Breggelessupp

Heute beim Einkaufen fiel mir ein, dass ich meine „Suppe am Samstag“-Serie mal wieder aufnehmen könnte.

Ich tue dies mit einem Klassiker aus meiner Kindheit, von dem ich mir ziemlich sicher bin, ihn in anderen Familien nie gegessen zu haben. Daher kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um ein schwäbisches Gericht handelt. Doch die Verbindung einfachster Zutaten zu etwas sehr Leckerem verleiht der Suppe einen schwäbischen Charakter. Außerdem lieben die Schwaben klare Brühen mit Einlage, seien es Backerbsen, Riebele, Flädle oder Leberspätzle.

Ich würde das Rezept gerne ergoogeln, um zu wissen, wie das bei ander Leut‘ aussieht, oder wie man außerhalb meiner Familie zu dieser Suppe sagt, die wir „Breggelessupp“, also Suppe mit Bröckele (kleinen Brocken) nennen.

Breggelessupp

Zutaten (für 2 Personen)

4 Scheiben Toastbrot
2-3 Eier
50 g geriebenen Käse, z. B. Emmentaler
Senf
Pfeffer
Muskat
Schnittlauch
Brühe

 

Zubereitung

In einem Topf 1 Liter Brühe zubereiten und warm stellen. (Ich nehme natürlich Fertigbrühe, aber das soll nicht heißen, dass ich die mich aus 1000 Fettaugen glücklich anlächelnden Hausmacherbrühen nicht zu schätzen wüsste.)

Die Toastbrotscheiben dünn mit mildem Senf bestreichen (das hat meine Mutter nie gemacht, aber ich finde, es verleiht dem Gericht Pfiff) und vierteln.

Eier verquirlen (evtl. mit einem Schuss Milch strecken), Käse unterheben, pfeffern, mit Muskat würzen. Die Scheiben darin wälzen und in einer Pfanne von beiden Seiten ca. 5 Minuten lang in Butter ausbacken, bis einem der unwiderstehliche Geruch sagt, dass die Bröckele nun fertig sind.

Die Suppenteller mit zwei Kellen Brühe füllen und mit Schnittlauch garnieren. Dann die Bröckele, *zisch!*, mit zufriedenem Brutzeln in die Brühe gleiten lassen.

Erstaunlich, wie präsent einem die Gerüche und der Geschmack der Kindheit auch nach 20, 30 Jahren noch sind.

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27 Kommentare zu Breggelessupp

  1. stefanolix sagt:

    Das scheint ja eine Art Brotsuppe zu sein. In meiner Kindheit wurde Brotsuppe zubereitet, wenn Brotreste verwendet werden sollten. Es gab eine pikante Sorte für eher dunkles Brot und es gab auch eine süße Sorte für Semmeln.

    Die pikante Sorte hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Deinem Rezept, allerdings kommt in meiner Erinnerung kein Käse vor. Toast gab es in der DDR (glaube ich) nicht. Ich habe als Kind oft beim Bäcker Brötchen und Weißbrot geholt, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemals Toast auf den Tisch kam.

    Aber jetzt! Auch wenn die Brühe von Alnatura ist: eine gebürtige Schwäbin kann doch keine Fertigbrühe verwenden? Ich hätte bis heute felsenfest geglaubt, dass Du immer mindestens einen Liter Gemüsefond im Tiefkühlfach hast.

    • Muyserin sagt:

      Brotsuppen kenne ich auch, aber eher jene mit einer sämigen Konsistenz. Ich kenne eine osteuropäische Variante, die ist eher sauer, und eine andalusische, mit viel Knoblauch und Mandeln.

      Dass das Rezept ursprünglich mit altem Weißbrot zubereitet wurde, kann ich mir sehr gut vorstellen – da schwänge dann wieder die schwäbische „Mir lasset nix vrkomma!“-Mentalität durch.

      Wäre mal interessant herauszufinden, seit wann Toastbrot Eingang in (west-?)deutsche Lebensmittelgeschäfte fand. Vielleicht in den Fünfzigern, als Krabbencocktail so populär wurde? Da wird doch heute noch oft Toast dazu gereicht.

      Meine Suppe-am-Samstag-Rezepte habe ich ja als Erinnerung an die Samstage in meiner Familie begonnen, und das war eine Familie mit zwei berufstätigen Elternteilen. Der ganze Sinn und Zweck einer Samstagssuppe war ja, nach den vier Unterrichtsstunden am Samstagvormittag schnell ins Wochenende starten zu können. Ich denke, dass es eher kontraproduktiv gewesen wäre, wenn meine Mutter erst noch Brühe hätte ansetzen müssen! ;)

      Ich bin froh, dass ich bei manchen Dingen auf die Segnungen der Lebensmittelindustrie zurückgreifen kann: Brühe und Blätterteig zählen auf jeden Fall dazu. „Brühe & Blätterteig“, das wäre doch ein wunderbarer Titel für meine unambitionierte Art des Kochens, wenn ich ein reines Kochblog betriebe.

