Die doppelte Stunde: Dramatik und Doppelbödigkeit

Die Uhr zeigt 20 Uhr 20, mir fällt ein: vorgestern war ich mit einer Freundin im Kino: La doppia ora, zu Deutsch Die doppelte Stunde:

Falls das jetzt etwas dramatisch wirkte – es war noch viel dramatischer.

Es ist schwer, etwas über den Film zu sagen, ohne zu viel preiszugeben. Sonia arbeitet als Zimmermädchen in einem Hotel. Beim Speeddating (dies eine der stärksten Szenen des Films) lernt sie Guido kennen, einen Ex-Polizisten, der jetzt als Wachmann arbeitet. Zwischen den beiden entwickeln sich Gefühle. Als Guido sie in die Villa einlädt, die er bewacht, kommt es zu dramatischen Entwicklungen, in deren Folge man sich als Kinozuschauer mehr als einmal eingestehen muss, dass man sich von der Suggestion der Bilder, aber auch der eigenen Wünsche an der Nase herumführen ließ.

Der Film beherrscht beides, Melancholie und absolute, fast unerträgliche Spannung. In einer Szene, in der die Protagonistin nachts allein zu Hause ist, geht auf einmal aus unerfindlichen Gründen das Licht aus. Obwohl das natürlich ein tausendfach durchexerziertes Stilelement des Thriller-Genres ist, blieb mir in den folgenden Filmmomenten vor Angst schier das Herz stehen. Und das war beileibe nicht das einzige Mal.

Gerade, weil mich der Schluß etwas ratlos zurück ließ, habe ich den Kinogang nicht bereut. – nichts schlimmer als Vorhersehbarkeit im Kino. Außerdem sind die beiden Hauptdarsteller wirkliche Entdeckungen, Xenia Rappoport wurde für ihre Darstellung der Sonia bei den 66. Filmfestspielen in Venedig als  beste Schauspielerin ausgezeichnet. Von Filippo Timi (Guido) sieht man in Zukunft sicher auch noch mehr. – Angeblich plant Hollywood bereits die Neuverfilmung mit Naomi Watts und Clive Owen. Vielleicht sind dem Stoff dann mehr Kinobesucher gnädig, als Dienstag Abend im Rundkino, wo wir ganze vier Zuschauer waren.

Vorführtermine in Dresden.

 

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