Drei Mal #Aufschrei: TV, Facebook, Realität

#Aufschrei I: Das Thema in einer (männermoderierten, frauendominierten) TV-Talkshow

„Ich will mal was zum Thema sagen – nicht anekdotisch, sondern analytisch.“

~ Alice Schwarzer zu Günther Jauch

Deutschlands gefeierter Interviewer im Gespräch mit Deutschlands Frauenrechtlerin Nummer Eins. Was darf man hiervon erwarten?

Günther Jauch lädt zum Gespräch über Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem? Anlass ist der Diskurs, den die STERN-Reporterin Franziska Reich Laura Himmelreich mit ihrem Porträt Rainer Brüderles ausgelöst hat.

Was aber tut Herr Jauch im Gespräch mit Deutschlands Feministin Nr. 1, einer Frau, die seit bald einem halben Jahrhundert Frauen zuhört, mit ihnen Gespräche führt, ihnen in ihrem Magazin und ihren Büchern eine Stimme verleiht? Möchte Günter Jauch irgend etwas von diesen Erfahrungen, diesen Stimmen hören?

Nein. Er spielt stattdessen auf einen harmlosen Vorfall zwischen ihm und Alice Schwarzer an, welcher seinerzeit in seiner Sendung Wer wird Millionär? stattgefunden hatte. Er entblödet sich damit nicht, ein um der medialen Wirksamkeit willen inszeniertes Geplänkel auf Augenhöhe (Kontext, Herr Jauch!) mit den Anzüglichkeiten gleichzusetzen, die Frauen in Abhängigkeitsverhältnissen sich Tag für Tag anhören müssen.

Doch statt sich auf das Ablenkungsmanöver einzulassen, gelingt es Schwarzer nicht nur, mit dem Satz „Ich will mal was zum Thema sagen – nicht anekdotisch, sondern analytisch.“ ihre Gesprächszeit für wirklich substantielle Aussagen zu nutzen, sondern auch, Jauch als den Idioten dastehen zu lassen, zu dem er sich hier selbst degradiert hat.

Kleiner Satz, große Wirkung – eine Sternschnuppe der Rhetorik

Eine Lehrstück der Rhetorik, so klein, dass der Satz fast untergegangen wäre, und doch so groß, dass ich ihn mir hier für die Zukunft notieren möchte.

Jauchs Talkshow – eine vertane Chance?

Zurück zur Jauch’schen Sendung. Welch vertane Chance!, hätte ich gesagt, wenn ich sie allein anhand der Verlautbarungen der anwesenden Männer beurteilen müsste. Doch war es ein Vergnügen mitanzusehen, wie souverän die vier weiblichen Gäste (Anna Wizorek, Alice Schwarzer, Silvana Koch-Mehrin und auch Wibke Bruhns) ihre (keinesfalls identischen) Ansichten vortrugen. Mehr noch – die Geduld und Milde, die sie Jauch und Karasek entgegenbrachten, wenn sie diesen simpelste Sachverhalte – wie z. B. den Unterschied zwischen einem einvernehmlichen Flirt und einer Belästigung – wieder und wieder erklären mussten, ließen die beiden Herren eher wie Ewiggestrige und nicht wie einen der angesehensten Talkmaster und einen der geschätzteren Intellektuellen unserer medialen Landschaft wirken.

Compliments, Marthadear!

Anne Wizorek alias Marthadear – die junge Frau, die mit dem Twitter-Hashtag #Aufschrei den Diskurs in Gang setzte – wirkte übrigens neben den beiden Medienprofis Schwarzer und Koch-Merin erstaunlich cool. Es hat mich gefreut, weil ich nicht weiß, ob mir in vergleichbarer Situation gelänge, dass mir nicht die Stimme flattert – oder die Hutschnur hochgeht.

*

#Aufschrei II: Das Thema auf Facebook, oder: Wenn aus einem Dirndl ein Minirock wird, ist nicht immer die Saumlänge schuld

Die Zahl der Frauen, die vom Gebaren Brüderles unangenehm berührt wären, würde vermutlich drastisch sinken, wenn das gleiche Verhalten von George Clooney ihnen gegenüber an den Tag gelegt worden wäre…

~ Zitat auf Facebook*

Das obige Zitat fand ich an der Pinnwand eines geschätzten (und für weibliche Befindlichkeiten durchaus sensibilisierten) Bekannten. Die Aussage erhielt viel Zustimmung; dass es sich im Kern um einen wiederum zutiefst sexistischen Satz handelt, weil er Frauen unterstellt, bei der Beurteilung, ob es sich in einer Situation um sexuelle Belästigung handle, mit zweierlei Maß zu messen  (quasi das weibliche Pendant zum Mit-dem-Schwanz-Denken). Damit werden weibliche Erfahrungen relativiert und mehr noch: negiert. Sexuelle Belästigung ist doch eigentlich ganz nett, solange der Typ kein alter Sack/reich/berühmt ist.