      • Muyserin sagt:

        Ha! Ich bin gut! ;)
        „In Deutschland gibt es das typische helle Toastbrot erst seit den 1950er Jahren.“

      • stefanolix sagt:

        Blätterteig ist auf jeden Fall in Ordnung, der gibt selbst mir die Chance, mal etwas zu backen ;-)

        Aber wer mal in der Nähe einer »Maggi-in-DDR-Version«-Fabrik gewohnt hat, der will nie wieder Brühpulver (die Fabrik hieß im Volksmund übrigens trotzdem »Maggibude« und die Gerüchte über die Zutaten waren Legion).

        Nein, ich setze zu solchen Gelegenheiten auch nie die Brühe im »Original« an, sondern ich nehme eine Tupper-Gefrierdose aus dem Tiefkühlfach und taue einfach den Gemüsefond auf.

  2. Muyserin sagt:

    Übrigens meinte meine Mutter gestern, nachdem ich ihr von meinem Post berichtete (sie kennt das Internet fast nur aus meinen Erzählungen, Generation Telefon halt), dass bei ihr nicht Senf, sondern eine sehr fein gehackte Knoblauchzehe für den nötigen Pep sorgt.

    • Eyachfreund sagt:

      Danke für das Rezept! Wollte mich neulich schon an berufener Stelle danach erkundigen. Wie das Rezept mit Senf schmeckt, weiß ich nicht, allerdings ist gerade die Zutat von Knoblauch meines Erachtens von entscheidender Bedeutung für den typischen Geschmack dieser Suppe.
      Wie immer ausgezeichnete Fotos! Wenn man weiß, welche (unfairen) Tricks die Profifotografen anwenden und welcher Aufwand betrieben wird, damit die Gerichte so richtig „schmackig“ daherkommen (habe ich neulich im TV gesehen), beweisen deine Bilder, dass es auch ganz natürlich und einfach gehen kann. Weiter so!

      • Muyserin sagt:

        Danke fürs Lob! Ich mache mir aber bezüglich meiner Fotos keine Illusionen. Da geht es in anderen Foodblogs um einiges edler zu (eines meiner unerreichten Idole ist Keiko Oikawa mit ihrem Blog Nordljus). Aber das ist auch gar nicht mein Anspruch. Was ich vermitteln will, ist ja, dass man schon mit kleinem Zeitbudget und Geldbeutel trotzdem jeden Tag fein essen kann. Und da muss es eben authentisch und ergo ungestylt bleiben.

  3. RaLi sagt:

    @stefanolix:
    …und es gab sogar Toaster, habe selbst welche im UTP (Unterrichtstag in der Prduktion, eine Art Werkunterricht in der realsozialistischen Praxis als Ergänzung zum Schulunterricht) zusammengebaut. Das Modell hieß Lavamat und wurde in den 70gern im Sachsenwerk Dresden hergestellt.

    @Muyserin:
    Bei allem Wasser im Munde: der blaue Teller ist sehr hübsch!

    • Muyserin sagt:

      Lavamat? Das ist doch eine Waschmaschine!? :)
      Den Teller findest Du hübsch? Ich kann das Geschirr langsam nicht mehr sehen! :)

      • RaLi sagt:

        Oh je, der Kopf! Natürlich hast Du recht, nicht „mat“, sondern „LAVA Sirat“. Siehe hier, dank Wikipedia dem Vergessen entrissen.

        • Muyserin sagt:

          Oh! Ein Wort mit gleich zwei Bindestrichen: Einscheiben-Halbautomatik-Toastgerät.

          Indes: Ein Staat, dessen volkseigenen Betriebe aus Kostengründen auf Krümelauffangschalen verzichten, hat eigentlich seine Daseinsberechtigung verwirkt. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen, da hätte ich auch revoltiert.

    • Lydia sagt:

      Ich find den Teller auch hübsch. Hat fast was Persisches!

      • Muyserin sagt:

        Das Service haben meine Eltern mal ganz spontan im Italienurlaub gekauft. Ich fand es mal so toll, dass ich es mit Beginn des Studiums meinen Eltern abgeluchst habe. Heute fällt mir dazu immer nur „Versace-Abklatsch“ ein. Man kann sich eben an manchen Dingen auch satt sehen.

  4. stefanolix sagt:

    Es gab Toaster. Aber in die Toaster hat man wohl geschnittenes Kastenweißbrot gelegt. So lautete zumindest das Ergebnis der kollektiven Erinnerung, als ich gestern im Familienkreis nach Toast in der DDR fragte. Kastenweißbrot wurde auch als Grundlage für »Toast Hawaii« verwendet. Allerdings haben wir auch immer eher Bäckerbrot als Konsumbrot gegessen. Es ist möglich, dass der Toast an mir vorübergegangen ist.

