Iron Sky: Filmkritik Teil I

Da ja gerade die Oma zu Besuch weilt und man so als Paar mal wieder Morgenluft jenseits des Elternseins wittern kann, ergriffen Johannes und ich die Gelegenheit zu einem Kinobesuch. Nun ist es gar nicht so einfach, einen Film zu finden, der uns beiden gefällt. Während ich eher zu peruanisch untertitelten Indipendent-Produktionen (und dann auch nur denen aus den späten 70ern) neige, ist Johannes kein B-Movie zu trashig, als dass er diesem nicht noch den sprichwörtlichen benefit of a doubt zugestehen würde.

Bei dieser Ausgangslage war schnell klar, dass es für unsere beiden Geschmäcker zur Zeit nur einen gemeinsamen Nenner geben würde: Iron Sky. Im KiF läuft er diese Woche zum Glück im Original!


Der Anfang: ein großer Spaß! Das Nazi-Fort auf der „dunklen Seite des Mondes“, in das sich Hitler und seine Getreuen anno ’45 unbemerkt zurückziehen konnten, ist eine Meisterleistung des virtuellen Kulissenbaus. Für einen Science-Fiction-Fan wie mich lohnt sich auf jeden Fall schon deswegen der Kinobesuch. Ebenso die an der Steampunk-Ästhetik orientierte Technologie der Nazis (für die ein ihre Hände gefallenes Smartphone schon einen Supercomputer darstellt, der ihr Vorstellungsvermögen übersteigt). Ein Bienchen gibt es von mir noch für den Seitenhieb auf Sarah Palin, deren Film-Alter-Ego bei aller Übertreibung erschreckend authentisch ‘rüberkommt.

Leider war das dann auch schon ziemlich alles, was ich an Positivem zu vermerken hätte. Denn die Chance, die Diskrepanzen zwischen „uns“ und „denen“, also freiheitlich-permissiver Gesellschaft und diktatorisch-prüder Nazi-Ideologie, oder auch einfach nur heutiger Technologie und einer wie auch immer gearteten Parallelentwicklung der Nazis humoristisch auszuschlachten, wurde vertan. Stattdessen verlässt man sich auf lahme Gags und wenig aufregend choreographierte Ballereien.

Der größte Schwachpunkt sind die Schauspieler, allen voran Julia Dietze und Götz Otto, die mehr chargieren denn schauspielern. Der Einzige, der schauspielern könnte, nämlich Udo Kier, hinterließ mit seiner Hitler-Darstellung auch keinen bleibenden Eindruck.

Der Film stellt sich selbst ein Bein, wenn er wohl die Blaupause für alle Nazikomödien schlechthin als Zitat einfügt: Charlie Chaplins Der große Diktator. Wenngleich diese Stelle wiederum gut gemacht war, wie ich fand. Doch gemessen an der Leichtigeit, Melancholie, überhaupt Vielschichtigkeit von Charlie Chaplins Meisterwerk kommt Iron Sky trotz eines immensen technischen Aufwands nicht einmal ansatzweise heran.

Die Filmmusik von Laibach hat mir im Kontext sehr gut gefallen. Ob ich sie ohne Bebilderung auch anhören würde, glaube ich eher nicht.

Warum also dann eine Filmkritik in zwei Teilen? Ist nicht bereits alles gesagt? Leider kann ich das nicht abschließend beurteilen, denn nach ungefähr einer Stunde Spielzeit vibrierte das Telefon in meinem Schoß, und am anderen Ende vernahm ich eine verzweifelte Oma und deren noch verzweifelter brüllenden Enkel. Wie wir aus dem Foyer stürmten und nach Hause rasten, war actionreif – bis uns bei der Auffahrt zur Marienbrücke ein weiterer Anruf erreichte: „Er ist eingeschlafen!“. Da der Film aber, wie gesagt, nicht halb so lustig war wie erhofft, war er uns ein weiteres Kindsmalheur nicht wert, so dass wir gleich nach Hause weiterfuhren.

Ob ich also Teil II jemals nachliefere, kann ich nicht mit Sicherheit versprechen. Ist aber, glaube ich, auch egal. Der Film wird sein Publikum finden.

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4 Antworten auf Iron Sky: Filmkritik Teil I

  1. Jan sagt:

    finde bei dem film auch den entstehungskontext sehr spannend, hinsichtlich crowd funding etc. blog dazu: http://blog.starwreck.com/

  2. thg sagt:

    Ich habe de Film auch gesehen. Gut, ich bin etwas weniger kritisch an alles rangegangen, aber Götz Otto und Juliane Dietze hätte ich auch bemängelt.

    Gut gefallen hat mir wiederum der Schluss. Ich will jetzt nichts spoilern, aber da waren einige Szenen dabei, wo einem fast bisschen das Lachen im Hals steckenblieb. Wenn man eben im internationalen Rahmen wie die Kleinkinder aufeinander losgeht entbehrt das wohl nicht einer gewissen Grundlage…

    Über die Filmmusik habe ich mich übrigens teilwese köstlichst amüsiert! Auch wenn es mir manchmal etwas zu brutal wagnerlastig war, fand ich vor allem den Hymnen-Mischmasch zwischenrein immer irgendwie gelungen.

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