Auch das Dirndl, auf das Herr Brüderle anspielte, fand Erwähnung, nach dem Motto: „Wenn eine schon im Dirndl …!“. Ich verkniff mir, darauf hinzuweisen, dass es ein ganz feiner Grat von dieser Aussage hin zu der Argumentation ist, wonach Vergewaltigungsopfer ja selbst schuld seien, wenn sie im Minirock ausgehen würden. Diese Art der Doppelmoral, die Opfer zu Schuldigen macht, hielt ich für überholt und erlebe sie nun, in flapsiger Form zwar, aber nichtsdestotrotz virulent.

*

#Aufschrei III: Wenn der Aufschrei ausbleibt oder: Warum ich bis heute schweige

Abhängigkeitsverhältnisse während der Ausbildung

Ein ganz persönlicher Aufschrei hat übrigens noch nicht stattgefunden. Es gab während meiner Ausbildung eine Situation, in der ich in einem Abhängigkeitsverhältnis geschwiegen habe, obwohl es sich eigentlich schon nicht mehr um Anzüglichkeiten. sondern handfeste sexuelle Belästigung handelte. Dass es dabei um eine Karrierechance (ob vermeintliche oder reale, sei einmal dahingestellt) ging, ist nur die halbe Wahrheit hinter meinem Schweigen.

Ich hatte vor wenigen Jahren erneut beruflich mit diesem Mann zu tun, und ich schreckte keinesfalls vor der Situation zurück, weil ich mir einbildete, zehn Jahre älter und somit selbstbewusster zu sein.

Womit ich NIE UND NIMMER gerechnet hätte, war der Flashback, der mich bei seiner ersten neuerlichen Anzüglichkeiten mental und emotional in jene Situation zurück katapultierte, in der ich allein in seinem Büro gewesen war, ich etwas recherchierend, er hinter mir stehend, vorgeblich, um mir bei meiner Tätigkeit über die Schulter zu schauen (Wie schwer kann es sein, eine Nummer aus einem Telefonbuch herauszusuchen? Braucht es dafür einen Supervisor?), dabei seine Hand auf meinem bloßen Nacken wie zufällig abstützend, nicht eine Sekunde, nicht zehn, sondern vielleicht eine Minute, oder mehr, die Zeit stand auf einmal still, und ich so schockiert, dass ich mich während einer gefühlten Ewigkeit nicht rührte, nicht äußerte, nicht wehrte.

Alle, die jetzt mokant „Ja, und?“ fragen – nein, er hat mich nicht vergewaltigt, er hat mich nicht einmal am Hintern getätschelt oder mich am Busen berührt – kurz, primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale waren nicht involviert. Dennoch habe ich aus meinem Erfahrungsschatz an ähnlichen und weitaus schwerer wiegenden Vorfällen bewusst diesen gewählt, um mich in der Debatte zum Thema #Aufschrei zu äußern. Denn es tut nichts zur Sache, wie schwer der Grad der Übergriffe in sexueller Hinsicht wiegt!

Zum x-ten Mal:

Es geht nicht um Sex, es geht um Macht!

Stattdessen geht es um den oft zitierten und dennoch immer noch nicht als allgemeingültige Wahrheit etablierten Satz, wonach es bei sexueller Belästigung nicht um Sex geht, sondern um Macht. Und so, wie ein Herr Brüderle sich  – gleich wie harmlos – als Leithammel im Pack etablieren wollte, so führte in meinem Fall die Berührung (der monatelange Anzüglichkeiten verbaler Art vorausgegangen waren) dazu, dass sich innerhalb weniger Sekunden die bis dato eh schon prekären Machtverhältnisse klärten. Meine Intimsphäre war verletzt worden. Ich hatte geschwiegen.

Ich kenne inzwischen mehrere Vorgängerinnen in meiner Position und auch einige Nachfolgerinnen, und die Geschichte wiederholt sich Mal um Mal. Keine von uns hat bisher etwas gesagt, aber hinter vorgehaltener Hand sind die Vorfälle ein offenes Geheimnis. An guten Tagen scherzen wir darüber.

An schlechten jedoch weiß ich, dass es für einen Mann immer noch ein Leichtes ist, eine Frau so subtil zu terrorisieren, dass sie sich wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange fühlen wird. Er weiß dann, dass er schon recht weit gehen kann, ohne dass sie sich wehren wird. Und diese Grenzen wird er weiter ausloten.

PS Gerne hätte ich meinen Beitrag auch in den Kanon der Stimmen auf der Website zum Thema #Aufschrei bzw. Alltagssexismus eingereiht. Es missfällt mir aber, dass eine Seite zu einem so wichtigen Thema kein Impressum enthält.** Was dort bis dato zu lesen ist, reicht aber auch schon aus.

