Herbstküche

Mmmhhh, war mein Mittagessen köstlich! Dabei habe ich nur ein paar Schrumpelmöhrchen und etwas Hokkaido angedünstet, mit Gemüsebrühe abgelöscht und dann püriert. Anschließend mit dem Kartoffelbreirest vom Vorabend vermischt, ein Wiener Würstchen hinein sowie mit Kresse und einem Klecks süßer Sahne dekoriert. Salz, Pfeffer, fertig war das Wohlbefinden im Teller in leuchtendem 70er-Jahre-Orange.

Mit dem Hokkaido habe ich noch Großes vor.

Und dann war ich neulich zum ersten Mal im Marché im Hauptbahnhof (den laut Marché-Website „Sir Norman FoRster“ gestaltete) und ziemlich begeistert von ein paar Sellerieschnitzeln in Haferflockenpanade. Kurzerhand dort angerufen; der Küchenchef war so freundlich, mir die Zubereitung zu verraten: die Schnitzel werden einfach zwei Mal (!) durch Ei und Haferflocken gezogen und dann in Öl ausgebacken. Das werde ich demnächst mit einem Glas Apfelmus reichen  – ein Geschenk, das hier schon seit Urzeiten herumsteht, ohne dass ich es pur anrühren würde. Momentan suche ich noch nach Möglichkeiten, es irgendwie auf herzhaft zu trimmen, vielleicht mit Meerrettich, Speck, Zwiebeln, oder aber indisch mit Curry und Rosinen, oder italienisch mit Rosmarin und Knoblauch? Mal sehen.

So schwierig ich jedes Jahr den Übergang vom Sommer zum Herbst empfinde – diese ganze Knollen-, Wurzel- und Pilzgewächse, die nach Erntedank aussehen und nach Erde und Cocooning schmecken, machen dann doch Lust auf die kommende Jahreszeit.

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28 Kommentare zu Herbstküche

  1. Lydia sagt:

    Ich versuche ja, mich nach und nach von Aversionen zu befreien, aber bei Sellerie (vor allem den Knollen) will mir das bis jetzt gar nicht gelingen. Und das Apfelmus aus dem Glas mag zwar schmecken, ist mir aber – oder war es zumindest die paar Mal, als ich es probierte – zu flüssig und zu glatt. Ich bin von meiner Oma Apfelbrei mit Bröckchen drin gewohnt, deshalb muss ich mir den immer selber kochen. Am liebsten zu Kartoffelgratin mit Gruyère und deftigem, lang gegartem (oder noch besser aufgewärmtem) Weißkohl mit Speckwürfeln.

    Und wenn dann noch was über ist von dem Apfelbrei, ist das auch toll statt Marmelade auf Butterbrot. Oder – ganz genial – auf einer Scheibe gebuttertem Hefezopf (natürlich ohne Rosinen, von der Aversion hab ich mich auch noch nicht ganz befreit ;-)).

    • Muyserin sagt:

      Ich bin eben als Kind mit Apfelmus malträtiert worden. Ich kann das Zeug eigentlich nicht ausstehen. Aber in so herzhaften Kombinationen wie von Dir beschrieben, würde es mir auch schmecken.

      • stefanolix sagt:

        Ich bin von den Gemüse- und Kartoffelbeilagen im Marché immer noch ziemlich begeistert, weil ich dort viel über Kombinationen gelernt habe. Sellerie, Kürbis, Lauch und viele andere Gemüsesorten werden dort (fast) immer lecker präsentiert.

        Aber Sellerie mit Apfelmus kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Was spricht denn gegen den klassischen Reibekuchen (oder auch Kartoffelpuffer) mit Apfelmus?

