben hat.

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