„Man weiß doch um die Psyche von Frauen“

„Man weiß doch um die Psyche von Frauen. Wenn sie Blut sehen, dann geht nichts mehr.“

~Bernd Schröder, Trainer des 1. FFC Turbine Potsdam,
zum Eklat in der Partie gegen den 1. FFC Frankfurt

[Quelle: Papier*]

Als Trainer einer Frauenmannschaft spricht vieles dafür, dass Bernd Schröder kein Sexist ist. Aber gerade weil er als Trainer im Frauenfußball um Vorurteile Frauen gegenüber wissen muss, fällt diese undifferenzierte Sprache, diese plumpe Verallgemeinerung umso eklatanter auf. Man muss es wahrscheinlich schon als Fortschritt sehen, dass er von Frauen im Plural und nicht von der Psyche „der Frau“ schwafelte.

*Solange das „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ alias die Lex Google nicht gestoppt wird, verlinke ich bis auf weiteres nicht mehr auf deutsche Zeitungsverlage.
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13 Antworten auf „Man weiß doch um die Psyche von Frauen“

  1. stefanolix sagt:

    Vorgeschichte: Zwei Spielerinnen der Mannschaft A stoßen kurz vor Spielende mit den Köpfen zusammen. Das führt zu richtig bösen Platzwunden. Mannschaft A ist schockiert und geschwächt.

    Normalerweise würde Mannschaft B nun das Spiel mit einem Unentschieden zu Ende gehen lassen. Aber die B nutzen ihre Überlegenheit und schießen das Siegtor.

    Daraufhin foult eine Spielerin aus Mannschaft A die Torschützin so gemein, dass deren Kreuzband reißt. Das ist für Fußballerinnen und Fußballer so etwas wie die Höchststrafe: Ein halbes Jahr Ausfall und eine lange, schmerzhafte Rehabilitation. In bestimmten Fällen droht das Karriereende.

    Die zweifellos sehr fragwürdige Äußerung des Trainers wurde also nicht am Schreibtisch und in aller Ruhe ausgesprochen. Er musste gerade die Tatsache verarbeiten, dass eine seiner Spielerinnen eine Nationalspielerin der anderen Mannschaft aus Frust derart schwer verletzt hat, dass ihre Zukunft erst mal in den Sternen steht.

    • Du hast sicher Recht, aber ich finde trotzdem, dass im 21. Jahrhundert in aufgeklärten Gesellschaften solche generalisierenden Festschreibungen, wie Frauen per se seien, überwunden sein sollten. Ich würde wegen dieser Äußerung gerade wegen der Umstände keinen Sturm der Entrüstung entfachen; aber es ist mir trotzdem wichtig, zumindest darauf hinzuweisen, dass solche Äußerungen einfach nicht mehr zeitgemäß sind.

    • Antifa sagt:

      Daraufhin foult eine Spielerin aus Mannschaft A die Torschützin so gemein, dass deren Kreuzband reißt. Das ist für Fußballerinnen und Fußballer so etwas wie die Höchststrafe: Ein halbes Jahr Ausfall und eine lange, schmerzhafte Rehabilitation. In bestimmten Fällen droht das Karriereende.

      Das stimmt schlichtweg nicht, es sei denn die Zeitung hat nicht die Wahrheit gedruckt, denn dort konnte ich das zum Verletzungshergang finden:

      Bei einem Zweikampf mit ihrer früheren Mitspielerin Tabea Kemme erlitt sie einen Kreuzbandriss. bzw. die Aussage des Trainers der Gäste:

      Zudem sei die Verletzung, anders als im Fall Kastrati, nicht vom Gegner, „also von uns“ ausgegangen, sagt Dietrich

      Zugegeben, im Nachhinein ist es immer schwierig, aber Verletzungen gibt es beim Fußball an jedem Wochenende, auch schwerwiegende wie in diesem Fall. Ein Trainer einer Bundesliga-Mannschaft und Champions-League Siegers sollte sich den Folgen seines medialen Handelns bewußt sein. Auch bei dem Trainer einer Frauenfßballmannschaft sollte man(n) zwischen emotionalen Wutausbrüchen und klassischem Sexismus unterscheiden. Mir ist durchaus bewußt, dass Sexismus in einem der letzten nahezu ausschließlich von Männern besetzten Feld sicherlich kein Einzelfall darstellt, sondern eher Konsensfähig ist. Nichtsdestotrotz hätte ich mir von einem Trainer in einer solchen verantwortungsvollen Position etwas anderes gewünscht.