Nachtrag

*Ich gebe zu, dass ich in der Kürze der Zeit, in der ich diesen Artikel heute früh verfasste, nicht recherchieren konnte, wer der Mensch hinter dem Namen unter diesem Zitat ist. Solange ich dies nicht weiß, möchte ich nicht einfach einen Namen anführen, den es mehrmals gibt. Denn es geht mir weniger darum, eine einzelne Person an den Pranger zu stellen, als eine Mentalität aufzuzeigen, die sich anhand dieser Wortmeldung in den Folgekommentaren herauskristallisiert. Wenn der Urheber des Zitats genannt werden möchte, genügt eine kurze Nachricht, und ich werde meiner Chronistenpflicht gerne nachkommen.
**Behoben.
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27 Kommentare zu Drei Mal #Aufschrei: TV, Facebook, Realität

  1. OstTimoR sagt:

    Frauen – ob sie Dirndl tragen, oder nicht – sind froh, wenn sie von ihrer Figur her selbiges ausfüllen könn(t)en.
    Ein Handkuss galt einmal als sehr höflich. Eine Aufforderung zum Tanz dito.
    Eine (Hotel-)Bar ist ein Ort der Begegnung. Die Distanz reduziert sich durch die räumlichen Gegebenheiten, durch zahlreiche Gäste, durch Alkohol.
    Dieser heilige Ort sollte dem Privatvergnügen vorbehalten sein. Erst recht, zu später Stunde.
    Ich halte nicht eine Unterhaltung aufrecht und beschwere mich, dass ich wiederholt belästigt werde. Ich kann mich stattdessen abwenden und wenn das nicht hilft, das Personal um Hilfe bitten oder die Bar verlassen.
    Junge Menschen haben sich gegenüber Älteren speziell im Bezug auf ihr Alter respektvoll zu verhalten und umgekehrt.
    Sexuelle Anspielungen sind einmal in Ordnung und einmal nicht. Läuft es gut (…), ist es ein prickelnder Flirt, läuft es nicht gut (…), ist es Belästigung.
    Einer muss den Anfang machen. Das ist verbal meist noch immer der Mann. Stellt er sich, trotz bester Absichten, ungeschickt an, belästigt er die Frau.
    Wir können unserer Biologie, trotz Vernunft, Moral und Gesetz nicht entkommen. Wir sollten uns arrangieren.
    Eine erwachsene attraktive Frau, die sich körperbetont, spärlich bekleidet und locker in der Öffentlichkeit bewegt, weiß oder sollte wissen, was sie bei Männern auslösen kann. Naivität schützt nicht vor Mitschuld. Bei Übergriffen bleibt der Mann Täter. Täter- und Opferrolle verschwimmen jedoch. Nicht jeder Mann kann damit umgehen.
    Es geht um Sex. Hat der Mann dazu noch Macht, nützt er sie aus.

    • Hallo OstTimoR, ich hatte bisher noch keine Zeit, Dir zu antworten, werde es aber heute versuchen.

    • dekabrista sagt:

      Die Diskussion läuft auf verschiedenen Ebenen, und alle reden aneinander vorbei. Wenn OstTimor von der Biologie spricht, muß frau ihn nicht mißverstehen, denn in allgemeiner Hinsicht hat er absolut recht. Und die Frau, die sich noch nie schöngemacht hat, um jemanden zu verführen, darf jetzt den ersten Stein werfen.
      Andererseits passieren Belästigungen und dergleichen hinterrücks und haben im Regelfall nichts mit der Kleidung zu tun, die gerade getragen wird.

      • Anne sagt:

        Und wenn ich mich tausend Mal schön gemacht habe, um jemanden zu verführen, gibt das niemandem das Recht, mich zu belästigen, verdammt! Wie kann man hier ein Zitat anführen, dass „sich schön machen“ mit einem Vergehen gleich setzt (Wer von euch ohne Schuld ist)??? Ich begreife das nicht! Natürlich gibt es immer eine Erklärung, und ich bin ja selber fast dabei, den Mann zu bemitleiden, der da Druck spürt und nicht alleine aufwachen möchte. Das bestreitet ja keiner. Aber dann sollte doch bitte schön derjenige am nächsten Morgen reflektieren, dass er einfach Scheiße gebaut hat und nicht der Frau vorwerfen, dass sie einen kurzen Rock anhatte. Die Analogie im folgenden Post kann vielleicht auch dem/der letzten verdeutlichen, worum es geht? http://astefanowitsch.tumblr.com/post/41687743284/sagt-ihnen-nicht-dass-sie-sich-haetten-wehren-sollen

        • OstTimoR sagt:

          Dass kein Mann ein Recht zur Belästigung hat ist selbstverständlich, dass es dennoch vorkommt, weiß jede Frau.
          Und daher bietet es sich an, eine Verhaltensweise an den Tag und vor allem in die Nacht zu legen (z.B. was Kleidung oder das Meiden von Orten betrifft), die das Risiko zumindest reduziert.
          Ich will ein Beispiel nennen, welches ich schon seit Tagen im Kopf habe:
          Ich kann die Tür oder das Fenster zu meiner (Stadt-)Wohnung offen stehen lassen, wenn ich nicht da bin und trotzdem hat keiner das Recht, ungefragt einzutreten. Wäre das aber nicht ziemlich dämlich? Keine Versicherung würde bei Diebstahl bezahlen, die Polizei kopfschüttelnd und widerwillig protokollieren und aus dem Umfeld könnte man auch auf wenig Mitleid hoffen.

