Über das Sexleben des Grünkohls

Die letzte Woche verbrachte ich bei meinen Eltern. Bei meiner Mutter fiel mir in einer BRIGITTE eine sehr ansprechend fotografierte Fotostrecke mit Wintergemüserezepten auf. Eines davon habe ich heute Abend nachgekocht, und was soll ich sagen: ich bin nicht überzeugt, dass Grünkohl und ich in diesem Leben nochmal dicke Freunde werden.

Es war nämlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich Grünkohl selbst zubereitet habe. Daher überraschte mich dieses alienartige Gewächs mit seinen vielen kräftigen Strünken doch einigermaßen – evolutionstechnisch schien der Grünkohl sich dezidiert gegen das Verspeistwerden zu wehren. Für meinen Teil wird er damit wohl durchkommen.

Es war außerdem überhaupt erst das zweite Mal, dass ich Grünkohl aß: das einzige Mal zuvor in Form von Grünkohl mit Pinkel, und ich habe keine Erinnerung daran, wie das damals in Hannover schmeckte.

Dementsprechend überrascht, unangenehm überrascht, war ich von diesem erdigen Geschmack, der im Abgang ins Bittere spielte. Muss das sein? Oder kann man das irgendwie ändern, z. B. durch Beigabe von Natron, oder indem man den Kochtopf bei Vollmond vergräbt (und vor allem: nicht wieder ausgräbt)?

Lauwarmer Grünkohlsalat (BRIGITTE-Rezept).

Lauwarmer Grünkohlsalat (BRIGITTE-Rezept).

Ungeachtet des ganzen Grünkohl-GAUs war das Rezept einfach nicht der Knaller, den das Bild versprach. Die Sauce war wirklich lecker, eine Art flüssige Mayonnaise, nach der man sich die Finger lecken konnte.

Aber ach, auch die Bio-Linda-Kartoffeln, die der Gemüsemann meines Vertrauens so überschwänglich angepriesen hatten, wandelten sich im Ofen in recht dräuge Kartoffelspalten, die einen unangenehmen Beigeschmack von Popcorn-Mais hatten. Das Innere war wirklich aromatisch, aber die Schale war ledern und zu dick.

Kartoffelspalten der Sorte Linda.

Kartoffelspalten der Sorte Linda.

Letzten Endes ist der „Lauwarme Grünkohlsalat“ eines jener Gerichte, die keine wirkliche Synthese von Aromen darstellen, weil alle Zutaten nebeneinander stehen bleiben – ein bißchen wie Teenager auf dem Pausenhof, die eigentlich fummeln wollen, es aber doch beim Händchenhalten belassen.

Frage in die Runde: wie sieht er aus, richtig grandioser Grünkohl-Sex? Welche Beleuchtung braucht das grüne Gekräusel, welche Hintergrundmusik, welche Bettgenossen? Wer hat Ideen für eine Grünkohl-Orgie, für die sich das Putzen lohnen würde?

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13 Antworten auf Über das Sexleben des Grünkohls

  1. Thomas S. sagt:

    Haha, vergraben bei Vollmond? Da musste ich laut auflachen! :)
    Ich mag Grünkohl eigentlich… bei den paar Mal, die ich das gegessen habe.

  2. stefanolix sagt:

    Ich bin gerade beruflich in einer Gegend, in der man Grünkohl mag (und schlechten Netzzugriff hat). Ich werde mich mal umhören.

    Wahrscheinlich muss man dieses Gemüse und seine typischen Gefährten wirklich mögen. Wer nicht so gern Kassler, anderes Schweinefleisch oder die typischen Würste mag, die es oft zu Grünkohl gibt, der wird es mit »Grünkohl pur« wohl auch schwer haben.

    Wenn ich das Wetter hier so sehe, denke ich: Die Leute brauchen es deftig und salzig, also passt Grünkohl gut dazu ;-)

    Außerhalb der Fastenzeit esse ich ein- oder zweimal im Jahr Grünkohl, meist nach Weihnachten. Ich finde ihn nicht so schlimm, dass man ihn vergraben sollte.

    Als vegetarisches Rezept könnte ich mir sehr gut eine Art Grünkohl-Lasagne vorstellen, so wie es ja auch Spinat- und Mangold-Lasagne gibt. Dazu würde ich den Grünkohl vorher im Dampf bis zu einem bestimmten Grad garen. — Oder eine deftige Grünkohlsuppe. Aber wer den typischen Geschmack des Grünkohls nicht mag, wird damit wohl auch nicht warm werden.

    • Muyserin sagt:

      Ich finde es interessant, dass Du kaltes Wetter mit dem Bedürfnis nach salziger Kost verbindest. Woran liegt das, Deiner Meinung nach?

      Und warum isst Du Grünkohl meist nach Weihnachten?

      Was Deine vegetarischen Lasagnevorschläge betrifft: mein Mann ist ein sehr geduldiger „Mitesser“, der jegliche Phasen, Launen und Pannen meiner Kochlust stoisch erträgt. Aber hinsichtlich Lasagne gilt seiner Meinung nach: Never change a winning team, und in diesem Team haben außer Bolognese, Béchamel und Teigplatten keine weiteren Zutaten irgend etwas zu suchen.

      (Es soll ja Frauen geben, die ihre Männer mit der Aussicht auf Sex manipulieren. Totaler Anfängerfehler in meinen Augen. Ich muss Johannes nur eine klassische Lasagne versprechen, und er wird Wachs in meinen Händen.)