  2. Sebastian sagt:

    Was genau stoert Dich denn an der Verallgemeinerung?
    Das sie

    1. Frauen als Gruppe betrachtet oder das sie
    2. der Gruppe Frauen Eigenschaften zuschreibt, die sie von Maennern unterscheidet oder das
    3. die zugeschriebenen Eigenschaften negativ besetzt sind?

    • Alle drei Gründe:

      1. Eine homogene Gruppe „die Frauen“ gibt es nicht. Angela Merkel oder Daniela Katzenberger fühle ich mich durch diese konstruierte Gruppenzugehörigkeit jedenfalls kaum mehr verbunden, als Arnold Schwarzenegger oder Harald Schmidt.

      2. Wenn es wirklich so wäre, dass Frauen kein Blut sehen können, dürfte es weder Ärztinnen noch Krankenschwestern geben.

      3. Natürlich. Es ist die alte Mär vom schwachen Geschlecht, dass von den hässlichen Seiten des Lebens ferngehalten werden muss. Die Tatsache, dass der oben zitierte Satz in einem Kontext fiel, in dem Frauen Eigenschaften erkennen ließen, die traditionell als unweiblich gelten (d. h. Aggressionen und Gewaltbereitschaft), ist doch ein Widerspurch an sich.

      Im übrigen: wenn Frauen kein Blut sehen könnten, wäre die Menschheit frühzeitig ausgestorben, denn bei einer Geburt geht es meistens ziemlich blutig zu.

      • stefanolix sagt:

        Ich bin nicht zur Interpretation dieses Satzes angetreten, aber m. E. meinte der Trainer gerade nicht, dass sich Frauen vor Blut scheuen oder kein Blut sehen können.

        Meiner Ansicht nach wollte er ausdrücken: Nach diesem Ereignis war mit den beiden Mannschaften kein reguläres Spiel mehr möglich — wie Du ja auch schreibst: Es kam zu grober Unfairness, Aggressionen und Gewaltbereitschaft.

        Die generalisierende Aussage des Trainers [bei Frauen musste das ja so ausgehen] ist natürlich generell (sic!) völlig falsch, weil es mit Sicherheit viele andere Teams gibt, mit denen das Spiel sportlich fair zu Ende gegangen wäre. Es ging ja nur noch um weniger als zehn Minuten.

        Speziell diese beiden Teams gelten allerdings als so verfeindet, dass es im Anschluss sogar zu Hooliganismus unter den Zuschauern kam.

        Ergänzung: In jedem Fall ist der Kommentar des Trainers ein Musterbeispiel dafür, dass Generalisierungen über große Gruppen unsinnig sind.

        • Antifa sagt:

          Speziell diese beiden Teams gelten allerdings als so verfeindet, dass es im Anschluss sogar zu Hooliganismus unter den Zuschauern kam.

          Hooliganismus? Wo hast Du denn diese Erkenntnis her?

        • Ich bin nicht zur Interpretation dieses Satzes angetreten, aber m. E. meinte der Trainer gerade nicht, dass sich Frauen vor Blut scheuen oder kein Blut sehen können.

          Meiner Ansicht nach wollte er ausdrücken: Nach diesem Ereignis war mit den beiden Mannschaften kein reguläres Spiel mehr möglich […].

          Ich bin nicht sicher, ob ich Dich hier richtig verstanden habe. Um es mal salopp zu paraphrasieren: Frauen sind wie wilde Stiere, bei Rot sehen sie rot?