          Sich schön machen ist kein Vergehen und wurde von dekabrista nicht mit einem solchen gleichgesetzt.
          Auf einer Ebene, die noch nicht unter das Strafrecht fällt, heißt das einfach: Wenn ich mich als Frau verführerisch kleide und verhalte, muss ich damit rechnen, dass mich Männer verführen wollen. Und zwar nicht nur derjenige, auf den ich es vielleicht abgesehen habe.
          Im strafbaren Bereich muss ich damit rechnen, dass mir eine Mitschuld eingeräumt wird oder der Täter milder bestraft wird, wenn ich mich bewusst ((grob) fahrlässig) einem gesteigerten Risiko aussetze.

          Mitleid ist übrigens nicht nötig. Verständnis dafür, wie ein Mann tickt, bzw. ticken kann reicht vollkommen.

          • Anne sagt:

            Danke für den Vergleich, denn er zeigt recht gut, wo das Problem in der Debatte ist. bzw. welches männliche Verständnis dahinter steckt: Eine Frau ist kein Objekt, das man in irgendeiner Form sichern oder gestalten muss, damit niemand anders sich daran bedienen kann.

        • dekabrista sagt:

          Ich habe nicht von Schuld gesprochen. Ich würde auch nie behaupten, eine Frau sei „selbst schuld“, wenn sie belästigt wird. Schuld ist m.E. die mangelnde Selbstkontrolle (und was auch immer da noch mit hineinspielen mag) von seiten des Belästigers.
          Aber daß weibliches Styling ein AUSLÖSER für männliche Begehrlichkeiten sein kann und manchmal auch soll – das zu leugnen wäre weltfremd.

          Das ist genau der Punkt, warum die Debatte so schiefläuft.  Alles hat irgendwie miteinander zu tun, doch man darf es nicht miteinander verwechseln.
          Auf die Schnelle habe ich mindestens drei Ebenen identifiziert, möglicherweise gibt es noch mehr.
          Da ist zum einen die biologische: Männchen und Weibchen.
          Zum zweiten die rationale, zum dritten die ethische. Der sprichwörtliche Bauarbeiter, der einer Frau hinterherpfeift, agiert auf der rein biologischen.
          Der Chef, der seine Mitarbeiterin wiederkehrend belästigt, der weiß vermutlich, daß das unrecht ist (rational), er versagt aber auf der moralischen Ebene.
          Der Typ, der sich in einer überfüllten Straßenbahn an einer Frau reibt, ist ein pathologischer Fall.

          Das alles ist hochkomplex.

          • Anne sagt:

            Der Spruch mit dem „Schön machen“ ist ein direktes Analogon zu „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“. Warum hast du es sonst verwendet? Desweiteren fällt mir auf, dass alle diese Argumente, die auch OstTimor aufzählt, zu 95% der #aufschrei-Geschichten gar nicht passen. Auch meine persönlichen #aufschrei-Momente sind keinesfalls durch Situationen entstanden, in denen ein etwas angetrunkener Mann aus Tollpatschigkeit einen misslungenen Flirtversuch unternommen hat („läuft es nicht gut … ist es Belästigung“). Es geht um ganz andere Momente, um Machtgefälle und Erniedrigung, um Lehrer und Schülerinnen und um Männergruppen gegenüber jungen Mädchen auf der Straßeund, und. Und ich glaube, die meisten Männer kennen den Unterschied genau. Sie argumentieren auf Nebenschauplätzen, weil es nicht so schmerzt und weil es gut tut, eine „Mitschuld“ einzuräumen. Ja, es ist hochkomplex. Und Kathrin hat es komplex analysiert. Aber dann wurde es eindimensional kommentiert.

          • OstTimoR sagt:

            Eine Eindimensionalität entstand zunächst dadurch, dass mein Beitrag tagelang der Einzige war; die der männlichen Sichtweise entsteht hier leider dadurch, dass ich der einzige männliche Mitdiskutant bin, wofür ich aber, bitte schön, nichts kann.

