Märkisches Landbrot, Essener Art

Es hat gemundet: Märkisches Landbrot, Essener Art.

Es hat gemundet: Märkisches Landbrot, Essener Art.

Neulich an der Brottheke eines hiesigen Bio-Supermarktes. Unschlüssig wandert mein Blick über die Brotsorten, als mir das „Märkische Landbrot, Essener Art“ auffällt. Probieren wir’s damit. Beim Einpacken frage ich den Verkäufer, wie die Sorte ausgesprochen wird. „Essener“, sagt er im Brustton der Überzeugung und betont dabei auf der zweiten Silbe. Ich, überrascht: „Ach so, wie in der Bibel?“ Er: „Wieso Bibel?“ Darauf ich: „Na, wenn es nicht auf die Essener aus der Bibel zurück geht, dann könnte es doch auch ,Essener Art‘ ausgesprochen werden, also nach Art der Stadt Essen!“

Der Blick, mit dem er mir die Tüte reichte, sprach Bände. Ich vermute, er hatte sich den Job einfacher vorgestellt.

Das Brot ist in der Tat nach dem Volk der Essener benannt (was auch deswegen plausibel ist, weil Essen so gar nicht in der Mark Brandenburg liegt). Allerdings: die Entstehungsgeschichte des Brotteigs klingt doch ein wenig fabriziert, um nicht zu sagen, fast so dünn, wie die Fladen, die daraus gebacken werden.

Mit dem Wissen um diesen Hintergrund bin ich überzeugt, dass die Brotaufkleber aus den Resten der Schriftrollen von Qumran gefertigt sein müssen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dabei handle es sich um Esspapier?

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29 Antworten auf Märkisches Landbrot, Essener Art

  1. Micha sagt:

    Du schwierige Kundin, du :)!
    Nachfragen ist immer unbequem, aber die einzige Art, die ich kenne, Mißverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen!

    • Muyserin sagt:

      Leider wird aber auch gerade die Tatsache, dass man nachfragt, manchmal missverstanden – z. B´. als Besserwisserei.

      • stefanolix sagt:

        Ich muss zugeben: Ich hätte bei dieser Brotform und bei der Herkunft aus Brandenburg niemals an die Essener gedacht. Aber in BIO-Läden gibt es heutzutage sowieso Dinge, die ich mir früher nie hätte träumen lassen. Ich denke da nur an das Mondwasser, das x-mal so teuer ist, wie normales Mineralwasser. Vom Hildegard-von-Bingen-Gedenkgebäck aller Art gar nicht zu reden …

  2. stefanolix sagt:

    Ich muss jetzt mal eine Brotkrume spalten: Hast Du eine Quelle dafür, dass die Essener in der Bibel vorkommen? Sie stammen zweifellos aus biblischen Zeiten, aber ich habe sie nicht direkt aus der Bibel in Erinnerung ;-)

    • Muyserin sagt:

      Gib zu, dieses Beharren auf Quellen, das hast Du Dir doch von Zettel abgeschaut! ;)

      Aber Du legst natürlich den Finger auf die Wunde: nein, habe ich nicht. Offenbar waren die Essener nur in meinem Kopf mit „Bibel“ verschlagwortet. Die Google-Suche nach „Bibel“ + „Essener“ liefert aber lustige Snippets: „War Jesus ein Essener?“ oder, noch schöner, „Die vegetarische Ernährung in der Bibel; der Mann mit dem Wasserkrug muss also ein Essener gewesen sein.“ Jumping to conclusions, much? ;)

      • stefanolix sagt:

        Nein, das stimmt nicht. Das Beharren auf Quellen ist bei mir ein Reflex ;-)

        Mit der vegetarischen Ernährung kann es aber nicht weit her gewesen sein: beim Pessach-Fest wurde traditionell Lamm gegessen und dieses Fest hat auch Jesus mit seinen Jüngern begangen.

        Ich bin übrigens sicher, dass die Essener auch in »Das Leben des Brian« eine tragende Rolle gespielt haben, zumindest als Vorbild für die religiösen Eiferer ;-)

        • Muyserin sagt:

          Vielleicht war Jesus, wie Du, ein Wochentags-Vegetarier? ;)

          Neulich sendete arte ein Monthy-Python-Special. Bei den Ausschnitten von Life of Brian dachte ich, den müsste ich auch mal wieder schauen, weil das letzte Mal schon Jahrzehnte zurück liegt.

