Tango zu dritt

Der Tag, als ich eins und eins zusammenzählte, als ich diesem merkwürdigen Zustand aus andauernder Müdigkeit, verdächtiger Libido und überquellenden BH-Körbchen einen Namen geben konnte – das war das letzte Mal, dass ich auf einer Milonga tanzte.

Die neue, so unumstößliche wie fragile Realität, schwanger zu sein, entfremdete mich dem Tango schlagartig. Selbst in den Armen ansonsten von mir geschätzter Tangueros fühlte sich das Spielerische, die Frivolität dieses Tanzes unangemessen, fast unanständig an. Während ich den Reigen der Paare auf der Tanzfläche beobachtete, die minutenweise miteinander verschmolzen und dann wie Partikel wieder auseinander stoben, war mir auf einmal nach einer Verbindung der dauerhaften Art, sprich: händchenhaltende Zweisamkeit auf dem Sofa in den eigenen vier Wänden. Ich kann es vielleicht am besten so erklären: indem sich mein Blick nach innen richtete, wurde mir meine Außenwirkung, meine Außenwelt egal.

Natürlich ist das bei jeder Frau verschieden. An jenem Abend tanzte auch eine andere Tanguera, zwar rank und schlank wie eh, doch mit deutlichem Bauch. Vielleicht genoß sie das Gefühl des Getragenseins, der Geborgenheit in den Armen ihres Partners.

Gestern Abend bin ich noch einmal zurückgekehrt zum Tango, und es hat mir gut getan. Nicht als aktive Tänzerin, bewahre, aber als Zuhörerin. Den Bauchbewegungen nach zu urteilen, war ich nicht die Einzige, auf die die Tangos, Milongas und vor allem Valses eine anregende Wirkung hatten.

Ich hoffe, ich finde noch die Zeit, ausführlicher vom gestrigen Abend zu berichten. Zuvor möchte ich aus einem Blogbeitrag zitieren, in dem sich eine andere Tanguera mit dem Thema Tango & Schwangerschaft beschäftigt:

Somewhere in that crazy time I met someone, who, it was obvious, I would grow old with, just like that. It was the right relationship at the right time. We became pregnant. But, yanno, pregnancy doesn’t fit well with the life of a tango obsessive. Well, for me it didn’t. I was too tired to keep up the pace.  I felt ill, my joints ached, and my feet became too swollen to fit into any of my dance shoes.

[Shannon McEwan, „Accidental Tanguera“, via Fishnets & Fedoras]

Eine Sache, die ich mir aber auf jeden Fall wunderschön vorstelle, ist ein Tango zu dritt …

Dieser Beitrag wurde unter Damenhygiene, Tango abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.