            Du hattest mir vorgehalten, Anne, dass ich nicht auf Kathrins Artikel eingegangen bin, ja sogar vermutet, dass ich ihn nicht gelesen habe.
            Von dir lese ich aber dazu auch wenig. Dir scheint es mehr darauf anzukommen, mich und andere zu kritisieren.
            Wie hast du denn die Sendung von Günther Jauch in Erinnerung, so du sie denn gesehen hast?
            [Kannst dir aber auch sparen, ist ja Schnee von vorgestern. Vielleicht Anne Will?]
            Kannst du einmal ein konkretes Geschehen schildern, wo du mittel- oder unmittelbar betroffen warst, so wie Kathrin und Lydia es gemacht haben?
            Kannst du mir erklären, um was es bei den Aufschrei-Geschichten deiner Meinung nach hauptsächlich geht? Meiner Ansicht nach, und das hatte dekabrista auch schon analysiert, gibt es inzwischen so viele Ebenen und alles wird in einen Topf geworfen.
            Wer entscheidet überhaupt, worum es geht???
            Wenn die Diskussion hier anders verläuft, als auf Twitter oder in Talksendungen ist es eine natürliche Dynamik und vollkommen in Ordnung.
            Oder sollten wir hier aufhören zu kommentieren, nur weil der Medienhype abgeebbt ist. Nein!
            [Obwohl es bestimmt so kommt…]

          • OstTimoR sagt:

            Ich korrigiere und konkretisiere: Dir Anne, scheint es mehr darauf anzukommen, mich und dekabrista zu kritisieren und Kathrins Publikation undifferenziert über den grünen Klee zu loben.

  2. Anne sagt:

    Und an diesem Kommentar sieht man, wie bitter nötig die Debatte ist…

  3. Anne sagt:

    Hallo Kathrin, entschuldige das Unkonkrete, aber ich finde, Du hast dir so viele Mühe gegeben, genau alle Aspekte zu beleuchten und ich habe in den letzten Tagen sooo viele kluge Aufsätze zu dem Thema bei BloggerInnen (finden sich fast alle bei Anke verlinkt) gelesen, ich bin es etwas müde, die Disukssion wieder aufzurollen. Ich kann nur vermuten, dass OstTimor deinen Artikel nicht gelesen hat, denn da steht ja eigenlich alles drin. Um auf OstTimors Thesen Bezug zu nehmen, müsste ich ja jetzt nur hinter jeden seiner Sätze den entsprechenden Part aus deinem Text kopieren. Ich kann einfach nur noch den Kopf schütteln und bin froh, dass es zum Glück viele Männer gibt, die sich nicht „wieder auf die Bäume zurückziehen“ wollen.

    • Hallo Anne, Danke für die Konkretisierung.

      Da ich OstTimor persönlich kenne, würde ich ihm gerne auch persönlich mit meinen Worten antworten. Ohne seine Meinung insgesamt in Schutz zu nehmen, denke ich doch, dass er meinen Artikel gelesen hat, und seine Antwort einen ehrlichen Versuch der Auseinandersetzung bedeutet.

      Ich habe in den letzten Tagen an vielen Männern, die ich eigentlich als respektvoll und zivilisiert im Umgang mit Frauen erlebe, eine große Verunsicherung bemerkt. Ich denke, wenn nun wieder und wieder Meinungen laut werden, die problematisch sind, so heißt das nicht, dass diese Männer unbelehrbare Idioten sind, sondern dass sie einfach verunsichert sind. Mir ist es lieber, einer (wie z. B. OstTimoR) äußert sich und bleibt offen fürs Gespräch, als dass jetzt alle Männer so tun, als hätten sie es kapiert, nur um in der aufgeheizten Debatte nicht als Neandertaler an den Pranger gestellt zu werden.

    • dekabrista sagt:

      Die Phrase mit den „Bäumen“ empfinde ich als unsinnig. Vermutlich kann das Thema gar nicht rational abgehandelt werden, und zwar aufgrund individueller, jeweils unterschiedlicher Scham-, Schmerz- und Toleranzgrenzen. Dann wiederum ist die Frage, ob man politisch an die Sache herangeht oder eher philosophisch (und das ist die Sicht, die ich bei OstTimor vermute), ob man etwas ändern will oder einfach nur etwas konstatieren.

  4. Anne sagt:

    Möglicher Weise schätzt man das anders ein, wenn man den Kommentator kennt. Mir fällt es schwer, aus diesem Kommentar ein Gesprächsangebot und (gar verunsicherte) diskussionsoffene Thesen herauszulesen. Ich lese tw. für mich unsägliche Statements („Naivität schützt nicht vor Mitschuld“). Ich lese in diesen Thesen keine Suche nach Erklärungen, auch nirgendwo, dass die Argumente von dir in irgendeiner Form aufgenommen und verarbeitet wurden, für mich sind sie in der Tat nur die Zusammenfassung aller Argumente der „Contra“-Postionen auf dem Stand von „vor #aufschrei“. Aber mag sein, dass das der Eindimensionalität von Kommentarzonen in Blogs geschuldet ist…

  5. Lydia sagt:

    Seit einer Woche lese ich Beiträge zum Thema #aufschrei, seit einer Woche drehe ich meine Gedanken dazu im Kopf hin und her. Noch bevor ich einen Satz dazu aufschreiben kann, ist schon wieder autokinoleinwändefüllend Neues im Netz, ich lese weiter, finde neue Anregungen, die Gedankenschleuder dreht sich weiter.

