Süßes am Sonntag: Shir Perah

Da ich mein Vorhaben, jeden Sonntag einen Kuchen zu präsentieren, mal wieder auf’s nächste Leben verschoben habe (wobei ich nie weiß, ob dieses Aufschieben etwas Gutes darstellt, weil ich so vermeide, künstlich Druck in meinem Leben aufzubauen, oder etwas Schlechtes, weil ich vielleicht zu schnell aufgebe, wenn ich mir etwas vornehme), möchte ich in der Rubrik Süßes am Sonntag eine andere Köstlichkeit vorstellen, die es mir angetan hat: Shir Perah.

Afghanische Gaumenfreude: Shir Perah zum Kaffee. Foodstyling: ich. Foto: JMK.

Afghanische Gaumenfreude: Shir Perah zum Kaffee. Foto: JMK.
(Geschirr und Tablett sind Erbstücke von meiner Großmutter väterlicherseits).

Ich stieß darauf bei einem Weihnachtsmarktbummel mit der Dekabrista, und wie sie schon damals prophezeite, ist die Zeit gekommen, die Begebenheit zu „verbloggen“ (auch wenn dem Präfix etwas leicht Despektierliches anhaftet – wie wäre es mit dem wertneutralen „bebloggen“?).

Auf dem Mittelaltermarkt im Stallhof waren wir an einen Stand mit Süßigkeiten geraten, die man zum Glück kosten konnte. Im Bild oben wird der Dekabrista gerade eine Köstlichkeit gereicht; im Bild unten eine „Wollmaus“, die ich an Ort und Stelle verzehrte (ein skurriles Gebäck, Zuckerwatte nicht unähnlich, bloß staubiger, eben wie man sich eine Wollmaus aus dem Orient vorstellt) und dann gleich noch vom (ebenfalls erkennbaren) Shir Perah je ein Tütchen für mich und die Dekabrista  kaufte, nachdem wir davon hatten kosten dürfen.

Der „Dattelschlepper“-Stand auf dem Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof des Dresdner Schlosses.

Der „Dattelschlepper“-Stand auf dem Mittelalter-Weihnachtsmarkt im Stallhof des Dresdner Schlosses.

An Ort und Stelle war mir der Kardamom-Gedschmack des afghanischen Konfekts eigentlich zu penetrant, aber der Tipp, dass es Landessitte sei, die Süßigkeit in kleinen Stücken vorne auf der Zunge zu platzieren und mit einem Schluck Kaffee nachzuspülen, so dass sich Gewürze und Kaffee geschmacklich verbänden, reizte mich, es auszuprobieren.

Was soll ich sagen, Shir Perah ist mir zur liebsten Nascherei geworden. Wenn ich einmal eine seltene Mußestunde habe, mache ich mir eine wirklich schöne Tasse Kaffee und gönne mir ein (na gut, zwei) Stück der Süßigkeit (fürs Foto oben habe ich ein wenig übertrieben). Denn mit seinen Zutaten, nämlich gehackten Nüssen (die Pistazien sind auf meinem Foto gut erkennbar), Zucker, Milch, Sahne und Kardamom, haut Shir Perah ganz schön rein ins Kalorienkonto. Aber der Geschmack in Verbindung mit Kaffee ist umwerfend. Süß, ja („shir“ bedeutet süß), aber nicht picksüß, ausbalanciert von den Bitterstoffen des Kaffees, den ich persönlich sowieso ungesüßt zu trinken pflege.

Bisher konnte ich keine andere Bezugsquelle als den Online-Shop des Dattelschleppers auftun. 100 Gramm kosten dort 3,50 Euro. Angeblich wird das Konfekt von einem alten Mann in München in Handarbeit hergestellt. – Über Hinweis zu lokalen, d. h. Dresdner Herstellern würde ich mich freuen.

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11 Kommentare zu Süßes am Sonntag: Shir Perah

  1. stefanolix sagt:

    Zum Vorsatz mit dem Kuchenbacken: Bei uns ist es seit drei Wochen zum Ritual geworden, dass ich freitags nach Feierabend etwas Pikantes backe (wenn es zeitlich passt). Das kann ein Tortano oder ein Focaccia sein, manchmal auch eine Pizza oder eine Spanakopita. Mit süßem Backwerk für den Sonntag kennt sich dagegen meine Frau besser aus, davon habe ich (fast) keine Ahnung.

    Die Zutaten sind ja am Ende nicht wesentlich teurer als zwei Packungen von der Fertig-Lasagne, über die jetzt so oft geredet wird. Es kostet nur Zeit und – zugegebenermaßen – doppelte Energie: Aus der Steckdose und aus dem eigenen Kopf. Aber mit etwas Routine lässt es sich natürlich mit anderen Dingen verbinden. So »geht« der Hefeteig etwa so lange, wie die Waschmaschine für das Oberhemdenprogramm braucht.

