Was denken die Dresdner über die Verfilmung von Uwe Tellkamps Der Turm?

Im Gegensatz zu allen anderen Dresdnern habe ich gestern nicht den ersten Teil der Turm-Verfilmung angesehen. Wir wollten das mit einem befreundeten Paar, welches dort wohnt, wo die Handlung spielt, zwar tun, konnten aber auf die Schnelle die beiderseitige Babysitterproblematik nicht lösen.

Aber selbst wenn ich den Film gesehen hätte: ich habe ja noch nicht einmal das Buch gelesen. Wenn ich also tatsächlich noch etwas zur Verfilmung schreiben würde, wäre das eine sehr eindimensionale Angelegenheit.

Stattdessen verweise ich sehr gerne auf meinen geschätzten Blogger-Kollegen Stefanolix, der ein recht persönliches Zwischenfazit gezogen hat, wozu er als Zeitgenosse der Hauptfigur des Romans viel besser geeignet ist als ich. Bei seinem Satz „Die Szenen mit den privaten Familientreffen auf dem Weißen Hirsch scheinen mir oft ziemlich dunkel.“ fiel mir ein, dass bei mir noch ein Foto auf Halde lag, welches,  meine ich*, im Rahmen einer Turm-Tour mit dem Gästeführer und Historiker Albrecht Hoch entstanden war (ein Erlebnis, das man sich durchaus gönnen sollte: Herr Hoch macht das wirklich sehr, sehr gut) beim Umzug zweier Freundinnen nach Blasewitz entstanden war. Duh!

*Das „meine ich“ hatte ich wohlweislich eingefügt, weil es mir selbst schon etwas merkwürdig vorkam, dass ich es gar nicht einzuordnen wusste. Vielen Dank für den Hinweis von Stefanolix hier in den Kommentaren und von Stephan auf Facebook.

(S)Turmstimmung in Blasewitz. Foto: JMK, 2012.

(S)Turmstimmung in Blasewitz. Foto: JMK, 2012.

Passt, oder? (Man muss sich nur die Blechlawine weg denken.)

(Falls noch weitere Dresdner Blogger sich zu Tellkamps Turm im TV äußern, werde ich das hier in den Kommentaren nachtragen.)

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18 Antworten auf Was denken die Dresdner über die Verfilmung von Uwe Tellkamps Der Turm?

  1. Buch gelesen, Film wird erst am Wochenende nachgeholt. Hellerau ist grade im Weg.

  2. stefanolix sagt:

    Das Bild passt sehr gut zur Illustration der bürgerlichen Verhältnisse im »Turm«, aber es ist m. E. in Blasewitz aufgenommen (Wägnerstraße). Das ist ja fast schon ein Gemälde. Schön! ;-)

    Die Verfilmung blendet Dresden übrigens im ersten Teil (fast) völlig aus. So kann man sich sehr gut auf die Figuren und die Handlung konzentrieren.

    • Danke für den Hinweis. Ist korrigiert.
      Keine Ahnung, welcher Filter welcher App diesen dramatischen Effekt erzeugt. Manchmal gelingen mir solche Bilder auch, weil ich aus Versehen eine Einstellung an der Kamera ändere, ohne es mitzubekommen. ;)

  3. OstTimoR sagt:

    Ich finde den Film sehr sehenswert, so dass ich ihn mir heute bereits zum zweiten Mal angesehen habe.
    Besonders interessant sind für Dresdner (ich nenne mich jetzt mal so) die Schauplätze. Ich muss zugeben, wenig erkannt zu haben, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass viele Szenen nicht hier gedreht wurden. Was sehr nach Neustadt aussieht (Wohnung der Geliebten) ist wohl tatsächlich eher in Görlitz entstanden. Weiß jemand, wie das im Buch beschrieben wurde?
    Je nach Betrachtungsweise amüsant, ärgerlich oder auch vollkommen egal:
    Zu Beginn des 1. Teiles behauptet der zu Hause sehnlich erwartete Sohn, sein Zug hätte Verspätung gehabt. Meine Erklärung ist eine andere: Er hat die falsche Bergbahn genommen: Statt in der Standseilbahn sitzt er nämlich in der Schwebebahn und gelangt somit nicht auf den Weißen Hirsch, sondern nach Oberloschwitz. Wahrscheinlich ließ sich das dort besser filmen.
    Ja nun, und dann zu Beginn des 2. Teils meine ich doch bei der ersten Einstellung die Frauenkirche in ihrer ganzen Pracht entdeckt zu haben, ei ei…

    • stefanolix sagt:

      Es sind eigentlich Nebensachen, die dem Film keinen Abbruch tun. Aber mir ist das auch aufgefallen. Ich habe nicht in Erinnerung, wo Josta mit ihren Kindern im Buch gewohnt hat, aber es muss im Einzugsbereich der Medizinischen Akademie gewesen sein (denn sie kommt ja nach ihrem Selbstmordversuch auf die »Innere« in diesem Krankenhaus).

      Der Blick der Kamera geht am Beginn des ersten Teils über die Träger der Schwebebahn ins Elbtal. Das fand ich etwas ärgerlich. Dabei wäre es eigentlich kein Problem gewesen, die Standseilbahn und Dresden vom Luisenhof aus zu filmen.

      Am Beginn des zweiten Teils gibt es einen Vorspann, in dem die Produktion und die Fördermittelgeber genannt werden. Darin ist die Kuppel der Frauenkirche gut zu sehen. Das kann man aber als Blick von heute in die Vergangenheit sehen. Finde ich nicht so schlimm.