    Ganz abgesehen von der Brüderle-Himmelreich-Story, deren mediale Inszenierung durchaus einen üblen Beigeschmack hat, halte ich die Aktion #aufschrei und die damit verbundene Diskussion für enorm wichtig. Es wird Zeit, dass wir über unsere Erlebnisse sprechen, gerade auch über die, zu denen wir immer geschwiegen haben. Es wird Zeit, dass wir einander stärken und ermutigen. Es wird Zeit, dass wir überlegen, was wir ändern können – sowohl Frauen als auch Männer.

    Bei der Lektüre von OstTimoRs Kommentar ging es mir ähnlich wie Anne. Mir ist erst mal die Spucke weggeblieben. Sätze wie „Wir können unserer Biologie, trotz Vernunft, Moral und Gesetz nicht entkommen“, „Naivität schützt nicht vor Mitschuld“ oder gar „Täter- und Opferrolle verschwimmen“ kann ich bestenfalls unter der ersten Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens verbuchen, wie sie Johannes Mirus (http://1ppm.de/2013/01/aufgewacht/) beschreibt, schlimmstenfalls fallen sie unter victim-blaming. Eine Aussage wie „Eine erwachsene attraktive Frau, die sich körperbetont, spärlich bekleidet und locker in der Öffentlichkeit bewegt, weiß oder sollte wissen, was sie bei Männern auslösen kann“ dient auch denen als Argument, die Frauen unter Schleier und Burkas zwingen. Der in unserer Gesellschaft so verbreitete Konsens darüber, dass der Islam per se frauenfeindlich ist, war mir immer suspekt. In der aktuellen Debatte zeigt sich, wie offensichtlich hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

    Ja, in unserer Gesellschaft, in unserem Alltag ist Sexismus immer noch verbreitet. Wenn bei einer Podiumsdiskussion ein männlicher Teilnehmer (ein distinguierter Herr weit jenseits der 60, von dem ich eigentlich viel halte), jedes Mal wenn er eine bestimmte Mitdiskutantin anspricht, ihre Attraktivität betonen muss und dabei noch damit kokettiert, dass er ihren fremdsprachigen Namen nicht aussprechen kann, ist das ärgerlich. Wenn es bei der Diskussion dann noch ausgerechnet um die Stellung der Frau im Iran geht, ist es einfach peinlich. Man stelle sich umgekehrt Gertrud Höhler bei einer Debatte zum Thema „Griechenland, was nun?“ vor, bei der als Experte ein junger Grieche namens Adoniadis geladen ist. Was wäre wohl los, wenn sie ihn wiederholt mit hochgezogener Braue und in anzüglichem Ton fragen würde: „Und was meint Herr Adonis dazu?“

    • Lydia sagt:

      Nachtrag
      Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass ich an dem im letzten Absatz geschilderten Abend nicht den Mumm hatte aufzustehen und was zu sagen. Und dass ich nicht mal weiß, ob ich ihn heute hätte.

      Vielen Dank, Kathrin, für Deinen persönlichen Aufschrei. Mir ist’s beim Lesen eiskalt den Rücken runtergelaufen.

      • OstTimoR sagt:

        Das Verhalten des alten Herrn in deinem Beispiel, Lydia, ist für dich und sicher auch für andere Teilnehmer, wie du schreibst, ärgerlich und peinlich. Aber weißt du, was die angesprochene Mitdiskutantin darüber denkt? Ist es offensichtlich, dass sie sich belästigt und sich auf ihr Geschlecht reduziert fühlt? Oder genießt sie gar die Aufmerksamkeit und weiß daraus ihre Vorteile zu nutzen?

        Ich gebe dir recht, dass das Verhalten dieses Mannes die sachliche Diskussion insgesamt stört. Ich sehe darin weniger eine Ausübung von Macht in einem Abhängigkeitsverhältnis oder eine Herabwürdigung aufgrund des Geschlechts, als vielmehr eine Fehleinschätzung der Originalität und des Humors, Selbstüberschätzung des eigenen Charmes, Unbeholfenheit im zeitgemäßen Umgang miteinander und speziell gegenüber der Weiblichkeit, altersbedingte Neigung zu Wiederholungen erlernter Verhaltensweisen, usw..

        Ich könnte mir vorstellen, dass aufgrund von Respekt gegenüber der fachlichen Kompetenz und aus Respekt vor dem Alter niemand das Thema öffentlich anspricht. Vielleicht wird sein Verhalten auch toleriert, weil man sich denken kann, dass sich dieser Mensch sowieso nicht mehr ändern wird.
        Einen Versuch wäre es trotzdem wert, es geht ja auch anonym.

        • Lydia sagt:

          Ich weiß nicht, ob die Galanterien des Moderators die Expertin störten. Sie ging professionell damit um, wie man so schön sagt, und lächelte charmant. Für ihn war es sicher reine Galanterie, so wie er es halt als junger Mann gelernt hat. Wenn es eine Bemerkung gewesen wäre, wäre es mir wahrscheinlich gar nicht weiter aufgefallen. Aber ich muss bei einer Veranstaltung, zu der ich gehen, weil mich das Thema interessiert und ich etwas Neues erfahren will, nicht sieben-, achtmal auf die Schönheit einer der Rednerinnen hingewiesen werden. Augen hab ich selber im Kopf – die Frau war wirklich ausnehmend schön, so schön, dass mir der Atem stockte, wenn ich sie ansah.