    Ich habe festgestellt, dass mit jedem neuen Lebensmittelskandal noch mal das Bewusstsein für die eigene Ernährung wächst – aber seit einiger Zeit wächst auch mein Bewusstsein für den Spaß am Selbermachen ;-)

  2. dekabrista sagt:

    Falls Du eine Bestellung tätigst, dann sag Bescheid. Ich habe das Zeug geliebt :)

    • Das hättest Du mir mal früher sagen sollen. Ich darf gar nicht daran denken, was ich mir das habe kosten lassen. Life’s little luxuries. Aber da wir uns ja demnächst (diese Woche?!) eh‘ mal kluge Gedanken machen wollen, kann ich Dich vielleicht damit locken?

  3. Ibn Battuta sagt:

    Warst Du mal im Hindukusch auf der Alaunstraße? Der Inhaber könnte als Afghane Ahnung haben, wo man Shir Perah hier in DD auftreibt. Vielleicht können sie Dir im Orient-Basar am Albertplatz oder in der ehemaligen Seidenstraße auf der Louisenstraße Tips geben?

    • Der Orient-Bazar könnte es haben, sagt man mir dort. Danke für die Hinweise.

      Ibn Battuta kannte ich bisher noch nicht.

      • Bin inzwischen beim Orient-Bazar fündig geworden. Herr Bahrain wusste sofort, was ich meinte. Die Konsistenz ist anders als bei der handgemachten Version: mürber, fast hauchzart, gleichzeitig staubtrocken. Aber mit Kaffee genossen, stellt sich derselbe Effekt ein. Daher habe ich jetzt Nachschub für den Alltag, werde aber für besondere Gelegenheiten weiter beim Dattelschlepper einkaufen. Was in Dresden fehlt, ist eine Confiserie Orientale!

  4. thg sagt:

    Ich habe leider keine Hinweise, ich kann nur unqualifiziert mitteilen, dass ich auc jedesmal beim Dattelschlepper stehen bleibe und viiiieeeel zu viel Geld ausgebe. Zum Beispiel für ein leckeres Müsli mit Safranfäden und Trockenfrüchten, dass seinen wahren, leckeren Charakter erst offenbart, wenn man es mit warmer Milch zubereitet. Mir tropft gleich wieder der Zahn…

    Weil ich jetzt aber trotzdem sehr neugierig war habe ich mal nach einem Rezet gegoogelt… Vielleicht pobiere ich das hier mal aus (was auch immer „heel“ ist…)

    2 cups milk powder
    2 cups sugar
    1 spoon oil
    1 ½ spoon rose water
    some heel( im not sure wat they call it in English)
    chopped walnuts( not too finely)
    crushed pistachio ( very finley)

    Mix the milk, oil, rose water, heel, and walnuts in a hard plastic bowl…or a thick metal pot and mix it up.. using the same cup put two cups of sugar in a pot with 3/4 cup of water and put it on the stove for about 10 mins…(but im not too sure about the timing I normally just check the sugar and know when its ready)…when it is fully boiled and it starts bubbling keep taking a bit of it and put in on a cool surface and check with your finger that is sticky…make sure it doesn’t get too sticky and shouldn’t be watery either…a bit more chaspook than honey…or something close to wax…make sure u have a tray greased with oil ready on the side…pour the sugar mixture on top of the milk powder at once and quickly mix it,( you have to be very quick at pouring and mixing them) then pour it on the tray, don’t take too long pouring it..and then just sprinkle the pista on top and let it set for an hour or more until it hardens…then cut it with knife while in tray and leave it for five minutes and then separate it from the tray very carefully.

    • Nach dem Müsli werde ich Ausschau halten. War mir gar nicht aufgefallen. „Heel“ könnte etwas Brot-Riebele sein (Renftl für die Sachsen).

      • Lydia sagt:

        Ich kenne „hel“ aus dem Persischen (farsi) als Kardamom. Siehe auch hier: http://gernot-katzers-spice-pages.com/germ/Elet_car.html?spicenames=fa+he+ti

        Meine iranischen Freunde kriegten in Paketen aus Iran neben vielen anderen Köstlichkeiten immer tütenweise Zuckerstückchen, die man zum Tee lutschte, anstatt den Tee zu süßen. Das war kein Würfelzucker wie wir ihn kennen, eher wie Kandis, aber nicht transparent und glänzend, sondern matt-weiß und opak. Manchmal war er mit Vanille gewürzt, manchmal mit Kardamom. Man lutschte die Stücke wie Bonbons und schlurfte starken Schwarztee dazu, der oft auch noch mit Kardamom gewürzt war. Diesen Kardamomflash fand ich anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber lernte ihn bald lieben. Nach Shir Perah muss ich hier auch mal die Augen offenhalten, das klingt sehr lecker.

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