Selbstgenügsamkeit

Ungeachtet aller Sorgen und Nöte, die mir mal unüberwindbar, dann wieder lächerlich erscheinen wollen, ist mein Leben zur Zeit wunderschön. Dieses Gefühl begleitet mich durch den Tag und auch durch die Nacht; mit einem Blick auf meinen Sohn kann ich es mir jederzeit vergegenwärtigen. Er ist wie eine kleine Glücksdroge, nur ein Lächeln von ihm genügt, und schon wird mir warm ums Herz.

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Ich hatte Schiss vor diesen ersten Monaten, die typischen Ängste der jahrelang Kinderlosen, die diesen Umstand betrauern mögen, sich aber mit ihrem Lebensstil auch ganz gut darin einrichten. Am meisten Schiss hatte ich vor dem Schlafmangel, danach vor der Einbuße von Online-Zeit, wie sie mir von anderen Müttern mit einem beinahe hämischen Unterton in Aussicht gestellt wurde, wenn ich ihnen von meinem Blog oder irgendeiner Sache im Internet erzählte. Well, I hate to break it to you, bitches, aber bis jetzt sind wir von Horrornächten und dem Zustand totaler intellektueller Unterversorgung verschont geblieben. Das Kind ist meistens ausgeglichen und friedlich (das hat er definitiv nicht von mir); vorgestern schlief er zum ersten Mal komplett durch.

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Wenn ich wollte, könnte ich bloggen, bis die Schwarte kracht: Zeit dazu ließe sich bei den vielen Schläfchen immer finden. Außerdem kommt seit der Geburt einmal wöchentlich eine Putzfrau, was die Lebensqualität immens steigert und meine Empfehlung Nummer Eins an alle jungen Eltern darstellt, die angesichts der neuen Situation überfordert sind.

Ich habe aber selten Lust zu bloggen, weil selbst ich alte attention whore (die wir Blogger ja nun mal per definitionem sind) begreife, dass mein derzeitiger Alltag sich in Momente teilt, die außer mir keine Sau interessieren, und solche, die zwar leidlich gute Bloganekdoten abgäben, die aber nur mir, meinem Kind und seinem Vater gehören.

Womit auch die Fiktion entlarvt wäre, bei einem Blog handle es sich um so etwas wie ein Tagebuch. Ich muss gestehen, dass mir manchmal selbst nicht mehr so recht einfallen will, warum ich täglich bloggen sollte, warum ich überhaupt blogge. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich mir zur Zeit selbst genug bin.

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3 Kommentare zu Selbstgenügsamkeit

  1. Lydia sagt:

    Das ist doch eigentlich der Zustand, den wir alle anstreben. Genieße ihn! Hab zwar nicht viel begriffen bis jetzt in diesem Leben, aber wenn ich eins weiß, dann das: Schreiben braucht Lust.

  2. Carola sagt:

    Ich freu mich, dass alles so gut funktioniert. Und wenn Dich von Zeit zu Zeit doch die Lust zum Bloggen überkommt….ich werde ein eifriger Leser bleiben :-)
    Liebe Grüße
    Carola

  3. Muyserin sagt:

    Danke für Euer Verständis – und Eure Treue! :)

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