Dauerbrenner III: Keramikklasse der Burg Giebichenstein/Kunsthochschule Halle im geh8

Das Wochenende mit krankem Kind verlief sehr beschaulich: wir ließen den Tagen einfach ihren Lauf und waren’s zufrieden. Deswegen möchte ich lieber nochmal auf das vorvergangene Wochenende kommen, an dem wir zufällig eine interessante Ausstellung entdeckten.

Unser Sonntagsspaziergang führte nämlich über das Gelände, auf dem der Kunstraum und die Ateliers des geh8 ihr Quartier haben. (Ich hatte dort im letzten Jahr eine Ausstellung rezensiert, den Ort dann aber aus den Augen verloren.) Freute mich, als ich erkannte, dass dort Licht brannte und die Ausstellungshalle geöffnet war.

Blick aus der Halle des geh8 auf die St.-Petri-Kirche.

Blick aus der Halle des geh8 auf die St.-Petri-Kirche.

Dauerbrenner III: Die Keramikklasse der Burg Giebichenstein/Kunsthochschule Halle stellt aus versammelte eine Reihe stilistisch sehr unterschiedlicher Arbeiten, unter denen mir vor allem zwei ganz gut gefielen, weil sie mit dem Medium Ton Arbeiten schufen, die eher skulpturalen als kunsthandwerklichen Charakter hatten.

Die Figuren von Anna Dorothea Klug sind zugleich niedlich und unheimlich  – ein wenig wie Kinder, die sich als unbekannte Actionhelden oder Fabelwesen verkleidet haben. Schade, dass die Künstlerin ihren Skulpturen einen ziemlich deskriptiven Titel gab – in meinen Augen eine Festschreibung, die deren Wirkung schon wieder etwas einschränkt. (Andererseits: „Wer liest schon Titel?“, höre ich meinen Vater verächtlich schnauben.)

Anna Dorothea Klug, »Von der Welt dahinter«, Ton, Papier, Acrylfarbe, 2012.

Anna Dorothea Klug, »Boten von der Welt dahinter«, Ton, Papier, Acrylfarbe, 2012.

Dass just in dem Moment, wo ich auf den Auslöser drückte, eine kleine Ausstellungsbesucherin durchs Bild lief, war ein genialer Zufall, weil so die Figur noch lebendiger wirkt:

Anna Dorothea Klug, »Von der Welt dahinter« (?), Ton, Papier, Acrylfarbe, 2012.

Anna Dorothea Klug, »Boten von der Welt dahinter«, Ton, Papier, Acrylfarbe, 2012.

Ulrike Behrendt nennt ihre Architekturen im Katalog zur Ausstellung „ein Zwischenstadium in Richtung Zelt“.

Ulrike Behrendt, »Das Haus ist vergangen«, Porzellan, Papier, 2012.

Ulrike Behrendt, »Das Haus ist vergangen«, Porzellan, Papier, 2012.

Die Installation aus mehreren, ähnlichen Objekten, die sich vor allem durch ihre Glasuren unterschieden, löste bei mir eine andere Assoziation aus: ich sah darin eine Westernstadt, ein Provisorium aus Waggons eines großen Treks, über die plötzlich Reichtum gekommen war. Das Temporäre wird Permanent, die Leichtigkeit wird dekadent überladen und droht, daran zu zerbrechen.

Ulrike Behrendt, »Das Haus ist vergangen«, Porzellan, Papier, 2012.

Ulrike Behrendt, »Das Haus ist vergangen«, Porzellan, Papier, 2012.

Leider endete die Ausstellung am selben Tag.

Vor der Halle ruhten Männer in der Herbstsonne wie Hobos auf der Durchreise:

Auf dem Gelände des geh8.

Auf dem Gelände des geh8.

An der Rückseite des Gebäudes befindet sich ein Atelier.

Cosmea, Stuck und Sprossenfenster: Atelier im geh8.

Cosmea, Stuck und Sprossenfenster: Atelier im geh8.

Ich bin begeistert, was es alles in der eigenen Nachbarschaft zu entdecken gibt, wenn man einfach ohne Plan und Ziel eine Runde spazieren geht.

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