          Das Beispiel mag harmlos sein, aber ich habe es gewählt, weil sich darin die doppelte Moral so schön zeigt. Es lässt sich trefflich über die Situation der ach so unterdrückten Frauen im fernen Iran diskutieren und sich bequem zurücklehnen, weil wir hier ja alle so wunderbar emanzipiert sind.

  6. OstTimoR sagt:

    Ich möchte mich zu meinem Beitrag vom Dienstag äußern, der vielleicht nicht als Kommentar im eigentlichen Sinne durchgeht. Ich gestehe ein, dass ich nur am Rande auf Kathrins 3 „Aufschreie“ eingegangen bin, gelesen habe ich sie wohl. Auch dem Jauch seine sonntagabendliche Sendung hatte ich mit einem Auge bzw. Ohr verfolgt.
    Ich hatte viele Gedanke ich Kopf, die ich an diesem Dienstag Abend noch auf das Blog bringen wollte, die Zeit war aber knapp bzw. ich war schon recht müde. Daher entschied ich mich für eine Aneinanderreihung der Dinge, die mir zum Thema durch den Kopf gegangen sind. Zu denen stehe ich durchaus, verstehe aber, dass diese Statements derart „hingeknallt“ für Verwirrung und auch Unmut gesorgt haben. Vor allem, wenn man mich nicht kennt.

    Ich war beruflich einer Frau nie höher gestellt. Für mich ist vielmehr der umgekehrte Fall Normalität, ohne dass ich unmittelbar sexistische Erfahrungen gemacht hätte oder damit in meinem Arbeitsumfeld näher damit konfrontiert gewesen bin (wohl hatte ich aber teilweise das Gefühl, dass ich als Mann in weiblich dominierten Berufen öfter Vorteile, aber auch teilweise Nachteile hatte). Daher kann ich zum Thema Sexismus im Arbeitsleben wenig eigenes beitragen.
    Im Privatleben gestehe ich durchaus ein, in Verbindung mit Alkohol gegenüber Frauen schon verbal lästig und zu aufdringlich gewesen zu sein, da in einem solchen Zustand leider die Sensibilität abhanden kommt und gleichzeitig die Sehnsucht und auch der Druck steigt und man am … nächsten Morgen einfach nicht alleine aufwachen möchte.

  7. Zwischenbemerkung: Ich freue mich sehr über die in Gang gekommene Diskussion – leider fehlt mir nach wie vor die Zeit für reflektiertes Antworten – bitte habt Nachsicht bzw. noch Geduld. Vielleicht schaffe ich es heute.

  8. Anne sagt:

    @OstTimoR: Ich weiß nicht, wo ich „über den grünen Klee“ gelobt habe. Ich habe versucht, auf die Argumente in den Kommentaren einzugehen. Ich habe klargelegt, dass ich die Argumentation von Kathrin teile, damit man weiß, worauf man sich in der Diskussion mit mir beziehen kann – ohne, dass ich nochmal alles aufzähle, was oben ja angeführt ist. Dass man als Kommentator in einer Diskussion kritisiert wird, finde ich per se nicht verwerflich. Ich musste mir doch auch Kritik anhören an dem, was ich geäußert habe. Außerdem habe ich weiter unten sogar eingeräumt, deinen Kommentar auch vielleicht missverstanden zu haben. Das, was du in dem ersten Kommentar geäußert hast, musste ich als Antwort auf den Eingangsartikel verstehen, und da geht es um # aufschrei. Also hab ich dein Statement als solches gelesen und kommentiert. Und daher geht es (mir) um #aufschrei und nicht um Situationen, in denen Männer beklagen, dass sie nicht mehr flirten dürfen et.al. Wenn es dir um etwas anderes geht oder wir erst definieren, worum es geht, dann führen wir vielleicht doch die falsche Diskussion hier miteinander?!

  9. Lydia sagt:

    Der Aufschrei kann ja nur ein erster Anstoß sein, der hoffentlich ganz viele Diskussionen in Gang bringt. Dass bei so einer Explosion erst mal alles Mögliche an Gedanken und Gefühlen, Erlebtem und Beobachtetem durcheinanderfliegt, liegt in der Natur der Sache und zeigt meines Erachtens nur, wie wichtig diese Diskussion ist.

