Niggertanz Tango

Einstweilen hat der skeptische Zuschauer den Eindruck, als sei sogar der Gesellschaftstanz an einem toten Punkt angelangt und zu stumpfsinniger Geometrie der Füße geworden. Die amerikanische Invasion macht sich geltend. Die „Steps“ haben Walzer und Polka abgelöst, alle Augenblicke taucht aus den Kaschemmen der Neuen Welt ein anderer Niggertanz auf, um sich fünf Minuten lang als neueste Mode zu behaupten.

So kam etwa 1912 der Tango, um schnell genug von allerlei „Rags“, Foxtrott, Jazz und Shimmy, abgelöst zu werden. Die heutigen Salontänze werden gegangen, geschlichen. Man hüpft nicht, man gleitet, statt die Glieder zu entspannen, werden sie verrenkt und geschüttelt. Man beherrscht seine Bewegungen, Tänzer und Tänzerin halten sich nicht, sie kleben aneinander. Die modernen Tänze können eigentlich nur von solchen Paaren gut ausgeführt werden, die fest miteinander eingetanzt sind, sie werden nicht gelernt, man muss sie studieren, kein Vergnügen, sondern eine todernste Sache.

Aus: Max von Boehn, Der Tanz, Berlin 1925.

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Eine Antwort auf Niggertanz Tango

  1. Nun ja… soweit mir bekannt ist, kommt der Tango aus Europa…
    Der zugrundeliegende Habanera-Rhythmus kommt aus Andalusien, die meisten Kompositionen von Italienern, das Bandoneón aus dem Erzgebirge und der Vals aus Wien ;)
    Lediglich die Candombe ist negrider Herkunft.
    Schön, dass sich der Tango -abgesehen vom Tief am Ende des vergangenen Jahrhunderts- doch so lang gehalten hat!

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