      • stefanolix sagt:

        Meine Frau und ich sind in dieser Beziehung nicht ganz so konsequent. Die Lasagne gibt es je nach Jahreszeit in unterschiedlichen Varianten. Oder »Spaghetti Aglio ++«: mit Pepperoni und Petersilie. Oder Spargelvariationen …

        Um Euren Familienfrieden nicht zu stören: Es gibt also keine Lasagne. Dann bliebe z.B. ein Grünkohl-Kartoffel-Auflauf, worin eine Béchamelsauce auch ganz gut schmecken würde.

        Grünkohl bietet der Gemüsehändler meines Vertrauens auf dem Wochenmarkt am Schillerplatz immer nach dem ersten Frost an, somit ergibt sich das von selbst. Und einmal im Jahr reicht dann auch. Ich würde es aber ernsthaft mal mit einem vegetarischen Rezept versuchen, wenn ich in diesem Winter noch welchen bekomme.

  3. Lydia sagt:

    Ich hab zweimal frisch zubereiteten Grünkohl gegessen, einmal mit Pinkel (Oldenburger! die Köchin war überzeugt, dass die besser schmecken als die Bremer Variante) und geräucherten Würsten, das zweite Mal mit Kassler, Würsten, geräuchertem Bauch und karamellisierten Kartoffeln. Beide Male schmeckte es mir ausgezeichnet, natürlich schon deftig nach Kohl, aber erdig? Mit erdigem Geschmack verbinde ich eher Rote Bete und Spinat, die ich beide auch sehr liebe.

    Selber habe ich noch nie frischen Grünkohl gekocht, einmal hab ich welchen aus der Tiefkühltheke mitgenommen, dazu gab’s Würstchen und Kartoffeln. Für so ein Ruckzuck-Essen war das ausgesprochen lecker. Aber schon seit zwanzig Jahren will ich ein Rezept aus meinem GU-Gemüsekochbuch kochen: Grünkohl auf französische Art mit Sahne und Kastanien (Keschde sinn ääfach ‘s Beschde!) … hmmm!

    Grünkohl-Sex? Der Freund, bei dem ich zu dem zweitgenannten Grünkohlessen eingeladen war, kochte das traditionell jedes Jahr für seine ganzen Bekannten. Er schwor darauf, den Grünkohl in der Badewanne zu waschen. Da könnte man auf Ideen kommen … ;-)

    • Muyserin sagt:

      Grünkohl in der Badewanne? Nach meinem ersten Kochversuch tendiere ich auch zu einer dezenten Badedas-Note. Oder vielleicht lieber fenjala?

      Ich bitte um das Grünkohl-Kastanien-Rezept.

      • Lydia sagt:

        Fürs Bad empfehle ich das Kneipp Aroma-Pflegebad Winterharmonie mit Vanille, Nelke, Orange und Mandel. Obwohl ich mir für Dich noch eher das Frühlingserwachen aus derselben Reihe vorstellen könnte: Magnolie, Viola, Maiblume. Das passt dann aber weniger zum Grünkohl ;-)

        • Muyserin sagt:

          Wo Du es sagst: meine Vorschläge waren ja sowas von „Achtziger“. Ich weiß nicht einmal, ob es diese Marken überhaupt noch gibt! Ich selber liebe die Dresdner Essenzen, und von Kneipp liebe ich die Sorte „Glückliche Auszeit“ mit Mohn und Hanf (riecht wie mein Parfüm Flower von Kenzo) sowie „Meditation Pur“ mit Weihrauch und Vanille.

          Beim Grünkohl bleibe ich doch lieber bei Speck & Co.

  4. Jan sagt:

    Familiärerweise gehört Grünkohl bei uns traditionell zu Weihnachts-, Oster- und sonstigen Braten dazu. Nachdem ich selbst mich aus derartigem geköchle allerdings bisher eher herausgehalten habe, kann ich zur Zubereitung leider nur Mutmaßungen anstellen: hacken, (mit Butter andünsten, köcheln?), Bratensauce drunterrühren, ev. noch mit Pfeffer & Salz abschmecken. Mal meine Frau Mama fragen. Das Ergebnis, finde ich zumindest, ist sehr lecker. Soulfood.

    Im Nachbardorf, bei der nächsten Verwandtschaft ist das alles übrigens schon wieder ganz anders, mit Zwiebeln und Speck und weckt herbe Erinnerungen an unvorsichtig zu voll gemachte Teller.. ;)

    • Muyserin sagt:

      Nachdem Du das so anschaulich geschildert hast, tendiere ich immer mehr dazu, dass die deutsche Übersetzung für Soulfood „Schlampampel“ lautet. Zumindest für meine Leibspeisen haut das erstaunlich oft hin.

  5. thg sagt:

    Ich bin grässlich langweilig bei Grünklohl, aber meine Mutter hat früher schon immer Grünkohleintopf mit geräuchterten Würstchen und Kartoffelstücken gemacht. Und ich habe das geliebt… Klingt langweilig, isses sicher auch – aber schmeckt eben nach SamstagmittagundgeradevomspielenimGartenhereingerufenwerden. ;-)

    PS: Flower by Kenzo – hab ich auch. Tolles Parfüm!

  6. Stefka sagt:

    Hahaha. Igitt. Ich mag auch keinen Grünkohl.

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