          Vielleicht waren die Essener auch Vorbilder für so manchen militanten Vegetarier? ;)

          • stefanolix sagt:

            Ich kann Dir die DVD gern leihen ;-)

            Jesus hat (soweit ich das als Laie beurteilen kann) im Prinzip nach den Sitten und Gebräuchen der Juden gelebt, also wird er sich wohl auch entsprechend ernährt haben. Das Lamm hat ja beim Pessach-Fest eine feste religiöse Bedeutung. Siehe auch:
            http://de.wikipedia.org/wiki/Seder

            Jesus war m. W. auch nicht gegen das Opfern von Tieren, wohl aber gegen den Verkauf der Opfertiere direkt am/im Tempel. Deshalb hat er ja die Händler und Wechsler von dort vertrieben.

          • Muyserin sagt:

            Ich lese gerade, in kleinen Häppchen, diese SPIEGEL-Titelstory: „Die rohe Botschaft“. Ich weiß nicht, wie wissenschaftlich stichhaltig der Artikel ist, aber es ist interessant zu lesen, dass Jesus gar nicht unbedingt der friedliebende Hippie war, als den die Kirche ihn propagiert.

          • stefanolix sagt:

            SPIEGEL und Religion: Das muss man immer mit ganz viel Vorsicht genießen. In dem Artikel findet man viele sehr vage Aussagen, auch bloße Vermutungen und neue Interpretationen bekannter Sätze.

            Jede alteingesessene Religion muss sich von einer neuen und revolutionären Religion bedroht fühlen. Jede Besatzungsmacht tut alles, damit es in den besetzten Provinzen ruhig bleibt. Das ist auch ohne diesen Artikel klar und das wusste ich auch schon mit 14 nach dem (privaten) Religionsunterricht.

            Was mich persönlich stört: Der Artikel wirkt so unstrukturiert. In dieser Art schreibe ich manchmal nachts, wenn ich mich nicht richtig auf meine Arbeit konzentrieren kann. Am nächsten Tag werfe ich das Ergebnis weg und beginne noch einmal von vorn.

            Das ist kein wissenschaftlich fundierter Artikel. Das ist auch kein Stück Literatur. Man weiß nicht so recht, welches Ziel die Autoren verfolgt haben.

            Ich habe aus der Auseinandersetzung mit literarischen Werken über Jesus einen viel größeren Nutzen gezogen. Da ist von vornherein klar: Ich lasse mich auf eine Auseinandersetzung mit einem Werk ein. Das Werk hat jemand verfasst, der mit sich selbst und mit dem Thema gerungen hat.

            Ich weiß: Ich werde einiges für mich selbst wieder verwerfen, aber anderes wird mich beeinflussen. Michail Bulgakows »Der Meister und Margarita« ist so ein Buch, aber auch José Saramagos »Das Evangelium nach Jesus Christus«.

            Mit diesem SPIEGEL-Artikel kann ich mich aber nicht auseinandersetzen, weil er mich einerseits krampfhaft »aufklären« will, sich aber andererseits in nebensächlichen Details und im Ungewissen verliert.

            Wie immer: Just my 2 Cent ;-)

  3. Hendrik sagt:

    Entschuldigung, wenn ich vom roten Faden mal abweiche.

    Ich hatte, vom Bild inspiriert oder irritiert, auf den ersten Blick auf das Bild eine völlig anderen Artikel erwartet. Sorry, aber das Brot sieht eindeutig verschimmelt aus (oder ich muss mal die Einstellungen an meinem Rechner prüfen ;)

  4. stip sagt:

    ich denke eher, dass Hendrik die angeschnittene Fläche meinte. Die wirkte auf mich vor dem Lesen auch so, dass ich würgte. Weißabgleich, Lichteinfall, was auch immer. Aber wer liest, ist eben klar im Vorteil!

    • Muyserin sagt:

      Ich kann auch nächstes Mal gerne den Riesling!-Stefan fragen, ob er mir die Fotos für mein Blog macht, ehe ich wieder über Nahrungsmittel blogge. Der macht das doch bestimmt gerne mal nach Feierabend.

    • stefanolix sagt:

      Das war ja ein Schnappschuss und ich finde das Bild jetzt nicht so schlecht, dass mir das Brotessen verleidet wäre ;-)

      Als Ausrede für meine eigene Zurückhaltung beim Fotografieren in der Küche sage ich immer: Beim Marmeladekochen, beim Backen oder bei der Zubereitung eines Sonntagsessens für die Familie will ich mich einfach auf das Wesentliche konzentrieren. Aber in Wahrheit ist es mir einfach mit zu viel Stress verbunden.

      Lebensmittelfotografie ist eine ganz heikle Sache. Noch heikler sind aber: die Nachbearbeitung der Bilder und die Produktion der Printprodukte. Was man auf diesem Gebiet in der Öffentlichkeit sieht, kann einem manchmal richtig den Appetit verderben.