    Nein, ich weiß nicht, wie Männer ticken. Unterschiedliche Männer erzählen mir ganz unterschiedliche Dinge. Selbst ein und derselbe Mann äußert heute dies und morgen das, und ich hab keine Ahnung, wie das zusammenpassen soll. (Was nicht heißen soll, dass ich keine Widersprüche habe, dazu unten.) Und genau deshalb, OstTimoR, fängt es mich an der Stelle an wirklich zu interessieren, wo Du von Sehnsucht schreibst, von Druck und dass Du am Morgen nicht allein aufwachen möchtest. Denn das ist menschlich und berührt mich im Gegensatz zu der coolen Fassade, mit der sich ein Typ in der Disco vor mir aufbaut und fragt: „He, wie heißt’n du mit Nachnamen?“ (Echt passiert!) Und der dann noch tödlich beleidigt ist, wenn ich antworte: „Geht dich nen Dreck an.“

    Was verführerische Klamotten betrifft, kann ich nur über meine persönliche Erfahrung sprechen. In meiner Teenagerzeit, bis Anfang zwanzig, war das Allerletzte, was ich wollte, eine Tusse sein. Ich war klapperdürr und flach wie ein Brett, dazu trug ich Jeans, Schlabberhosen, Riesenpullover oder Hemden meines Vaters, die mir fast bis zum Knie reichten. In Schuhen mit mehr als 2 cm Absatz hätte ich gar nicht laufen können. Und trotzdem wurde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr so oft und unverschämt angebaggert wie damals. Was wirklich ganz extrem geholfen hat, war mit 23 eine Brille zu kriegen. Eine Brille ist für eine Frau fast so was wie eine Tarnkappe.

    Bis jetzt hatte ich wirklich Glück. Handgreifliche sexuelle Belästigung habe ich nur sehr selten erlebt, und da konnte ich mich erfolgreich zur Wehr setzen. Wenn mich ein Typ unverschämt anmacht, habe ich kein Problem damit, je nach Grad der Unverschämtheit mit der passenden Antwort zu kontern oder ihm gleich eine zu knallen. Was für mich sehr viel schwieriger ist, ist, wenn die Situation komplizierter ist. Wenn mein Verstand meinem Gefühl nicht folgen kann. Wenn eine Situation kippt, wenn das, was ich gerade noch wollte, auf einmal nicht mehr stimmt. Wenn ein Mann, den ich bis eben attraktiv und sympathisch fand, mich zum ersten Mal küsst und mir dabei die Zunge in den Hals stößt, dass ich würgen muss, und ich erst mal paar Sekunden, die sich wie Stunden anfühlen, brauche, um zu kapieren, warum sich das jetzt gar nicht so anfühlt, wie ich erwartet hab, scheiße, was mach ich jetzt, wie komm ich da wieder raus?

    Natürlich, nein, nicht natürlich, zum Glück hab ich das schon lang nicht mehr erlebt und bin bis jetzt noch jedes Mal heil rausgekommen, aber es hat sich immer scheiße angefühlt.

    • Lydia sagt:

      So pessimistisch möchte ich das nicht sehen. Wie gesagt, ein Aufschrei kann nur ein erster Anstoß sein. Ob es beim einmaligen Aufschrei bleibt oder ob wir die Diskussionen in Gang halten, liegt ja letztlich auch an uns. Wenn die vielen geschilderten Erlebnisse, so unterschiedlich sie sein mögen, nur ein paar Leute dazu bringen, ihr Verhalten zu überdenken, Selbstverständliches in Frage zu stellen, dann geht der Aufschrei auch nicht ins Leere. Wenn jede und jeder von uns seine Einstellung und sein Verhalten auf den Prüfstand stellt, war es nicht umsonst.

      Wie dekabrista gesagt hat, es ist ein komplexes Problem, dem man sich von vielen Seiten nähern kann. Ich bin über eine ganze Reihe von Aspekten ins Grübeln gekommen. Einer davon betrifft auch mein Schreiben, angeregt durch diesen Post: http://scriptalicious.at/2013/01/30/der-aufschrei-und-das-geschichtenerzahlen/. Ich bin sehr ins Nachdenken gekommen über meine Texte, speziell bei einem bin ich mir im Moment nicht mehr sicher, ob ich den in seiner jetzigen Form noch mal bei einer Lesung vortragen möchte.

      • Anne sagt:

        Ich schrieb ja als allererstes, die Debatte sei bitter nötig. Deswegen sehe ich es auch nicht so pessimistisch, wie es in dem o.g. Posting zunächst wirkt. Ich fand dort nochmal die Positionen gut abgesteckt. Ich habe die Debatte auch positiv aufgenommen und verfolgt. Ich will gar nicht verhehlen, dass auch mir erst die vielen guten Texte und Analysen zu einem differenzierteren Verständnis geholfen haben, was das komplexe Problem betrifft. Nur weil ich meine eigenen, zutiefst schambesetzten Erinnerungen an nie verarbeitete oder reflektierte Szenen habe, heißt es noch lange nicht, dass ich die vielen Facetten durchdrungen habe, die hier wirken.
        Aber: Auch hier, in dieser Diskussion, wird mir als Frau erklärt, ich solle Verständnis dafür haben, wie Männer ticken. Von einem Mann, der in seinen Beiträgen hier wenig darüber durchscheinen lässt, was er sich darüber denkt, wie Frauen sich in den Situationen fühlen (in den unter #aufschrei beschriebenen Situationen).

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