Halb Öff-Öff, halb Tanguero: „Mensch, Gottfried“ in der Reihe 37 Grad

Gottfried besitzt keine Spülmaschine, stattdessen leckt er das Geschirr sauber.

[Ja, richtig gelesen.]

Gottfried ist Aussteiger, er lebt als Bauer so primitiv, wie Menschen vor Jahrhunderten.

Gottfried benutzt kein Deo.

Und Gottfried tanzt Tango.

Screenshot aus „Mensch, Gottfried“.

Screenshot aus „Mensch, Gottfried“.

(„Natürlich barfuß!“, stöhnt die Tanguera in mir).

„Mensch, Gottfried“ läuft in der Reihe 37 Grad und ist das Porträt eines Menschen, der auf den ersten Blick schrullig wirkt und auf den zweiten, man ahnt es, mit vielen seiner Ansichten Recht haben könnte. Am Ende des Filmes hatte ich zumindest den Eindruck, dass Gottfried kein durchgeknallter Spinner vom Schlage eines Öff-Öff ist, auch wenn der Vergleich sich bisweilen aufdrängte.

Was ich sehr sympathisch fand: obwohl Gottfried den Rasen mit der Sense mäht, leistet er sich doch den Luxus einer Musikanlage. Wie er in der letzten Einstellung zu lateinamerikanischen Rhythmen tanzt, so präsent und lebensfroh, das hat mich selbst fröhlich gestimmt. Weil man ihm abnimmt, dass er sein Leben lebt.

Eine Vorschau des Films findet man hier. Ab Minute 1:13 erzählt Gottfried, wie die Frauen im Tango auf ihn reagieren. Und wiederum: die Mischung aus Bedauern über die gelegentliche weibliche Zurückweisung und die Konsequenz, seinen Lebensstil dennoch nicht zu ändern, hat mich beeindruckt.

Im ungekürzten Beitrag lernen wir (ab Minute 27:07) auch Gottfrieds Lebensgefährtin kennen, eine gar nicht weltfremde (und überdies attraktive, das hätte ich so einem Waldschrat offen gestanden gar nicht zugetraut) Künstlerin. Das Modell ihres Zusammenlebens fand ich weit weniger verwunderlich als der Dokumentarfilmer, der sich anscheinend nicht vorstellen konnte, dass es ein prima Arrangement darstellen kann, wenn in einer Paarbeziehung jeder seinen eigenen Wohnbereich hat.

Also: ansehen lohnt, unbedingt.

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2 Antworten auf Halb Öff-Öff, halb Tanguero: „Mensch, Gottfried“ in der Reihe 37 Grad

  1. Carola sagt:

    Ich habe es angeschaut und es war super. Dachte auch zuerst was für ein Waldschrat, aber man muss bissle genauer hinschauen. Und beim Tanzen ging er völlig auf. Ein Mensch, der seine Art zu leben gefunden hat und sie vehement verfolgt und vorlebt.
    Klasse!
    Auch wenn das für mich überhaupt nichts wäre habe ich Respekt davor wie dieser Mann sein Leben gestaltet und meistert.

    Schöne Grüße aus dem Süden.
    Carola

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