      • Muyserin sagt:

        Genau aus dem Grund finde ich es wiederum legitim, auch unbearbeitete Fotos zu veröffentlichen. Essen muss nicht immer perfekt gestylt aussehen, um zu schmecken.

  5. Muyserin sagt:

    Verratet mir lieber mal, was Eure Vermutung ist, warum auf dem Aufkleber SPES steht. Ich habe an demeter geschrieben, aber die Presseabteilung scheint das nicht für beantwortungswürdig zu halten.

    • stefanolix sagt:

      Spes stammt aus der römischen Mythologie und symbolisiert die Hoffnung. Wenn Demeter und Spes auf einem Brot vertreten sind, resultiert daraus also die Hoffnung auf Fruchtbarkeit.

      [Disclaimer: Ich kannte nur Demeter und habe »Spes« natürlich nachgeschaut. Nach der englischsprachigen Wikipedia ist Spes sogar eine Göttin der Hoffnung.]

      Also in meiner Interpretation: Die Bauern hoffen auf eine reiche Ernte. Demeter und die Bäcker hoffen auf einen guten Absatz. Und wer das Brot kauft, hofft auf … ;-)

      • Muyserin sagt:

        Spes als Göttin war mir ein Begriff; mich hat einfach nur interessiert, warum demeter sich gerade die Hoffnung zum Motto erwählt. Aber Du liegst mit Deiner Vermutung sicher richtig.

        In der Gemäldegalerie Alte Meister gibt es ein Werk von Paolo Veronese, »Die Madonna der Familie Cuccina«, auf dem die drei Tugenden Glaube (in weißer Toga) , Liebe (im roten Kleid) und Hoffnung (grün gewandet) der Familie Beistand leistet.

  6. remzo sagt:

    Das Brot schmeckt super! Aber ich finde den Unterschied zwischen Bio und Nicht-Biobrot nicht so extrem. Am Besten schmeckt immer noch selbstgebackenes mit Nüssen und Oliven oder Feta usw…
    Das schlägt auch kein Brot aus dem BioUltraMarkt ;-)

  7. Andrea sagt:

    Köstlich, der Biobäckerberater meines Vertrauens, wies mich darauf hin. Ich habe zwar die Bibel (mal vor Urzeiten) gelesen, dieser Teil muss mich aber nicht sonderlich beeindruckt haben. Ich “oute” mich als Heidin, die das Brot als “Essen-er Brot” bezeichnet hat.

    • Muyserin sagt:

      Wie, Du hast die Bibel gelesen? Komplett, in einem Zug?

      • stefanolix sagt:

        @Andrea: Die Essener kommen in der Bibel nicht vor.

        @Kathrin: Nachdem in unserer Gegend gestern mit großem Werbeaufwand ein BIO-Supermarkt eröffnet wurde, habe ich natürlich nach dem oben genannten Brot gesucht. Aber es gab von dieser Bäckereikette in exakt der gleichen Aufmachung nur Brot nach »Paderborner Art«. Man kann es mal essen, aber ich werde wohl kein glühender Fan werden.

        • Muyserin sagt:

          Also, wenn statt der Essener (Stadtbürger) die Essener (Volk) gemeint ist, sind die Paderborner viell. auch ein Volk aus biblischen Zeiten?

          Wie heißt denn der Supermarkt?

          • stefanolix sagt:

            BIO Company hat gestern am Schillerplatz eine neue Filiale eröffnet. Sehr großzügig geplant und eingerichtet. Bevor ich aber etwas dazu sagen kann, müsste ich sie mal im Normalbetrieb testen. Ich kannte diese Kette bisher gar nicht (in der Neustadt kaufe ich ja fast nie ein).

            In Paderborn sollen immer noch weit mehr als die Hälfte der Bürger katholisch sein, aber ich habe keine Ahnung, ob sich das auf die Qualität des Brotes auswirkt ;-)

            Laut Wikipedia sind dort nur knapp neun Prozent konfessionslos. Keine einfache Umgebung für Nichtgläubige …

          • Muyserin sagt:

            Ich kaufe immer abwechselnd bei der BIOSPHÄRE und bei der BIOCOMPANY ein, weil ich mich über den neuen Laden freue und den Pionier nicht vor die Hunde gehen lassen möchte. Beide Läden sind sehr großzügig angelegt.

            Dresden ist zwar geburtenreichste; Paderborn aber soll kinderreichste Stadt Deutschlands sein. Die Schäflein hören wohl auf ihren Hirten …

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