    • Danke für Deinen Kommentar, OstTimoR.

      Deinem Satz stimme ich zu: „Je nach Betrachtungsweise amüsant, ärgerlich oder auch vollkommen egal.“ Ich finde, die Frauenkirche besaß sowohl als Ruine, als auch besitzt jetzt, einen jeweils so starken, aber eben auch unterschiedlichen Symbolcharakter, dass ich histor. Korrektheit schon begrüßenswert gefunden hätte. Aber letztlich: die Geschichte, die der Film erzählt, ist hoffentlich größer als die Summe seiner Details.

      • OstTimoR sagt:

        Ich danke dir, Muyserin!
        Hier noch ein Detail, welches für mich sehr bemerkenswert war und gleichzeitig ein Ausflugstipp:
        In Teil 1 (00:29) macht Christian mit seinem Onkle Meno mit dem Auto eine Spritztour in’s Grüne. Das Ausflugsziel habe ich freudig als “Hohburkersdorfer Rundblick” in der Sächsischen Schweiz erkannt, zwischen Rathewalde und (eben) Hohburkersdorf gelegen.
        Ich war dort diesen Sommer zum ersten Mal und empfand diese Anhöhe als lohnendes Ziel: Man hat einen sehr schönen Blick über die Sächsische Schweiz, in’s Böhmische, in’s Erzgebirge und mehr. Lediglich Richtung Dresden verhindert eine weitere Erhebung den Blick auf die Stadt. Insofern: Nur ein Fastrundblick. :-)

        • Danke Dir für den Tipp. Wie bist Du hin gelangt? Würdest Du sagen, es ist eine eher leichte Wanderung, oder eher schwierig?

          • HP sagt:

            Du fährst zur Rennstrecke “Deutschlandring“, nach Hohburkersdorf gibt es dann oben auf der Höhe einen kurzen Wanderweg zur Aussicht.

          • OstTimoR sagt:

            Ich bin (nach einer ordentlichen Wanderung im Uttewalder Grund, wohlgemerkt) mit dem Auto dort hingelangt. In Rathewalde fuhr ich in der Ortsmitte die Straße “Zum Rundblick” bergauf, solange es erlaubt ist und habe das Fahrzeug auf einem kleinen Platz abgestellt, der über Gestein informiert. Von dort aus sind es nur noch ein paar 100 Meter gut ausgebauter Weg weiter bergauf. Von Hohburkersdorf ist es ebenfalls nicht weit, vielleicht nicht so steil.
            Also so: Eine eher leichte Wanderung, die sich aber attraktiv ausbauen lässt. :-)
            Ich bin übrigens über meine (Noch-)Nachbarn auf dieses Ziel aufmerksam geworden: Die haben sich dort ein altes Häuschen gekauft…

            http://www.meinsachsen.net/poi/171/hohburkersdorfer_rundblick-rathewalde-hohenstein.html

          • Danke Euch beiden.

  4. Unter dem Titel „Nischendasein“ hält der Dresdner Blogger Ferdinand Bardamu auf Eine Art Tagebuch seine Gedanken zur Vefilmung von Uwe Tellkamps Roman Der Turm fest. In den Kommentaren hat sich eine Diskussion entsponnen.

  5. Anlässlich des Nationalfeiertages der DDR hat Stefanolix noch eine Kritik des zweiten Teils der Turm-Verfilmung nachgeliefert, in der er sehr persönliche Parallelen zu seiner eigenen Biografie zieht. Lesenswert!

  6. Auch auf Doppelhorn.de findet man eine bündige Einschätzung zur Turm-Adaption:

    Der erste Teil begann mit einem Fehlstart: die Bergstation der Standseilbahn war wohl nicht fotogen genug, man bediente sich der der Schwebebahn. Ansonsten wartet man auf Thiel, daß er endlich den Fall löst. Der zweite Teil wesentlich dichter, Kammerspielartiger.

  7. Eyachfreund sagt:

    Zu meiner Person: Bin ein Wessi und habe den Roman nicht gelesen.
    Ich muss gestehen, dass ich die sich an den Film anschließende Dokumentation wesentlich interessanter fand als den Film selbst. Die Problematik eines richtigen Lebens im falschen, die Gewissenskonflikte, die Methoden der Stasi mit Erpressung, Einschüchterung, die Demütigungen im Gefängnis und die daraus resultierende Ohnmacht des Einzelnen, all das hatte man in vielen Fernsehfilmen und Dokumentationen vorher auch schon gesehen. Deshalb erschienen mir die Handlungsabläufe meistens auch recht vorhersehbar.
    Als ärgerlich und geradezu lächerlich empfand ich das Doppelleben des Protagonisten mit seiner “Zweitfamilie” und das Verschweigen seiner leiblichen Tochter seiner Ehefrau gegenüber (die längst über diesen Umstand Bescheid wusste). Das legt doch gleich den Schluss nahe: na ja, der ist eben auch im privaten Leben ein charakterloser Feigling, kein Wunder, da hatte es die Stasi leicht mit ihren Verführungen. Das war mir zu simpel.
    Da waren die Konflikte des Lektors Meno und der von ihm betreuten Schriftstellerin weitaus subtiler und sein Dilemma berührte einen persönlich. Auch die schauspielerische Leistung (Götz Schubert) fand ich überzeugend.
    Um so mehr begeisterte mich – wie gesagt – die Dokumentation im Anschluss mit den Zeitzeugen und unmittelbar Beteiligten (z. B. Modrow als altersmilder Rentner!), welche die Ereignisse aus heutiger Sicht kommentierten. Das war wirklich erhellend und gut gemacht.

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