Bloggen, auch wenn es weh tut

Wohl noch nie in meinem ganzen Leben habe ich an einem Blogeintrag so lange gefeilt, wie an diesem, den ich in den folgenden Tagen sukzessive (d. h. in vier Teilen) veröffentlichen werde. Ihn zu tippen, nahm letzten Endes nur ein paar Stunden in Anspruch. Ihn in meinem Kopf zu verfassen, hat zwei Jahre gedauert. Jetzt ist für mich die Zeit gekommen, ihn zu veröffentlichen.

Heilige Wut, gesunde Wut?

Letzte Woche hatte ich ein langes Gespräch mit meiner Hebamme. Sie hatte mich nach meinen Ängsten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Geburt gefragt. Ich erzählte ihr von jemandem, der mich bis ins Mark verletzt hatte. „Wirst Du ihm verzeihen?“ fragte sie. „Natürlich nicht!“, entgegnete ich im Brustton der Überzeugung. Meine Verletzung in eine beinahe heilige Wut zu verwandeln, war ein Kraftaufwand gewesen. Ich war stolz auf diese Wut, von der ich dachte, sie würde mich vor zukünftigen Verletzungen schützen. Doch nach unserem Gespräch dämmerte mir, dass es auch Kraft kostete, diese Wut am Leben zu halten, sie ständig neu anzufachen. Und dass Wut vermutlich keine besonders gute emotionale Basis ist, um ein Kind in die Welt zu befördern.

To blog or not to blog – worüber will ich eigentlich schreiben?

Ursprünglich wollte ich alles aufschreiben und dann still und leise ad Acta legen. Dass ich mich nun doch entschieden habe, diese Geschichte zu veröffentlichen, hat mit Susannah Breslin zu tun, einer Journalistin, deren Blog ich seit langem folge. Ihr kürzlich erschienener Artikel „Why Crazy People Make Better Bloggers“ traf bei mir einen Nerv. Breslin schreibt:

„A blog isn’t something you write when you feel like it. It’s the digital representation of who you really are.”

(„Ein Blog führt man nicht nur dann, wenn einem gerade danach zumute ist. Es ist das digitale Festhalten dessen, wie es Dir eigentlich geht.“)

Zugegeben, das klingt nicht gerade nach dem, was die Tagline meines Blogs verspricht: „… lauter gute Nachrichten …“. Aber ich wäre auch nicht so beständig auf der Suche nach den schönen Momenten im Leben, wenn sie sich stets bedingungslos ergeben hätten.

Das Erlebnis, auf das ich anspiele, ist verantwortlich für eine ganze Reihe von Entwicklungen in meinem Leben: unkluge Entscheidungen, radikale Schnitte, aber auch glückliche Wendungen. Und darüber möchte ich schreiben. Es soll beileibe keine exhibitionistische Nabelschau werden. Es ist jedoch mit Sicherheit eine Externalisierung von Schmerz, so wie Oskar Roehler sie neulich im SPIEGEL so treffend beschrieb. Ich hoffe, damit loslassen zu können.

Mehr noch hoffe ich, dass die eine oder andere Frau meine Geschichte liest und dadurch den Mut findet, in kürzerer Zeit und auf weniger destruktiven Umwegen Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Überhaupt: dass Frauen aufhören, sich in Situationen manövrieren zu lassen, in denen sie Anderen die Deutungshoheit über ihr Leben überlassen.

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