  3. Sebastian sagt:

    zu 1. Wieso denn gleich homogen? Eine Gruppe muss sich doch nur in einem Merkmal gleichen, um sie als Gruppe zu definieren. Und wenn es ist, dass Frauen aufs Frauenklo gehen. Natuerlich gehen Frauen, wenn sie moechten, auch aufs Maennerklo und natuerlich gibt es auch Menschen, die Probleme haben, ihr Geschlecht zu definieren (oder definieren zu sollen). Aber Verallgemeinerung find ich ok, denn sie machen das Leben ertraeglich. Siehe: Heute ist schoenes Wetter, hierbei beziehe ich mich auf Dresden und definiere schoenes Wetter als Sonnenschein bei Windgeschwindigkeiten unter 5 km/h und …

    zu 2. Ich bin maennlich und kann kein Blut sehen, denke auch, dass es gerade andersherum ist und Frauen damit besser klarkommen. Mir ging es hier darum, ob man Deiner Meinung nach prinzipiell Frauen und Maenner nicht unterscheiden darf. Ich denke, man darf Frauen und Männern spezielle Eigenschaften zuschreiben, selbst wenn sie durch geschlechtsspezifische Erziehung erlangt sind. Ob das jetzt gutode schlecht ist, steht ja auf einem anderen Blatt.

    zu 3. Den Schuh musst Du Dir ja nicht anziehen.

    Warum hab ich meinen Erstkommentar eigentlich geschrieben, wirst Du Dich fragen? Ich hatte das Gefuehl, dass Dein Blogeintrag vor allem dadurch verursacht war, dass die zugeschriebene Eigenschaft negativ ist. Und das fand ich unausgewogen.
    Vielleicht haettest Du bei “Frauen haben eine enge Bindung zu ihrem Baby, da sie es lange Zeit in ihrem Bauch gespuert haben” nichts geschrieben, obwohl er genauso unsachlich ist. Ich hab diesen Satz extra so gewaehlt, da auch der Fussballkommentar nicht schreibt: “Frauen haben einen engere Bindung als Maenner zu ihrem Baby” und da er auch ne Verallgemeinerung ist (siehe Wochenbettdepression etc.)

    Trotzdem lese ich sehr gern Deinen Blog und er gefaellt mir sehr gut :)

    • Zu 1.

      Wieso denn gleich homogen? Eine Gruppe muss sich doch nur in einem Merkmal gleichen, um sie als Gruppe zu definieren.

      Allerdings ist dieses eine Merkmal im vorliegenden Zitat implizit keine Angewohnheit („Frauen pinkeln im Sitzen“) oder ein körperliches Merkmal („Frauen haben Brüste“), sondern ihre Psyche, die von Frau zu Frau verschieden sein dürfte und gerade nicht als dieses eine Merkmal gelten kann.
      Zu 2. Stimme Dir zu.
      Zu 3. Welchen Schuh jetzt? (Schuhe, hat jemand Schuhe gesagt? Man weiß ja, wie das bei Frauen so ist, wenn von Schuhen die Rede ist. ;) )

      Vielleicht haettest Du bei “Frauen haben eine enge Bindung zu ihrem Baby, da sie es lange Zeit in ihrem Bauch gespuert haben” nichts geschrieben, obwohl er genauso unsachlich ist.

      Stimmt, hätte ich nicht, weil der (erste) Satz ja weder Männer noch Frauen diffamiert, im Gegensatz zu der Feststellung des Trainers.

      Was ist eigentlich aus Eurem Blog geworden? In meinen Feeds ist er nicht mehr drin. Kannst Du mir die URL per PN nochmal zukommen lassen?

  4. Sebastian sagt:

    Was mir gerade auffaellt und ich ganz witzig finde, ist, dass es gerade zwei Maenner sind, die mit Dir ueber dieses Thema reden – oder vielleicht in Deinen Augen: Die das Zitat relativieren wollen.

  5. Puh, Ihr lasst nicht locker, was? ;)
    Aber gerade das gefällt mir. Ich muss Eure Kommentare nochmal in Ruhe lesen. Bis später.

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