Hans Krause, „Silvester“, nebst ein paar abschließenden Worten.

Silvester

Hiermit sei es allen kund gegeben,
dass der Mensch, ob Weiblein oder Mann,
etwa siebzig Mal in seinem Leben
nur Silvester feiern kann.

Davon kann man fünfzehn Feten streichen,
weil die ersten Jahre ohnehin
in der Regel unbeschwipst entweichen
ohne Bowle, Cognac oder Gin.

Auch die letzten zehn gehn in die Hosen
und veröden meist vor Zwölfe schon;
denn der stete Vormarsch der Sklerosen
mindert auch die Party-Kondition.

Zehn vergammelt man bei Tante Betty
als vergrämter Sultan oder Khan
ohne Harem, aber mit Konfetti
in der Hoffnung auf die erste Bahn.

Zehn verpennt man mit verquoll’ner Rübe,
physisch ausgeknockt und seelisch matt,
weil man im Büro und im Betriebe
allzu kräftig vorgefeiert hat.

Fünfe platzen mangels Babysitter.
Sechse opfert man dem Studium.
Achte kommen schließlich im Gewitter
unverhoffter Ehekrisen um.

Dreie geh’n am Kassenstand zu Grunde,
und zwei weitere werden abgesagt,
weil ein Pustelchen am Munde
gnadenlos an unsrer Schönheit nagt.

Daraus resultiert: Ich muss mich sputen!
Was mir bleibt, ist diese eine Nacht!
Und ich will sie nutzen in den Fluten
ungedrosselter Silvesterpracht.

Den letzten Vers spar‘ ich mir – zum einen, weil er auf verklemmten Ehemann-steht-unter-dem-Pantoffel-Humor hinausläuft; zum anderen, weil der eine oder die andere der geneigten Leser sich das Büchlein Lachen und lachen lassen: Ein Streifzug durch die deutsche Humorlandschaft ja selbst zulegen könnte. Bei uns lag’s unterm Weihnachtsbaum, und es finden sich ganz nette Anekdoten, auch wenn es, wie viele solcher Sammlungen, etwas angestaubt wirkt, zumal angesichts seines Erscheinungsjahres (2006) … Ganz schlimm der Klappentext: „Mit garantiertem Spaßfaktor“, *grusel*.

Ich werde Silvester mit Mann und Sohn bei einem befreundeten Ehepaar verbringen, ebenfalls mit Kleinkind, und es wird noch eine weitere junge Familie zu uns stoßen. Mal sehen, wie das wird, ob die Kinder in den Schlaf finden und wir uns etwas betütern können … Große Erwartungen habe ich nicht, es geht nur darum, kein Sofa Slob zu sein. Und ich mag diese Menschen (o.k., das muss ich jetzt schreiben, Feind liest mit! ).

Meine Wünsche an das neue Jahr: bewusste Zuwendung zum Kind anstatt bloßer Beaufsichtigung; Zielstrebigkeit und Unverzagtheit im Einsetzen meiner Talente; ein besserer Mensch werden. Also alles ganz einfach. Und Ihr so?

Ach ja, last not least: Danke fürs Lesen, Kommentieren, meine Weltsicht herausfordern und mich ab und zu bauchmiezeln. 2013 wird sich hier vielleicht ein wenig ändern, vielleicht auch nicht.

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2 Kommentare zu Hans Krause, „Silvester“, nebst ein paar abschließenden Worten.

  1. Lydia sagt:

    Für den letzten Satz könnt ich Dich knutschen! Ein Hoch auf das Vielleicht! (Es gibt da ja gerade diese Kampagne des Cowboyzigarettenherstellers à la „Don’t Be a Maybe“, die mir gigantisch auf den Nerv geht.)

    Das Gedicht erinnert mich an ein Büchlein mit Cartoons, das vor Ewigkeiten im Bücherregal meiner Eltern stand. Witze hieß das damals. Es wimmelte nur so von flotten Bienen, die widersinnigste Kniffe ersannen, um das schwer verdiente Geld des Göttergatten zu verjubeln. Muss aus den 50er Jahren gewesen sein. Wo das wohl hingekommen ist?

    • Die Kampagne hatte ich schon wieder verdrängt – weil ich sie auch doof fand. Inzwischen habe ich das Bändchen durchgelesen und muss sagen: „Junge, Junge, wenn man mit so etwas im Jahr 2006 noch auf dem Büchermakrt reüssieren kann, sollte ich vielleicht doch Publizistin werden? Denn ich traue mir zu, es besser zu machen.“

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