Believe the Hype? Vom Abenteuer des Nachkochens

Kochen ist …

Vor ein paar Tagen schrieb ich, dass mir die Herbstküche den Übergang vom Sommer zum Herbst erleichtert. Meine derzeitige Kochlust hat aber noch andere Hintergründe. Ich bin mir bewusst, dass das Zubereiten aufwendiger Mahlzeiten einen (nicht nur zeitlichen) Luxus darstellt, den ich in der nächsten Zeit wahrscheinlich nicht aufrecht erhalten kann.

Ein schönes Essen ist für mich auch die bequemste Art von quality time zwischen einem Paar, wenn zumindest einer der beiden keine Lust mehr hat, sich groß aus dem Haus zu bewegen (Wink: ich). Und seit Johannes unter der Woche quasi zwölf Stunden des Tages außer Haus verbringt, ist der gemeinsame Aufenthalt in der Küche während der Vorbereitungen fürs Abendessen eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen.

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Kochbücher sind wie Leben auf Pandora: schön, aber vollkommen unrealistisch

Rezepte aus Foodblogs nachzukochen, ist etwas ganz anderes, als aus Kochbüchern. Ein Kochbuch ist im besten Fall ein perfekt gestyltes Produkt – beeindruckend, aber in etwa so echt wie das Leben auf Pandora. An Kochblogs schätze ich, dass man auch immer etwas über den Menschen dahinter erfährt. Und mehr noch: die Kommentare spiegeln oft die eigenen Überlegungen wieder, oder stehen in direktem Widerspruch zu meinen Praktiken und Vorlieben. Das erweitert den Horizont.

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Zwei Foodblog-Entdeckungen

Wenn ich ein Blog entdecke, das mir ganz gut gefällt, abonniere ich es mittels Feed-Reader. Im Lauf der nächsten Wochen entscheide ich dann, ob es mir dauerhaft gefällt, oder sich eher als one-post-wonder entpuppt und demnach wieder rausfliegt.

Zur Zeit stöbere ich gerne durch Grain de Sel und lamiacucina. Zwei Rezepte habe ich bereits nachgekocht (ein drittes wird es heute Abend geben.) Das Eine wurde auf so vielen Kochblogs nachgekocht und besprochen, dass man ihm schon einen kleinen Hype attestieren darf. Ob ihm das Gericht meiner bescheidenen Meinung nach gerecht wurde, dazu gleich mehr.

Das andere gab es gestern Abend, am Ende eines Tages, an dem wir sehr viel erledigen wollten, so dass die Pflichten immer mehr die Freizeitplanung (Sauna, Kino) beschnitten, bis davon quasi nichts mehr übrig blieb. Aber wir waren hinterher trotzdem zufrieden, ein paar unangenehme Notwendigkeiten ad acta legen zu können (ein Kind in die Welt zu setzen, ist ein Hochamt der Bürokratie!), und dieser Gemütszustand wurde durch einen Teller außergewöhnlicher Pasta noch gesteigert.

Bevor ich jenes Rezept verrate, ein paar Worte zum blogosphärisch-legendären Kürbisrisotto à la Luisa Valazza.

Kürbisrisotto à la Luisa Valazza – Believe the Hype?

Kürbisrisotto mit Amaretti, Balsamico und Gorgonzolasauce.

Kürbisrisotto mit Amaretti, Balsamico und Gorgonzolasauce.

Aufgrund der Lobeshymnen hatte ich mir sehr viel davon versprochen:

Der Risotto ist nach meinem Befund wirklich ein Gedicht. Einmal beisst man auf Reis, dann schmiegt sich die cremige Gorgonzolasauce in den Mund, dann wieder ein Aromastoss nach Bittermandel von den Amaretti, zwischendurch ein Stück Kürbis, zuletzt die fruchtige Säure des Balsamico. Alles neben- und nacheinander, je nachdem wo die Gabel zupackt.

~Robert von lamiacucina

Leider war ich nicht ganz so euphorisiert. Sicher, die Zutaten sind alle himmlisch, da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Trotzdem wirkte es auf mich so, dass das Ergebnis eben nicht mehr war als die Summe seiner Teile, im Gegenteil: ich empfand das Ganze als ziemlichen Overkill (und wenn eine alte Hedonistin wie ich dieses Wort in Bezug auf Essen im Mund führt, will das etwas heißen!).

Nehmen wir z. B. die Sauce aus süßer Sahne, Gorgonzola und Ziegenfrischkäse: beim nächsten Mal würde ich sicher nur Gorgonzola verwenden und ihn mit Milch und etwas Sahne (anstatt der geforderten zwei Becher!) verflüssigen. Der Balsamico ist definitiv eine schöne Idee, bei den Amarettini bin ich im Zweifel. Meine waren schon etwas alt (ich mag sie eigentlich nicht) und außerdem die knusprigen; ich kann mir vorstellen, dass die Amaretti Morbidi ein deutlicheres Bittermandelaroma besessen hätten.

Nun ja. Spaß hat es trotzdem gemacht, sich inspirieren zu lassen, dafür meinen Dank an die Kochblogger.

Rosa Pasta mit Feigen: paradiesisch!

Jetzt aber: definitiv nicht genug gelobt werden kann die „rosa Pasta mit Feigen“ – trotz kleiner Abweichungen: statt Harissa nahm ich Sambal Oelek*, und statt Zitronenbasilikum normalen, den ich mit frischer Minze mischte. Autor Micha beschreibt es als

Scharf, käsig, fruchtig, cremig, frisch

und hat damit absolut recht (auch damit, dass man schwer aufhören kann). (Auch fein: Johannes hatte außerdem die Spaghetti von de Cecco gekauft, die ich so mag und die es zum Glück bei REWE gibt).

Für nächste Woche sind keine größeren Kochaktionen geplant, weil ich das dumpfe Gefühl habe, dann selbst bekocht zu werden …

Allen Lesern, Köchen und Genießern einen wunderschönen Sonntag!

* Bei der Recherche nach den Unterschieden zwischen Harissa und Sambal Oelek stieß ich auf eine Seite, die zwar nicht durch ihr Layout, aber durch ihre sehr brauchbaren Herstellervergleiche und Tipps überzeugt: Hans Joachim Baader über Chilisaucen.
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4 Kommentare zu Believe the Hype? Vom Abenteuer des Nachkochens

  1. Micha sagt:

    Das ist aber ein hübsches Blog! Und beim ersten Mal Besuch finde ich, dass wir die gleiche Pasta mögen. Kathrin, ich schlafe mit einem Lächeln heute ein :)
    Übrigens: ich steh auf Blechdosen!

  2. thg sagt:

    Feigen sind ja nicht so meins. Aber wenn ich mir das Kürbisrisotto so anschaue, bekomme ich direkt Appetit!
    Mein Kürbisrisotto von letztens war da deutlich unauffälliger: mit schnödem Parmesan und Brühe war das aber vermutlich auch schneller fertig. ;-)

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