        • Muyserin sagt:

          Ich liebe Kartoffelpuffer, finde sie aber relativ aufwendig: schälen, raspeln, Teig anmachen, ausbacken. Und hinterher riecht die ganze Wohnung nach Bratpfanne. :)

          Kartoffelpuffer mit Apfelmus ist un genau die Kombination, mit der ich Johannes sehr, sehr glücklich machen würde, die ich ihm aber seit Jahren vorenthalte. Ich mag es einfach nicht. :)

          Aber Sellerie und Äpfel kann ich mir sehr gut vorstellen. In der essen & trinken fand ich auch ein Rezept: http://www.essen-und-trinken.de/rezept/2597/selleriepuffer-mit-zwiebel-apfelmus.html

        • Lydia sagt:

          Obwohl ich Sellerie wirklich nicht mag, stelle ich mir die Kombination mit Apfelmus oder überhaupt mit Apfel durchaus sehr harmonisch vor.

          Kartoffelpuffer sind hingegen überhaupt nicht auf meinem Radar. Die gab’s bei uns zu Hause nie, keine Ahnung warum. Auch später in der Mensa nicht, und die selber zu backen wär mir auch nicht in den Sinn gekommen. Ich glaube, ich habe überhaupt erst zwei-, dreimal in meinem Leben Kartoffelpuffer gegessen, und irgendwie haben die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht sollte ich mir beim nächsten Rummel mal einen Reiberdatschi auf die Hand holen …

  2. Thomas A. sagt:

    Sellerie und Apfel – wahrscheinlich ist das für mich ein so ideales Herbstpaar, weil ich es erst in meiner Autonomisierungsphase entdeckt habe, also kurz so vor 20. Und zwar relativ unaufwendig, nämlich kleingeschnitten oder geraspelt, Walnüsse dazu, evtl. noch Mandarinen und Kräuter nach gusto, mit einer Öl-Sahne-Essig-Marinade versehen und gut durchziehen lassen. Man nenne es marinierten Sellerie, Sellerie-Apfel-Salat oder herbstliche Rohkost. Und besonders praktisch: Man kann ruhig eine Schüssel voll machen, er schmeckt jeden Tag besser und erfüllt die Anforderungen an die Ein-Personen-Küche: Einmal gemacht – vier mal gegessen ohne Geschmacksverluste.

    • Lydia sagt:

      Das klingt sehr lecker. Und motiviert geradezu, der Sellerie-Aversion mit systematischer Desensibilisierung auf den Leib zu rücken ;-)

    • Muyserin sagt:

      Ist das nicht ein Waldorf-Salat, den Du beschreibst? Ich finde, wenn man ihn nicht am ersten Tag verzehrt, geht die Knackigkeit der Selleriestifte verloren, die ich so mag.

      Man kann mit Sellerie auch richtig schlimme Dinge veranstalten, z. B. Coleslaw – Horror meines Au-Pair-Jahres.

      • Thomas A. sagt:

        Die Knackigkeit erhalte ich mir, wenn ich die Walnüsse frisch dazugebe. Und was noch verloren geht ist das penetrante des Selleriegeschmacks.
        @Lydia, dann werd ich dir wohl mal ein Desensibilisierungspröbchen zukommen lassen ;)

        • Muyserin sagt:

          Das ist eine gute Idee mit den Nüssen.

          Meine Freundin Suzan macht an den Sellerie neben Walnüssen viiieeel Knoblauch und Joghurt dran, auch eine gute Kombination.

        • Lydia sagt:

          @Thomas A.: Nur zu gern!

          An den Sellerie hab ich mich noch nicht herangewagt. Aber heute habe ich eine Variante mit Roter Bete, Petersilienwurzel und Apfel ausprobiert. Sahne hatte ich keine da und wollte stattdessen Joghurt nehmen, den ich dann aber vergaß reinzutun. Fiel aber nicht weiter auf und war sehr, sehr lecker. Ach ja, statt der Walnüsse kamen Cashews rein, die ich vor paar Tagen in den Katakomben meines Küchenschranks gefunden hatte (die müssen weg, so lang sie noch gut sind!). Kurz in der Pfanne trocken angeröstet und über den Salat gestreut. Hmmm!

  3. uzayda sagt:

    Moi? Du meinst wohl Karotten, nicht Sellerie… oder Du kennst noch eine andere Suzan, von der ich noch nichts weiß?

