Auberginen-Ode und Granatapfelgedicht: Baba Ghanoush nach Ottolenghi

Er kennt mich zwar noch nicht lange, aber so langsam muss ich aufpassen, dass ich es mir mit Micha nicht verscherze. Denn schon wieder habe ich ihm eines seiner Rezepte geklaut mich von einem seiner Posts inspirieren lassen. Zwar steht Ottolenghis Genussvoll vegetarisch auch in meinem Bücherregal, aber offenbar surfe ich lieber durch Foodblogs, als in meinen Kochbüchern zu blättern.

Gestern Abend also kochte ich Auberginenmus mit Tahini, ein Gericht, das unter dem Namen Baba Ghanoush in der arabischen Küche bekannt ist.

Da ich keinen Gasherd besitze, folgte ich Michas Empfehlung, stach die Aubergine ringsum mit einer Gabel ein und ließ sie bei 250 Grad für eine gute Dreiviertelstunde im Ofen garen. Die Wartezeit ließ sich gut mit der Vorbereitung der restlichen Zutaten (alle Mengenangaben finden sich hier) zubringen: Zitronensaft, Knoblauch, gehackte glatte Petersilie, Salz, Pfeffer, eine halbe gewürfelte Salatgurke und eine Handvoll geviertelte Kirschtomaten vermengen. Dazu noch Tahini. – Wer davon noch nie gehört hat: das Sesammus bekommt man inzwischen in allen gut sortierten Lebensmittelläden (ich hatte meines bei „Amro’s Orient Eck“ auf der Schwepnitzer Straße gekauft).

Nachdem die Aubergine etwas abgekühlt war, konnte man sie ohne Probleme aus der Schale löffeln – die Masse sieht in etwa so aus, wie sich H. R. Giger Aliengehirne vorstellen dürfte:

Außen verbrannt, innen aromatisch: Auberginenschalen.

Außen verbrannt, innen aromatisch: Auberginenschalen.

Ich ließ die Auberginenmasse weder in einem Sieb abtropfen, noch schnitt ich sie klein – sie war so weich, dass sie sich quasi wie von alleine glatt rühren ließ.

Zum Schluß fehlte nur noch der Granatapfelsirup. Hand aufs Herz, wer hat das im Haus? Ich nahm statt dessen ein Weingelee aus Roséwein und Traubensaft. Für ausreichende Authentizität sorgten die frischen Granatapfelkerne, die ich mit Verve über dem Gericht und auf der Tischdecke verteilte.

Was soll ich sagen, es schmeckte einfach himmlisch!

Baba Ghanoush mit Sellerieschnitzeln.

Baba Ghanoush mit Sellerieschnitzeln.

*

Über die Sellerieschnitzel im Haferflockenmantel breiten wir den Mantel des Schweigens. Die waren Lichtjahre von der Köstlichkeit entfernt, wie ich sie neulich im Dresdner Marché probiert hatte. Es ist so enttäuschend, wenn sich das Geschmacksbild im Kopf nicht auf der Zunge wiederfindet. Nächstes Mal werde ich sie definitiv erst kurz andünsten und dann wieder Paniermehl statt Haferflocken nehmen.

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2 Kommentare zu Auberginen-Ode und Granatapfelgedicht: Baba Ghanoush nach Ottolenghi

  1. Lydia sagt:

    Baba Ghanoush mit Tahini nach einem libanesischen Rezept hab ich nur einmal zubereitet. Obwohl ich Sesam sehr gern mag, ist es mir in dieser Form zu heftig und überdeckt mir auch zu stark den Geschmack der Auberginen, von denen ich gar nicht genug kriegen kann.

    Die persische Variante Mirsa Ghassemi mit Knoblauch, gequirlten Eiern und gehackten Tomaten mache ich oft für Party-Buffets. Schisch-andas mit Walnüssen, Zimt und Granatapfelsirup steht schon lang auf meiner Liste von Rezepten, die ich unbedingt mal ausprobieren muss.

    Das Rezept von Ottolenghi erinnert mich an die armenische Variante von Baba Ghanouj, die ich in meinem Buch „Russische Küche“ (eigentlich müsste es heißen „Ex-Sowjet-Küche“) unter einem georgischen Rezept namens Arme-Leute-Kaviar (russisch: Baklazhannaja ikra = Auberginenkaviar) fand: Ohne Tahini, statt der Gurke Frühlingszwiebeln und eine grüne Paprikaschote. Die Kerne eines Granatapfels werden unter die Auberginenmasse gerührt und mindestens drei Stunden durchziehen lassen. Sogar meine persische Maman war davon so angetan, dass sie sich das Rezept aufschrieb.

    Das größte Problem ist allerdings, so meine Erfahrung, schön reife Granatäpfel zu bekommen. Nachdem ich zwei-, dreimal total reingefallen bin (Wie sieht man das von außen?), hab ich seit längerem die Finger davon gelassen.

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