    • Muyserin sagt:

      Toi, oui, bien sûr! Ich rede nicht vom „Plüsch“-Salat. Nein, auch den Selleriesalat hast du mir einmal beigebracht, erinnerst Du Dich nicht? :)

  4. Pingback: Believe the Hype? Vom Abenteuer des Nachkochens | Journal ohne Ismus

  5. uzayda sagt:

    Nee, leider nicht. Ich erinnere mich nur noch an den Rotkohl-Thunfisch-Salat. Hab jetzt mal das hier ausprobiert: http://www.chefkoch.de/rezepte/939991199628447/Vogelzungen-Nudelsalat-mit-Sellerie-und-Minze.html
    Der erste Nudelsalat, den ich erstellt habe. Ich wollte unbedingt einen mit Staudensellerie machen. Das war eine gute Wahl. Die Mengenangaben kann man halbieren, ich hatte viel zu viel Salat für zu wenig Leute. War ne nette Ergänzung zum Raclette und eine gute Wahl für die vegetarische Tafel. Vogelzungen habe ich jedoch so schnell nicht besorgen können… Hab noch nie von Vogelzungenudeln gehört, klingt auch ein wenig abartig, finde ich.

    • Muyserin sagt:

      Rothkohl-Thunfisch-Salat? Den kenne ich nun wieder nicht (es sei denn, Du meinst den Standard aus dem Dönerladen.)

      Vogelzungennudeln? Da spuckt ja nicht einmal Google etwas Vernünftiges aus. Da muss ich mich mal schlau machen.

      • Lydia sagt:

        Heißen die nicht uccellini? Uccellacci? Ach nee, das war Pasolini ;-)

        • Muyserin sagt:

          Ich kann dazu gar nichts finden! Muss ich mal die italienische Verwandtschaft fragen.

          Von dem Film habe ich noch nie gehört.

          • Lydia sagt:

            Eigentlich kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das eine italienische Pasta sein soll. Was im Deutschen so kompakt als Kompositum daherkommt, müsste ja im Italienischen mit einer umständlichen Di-Konstruktion ausgedrückt werden. Und so was als Pasta-Name? Linguini d’uccellini? Ich weiß nicht.

            Oder sind einfach Linguini gemeint? Ich mein, ich hab noch keinen Menschen gesehen, dessen Zunge auch nur im entferntesten Ähnlichkeit mit einer Linguini-Nudel hatte. ;-)

            Der Film ist total abgefahren: meine Lieblingsszene.

          • Muyserin sagt:

            Hmm. Wohl kaum ein Film, den man sich zum Samstagabend ‚reinzieht. :)

    • Lydia sagt:

      Also ein Vogelzungen-Nudelsalat ist eindeutig ein Nudelsalat mit Vogelzungen. Schon stelle ich mir vor, wie ganzen Scharen von Vögelchen mit Pinzetten die Zungen aus den Schnäbeln gezogen werden und die Armen dann nicht mehr zwitschern können. Ganz zu schweigen vom Schnäbeln, das dann nur noch halb so viel Spaß macht. Dann muss man sich noch vorstellen wie viele man davon braucht, um eine normale Salatschüssel vollzukriegen! Was sagt der Tierschutzbund dazu?

      Andererseits: Haben Vögel überhaupt Zungen? Wikipedia kennt unter Vogelzunge nur eine Feile und einen fossilen Haizahn: http://de.wikipedia.org/wiki/Vogelzunge

      Aber beim Blick ins Rezept stellt sich dann heraus, dass es um einen Salat mit Vogelzungen-Nudeln geht. Also ein Vogelzungennudel-Salat.

  6. thg sagt:

    Diese Hokkaido-Suppe klingt wunderbar! Die werde ich unbedingt – passend zum Thema – nachkochen…!

  7. Thomas A sagt:

    Heute mal endlich das Risotto gemacht. Beste Empfehlung!
    Die Gemüsebrühe darf ruhig vom feinsten sein.
    Und ganz viel am Endgeschmack liegt an den verwendeten Soßenzutaten, die werde ich gerne noch öfters mit verschiedenen Käsen ausprobieren.

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