    Ich habe übrigens in UTP den »Multiboy« montiert. Auch im Sachsenwerk, vermutlich 1981/82 ;-)

    • RaLi sagt:

      So ein kollektives Gedächtnis ist doch wirklich eine schöne Sache: „Kastenweißbrot“, was für eine herrliche Wortschöpfung. Du hast recht, ich hatte den Begriff schon lange vergessen. Das gab es aber auch beim Bäcker, da bin ich mir sicher (d.h. nicht nur im Konsum). War übrigens 1975/76 beim Toaster-Schrauben :-)

      • Lydia sagt:

        Jetzt würd mich ja schon noch interessieren, was das mit dem kollektiven Toaster-Schrauben auf sich hat.

        • stefanolix sagt:

          DDR-Schüler hatten von der 7. bis zur 10. Klasse jede Woche einen Unterrichtstag in einem volkseigenen Betrieb. Wenn ich mich recht entsinne, wurden wechselseitig Theorie und Praxis vermittelt (ESP = »Einführung in die Sozialistische Produktion« war die Theorie, UTP war der »Unterrichtstag in der Produktion«). An einem solchen Produktionstag saß man als Dresdner Schüler z.B. im Sachsenwerk in Niedersedlitz an einer Montagestrecke für ein elektrisches Gerät (dort waren es Laugenpumpen, Toaster und Küchengeräte zum Schneiden von Obst/Gemüse). Nach einem Jahr wurde meist die Produktionslinie gewechselt.

          • Lydia sagt:

            ESP – UTP – davon hab ich tatsächlich noch nie was gehört. Aber ich erklärte mir auch das „West Germany“ auf Briefen und Postkarten aus dem Ausland noch als Zwölfjährige damit, dass meine Heimat westlich des Rheins liegt ;-). Vielen Dank jedenfalls für die Aufklärung!

          • Muyserin sagt:

            Lydia: Herrliche Kinderklugheit! :)

  5. Lydia sagt:

    Suppe am Samstag – das erinnert auch mich sehr an meine Kindheit. Und beim Anblick der knusprigen Breggele in der Pfanne musste ich gleich an die Krachelscher meiner Großmutter denken. Die waren zwar viel kleiner, einfach ein, zwei Scheiben Brot in Würfel geschnitten und in Butter knusprig gebraten. Ich glaube, ich war schon ein Teenager, als ich zum ersten Mal das Wort „Croûtons“ hörte. Fortan dachte ich, „Krachelscher“ sei ein Spezialausdruck meiner Oma – bis ich Jahre später in Anna Bergners „Pfälzer Kochbuch“ von 1858 unter Rezept Nr. 29 „Kartoffel-Suppe“ Folgendes las:

    „Ist es Zeit zum Anrichten, so schneide einen Weck würfelig und zwar so fein als möglich, röste dies in frischer Butter, bis es gelb ist (…) . Die Krachelchen (d.h. die gerösteten Weckschnittchen) thue nicht eher in die Suppe, als bis sie aufgetragen wird; denn wenn sie zu lange in der Suppe liegen, werden sie weich und schmecken unangenehm.“

    • Muyserin sagt:

      Krachelchen bestimmt, weil sie beim Draufbeißen oder beim Kontakt mit der Flüssigkeit Geräusche von sich gaben?
      Diese selbstgemachten Croutons kamen bei uns in die Tomatensuppe.

      • Lydia sagt:

        Ja, klar, die krachten schon beim Draufbeißen. Meine Oma machte die auch nicht aus Weißbrot oder Wecken, sondern aus normalem Mischbrot, ich glaube, das machte die noch mal kracherter.

        Jetzt habe ich lange überlegt, in welche Suppe die bei uns kamen, konnte mich aber beim besten Willen nicht erinnern. Dann fiel mir ein: Es war gar keine Suppe, Großmutter streute sie über Grießknödel, die zusammen mit Apfelbrei serviert wurden. Oder über Spätzle – und jetzt wird’s Dir als Schwäbin sicher gleich den Magen umdrehen, die gab’s bei uns nämlich auch zu Apfelbrei. Ich weiß noch, dass es für mich was ganz Außergewöhnliches war, als ich zum ersten Mal Spätzle zum Sonntagsbraten mit Soße aß. Und der Cousin meiner Oma, ein damals schon älterer, ganz einfacher Bauer aus unserem Dorf, geriet fast außer sich, als er einmal vorbeikam und meine Großmutter gerade Spätzle machte, während ein Braten im Topf brutzelte: „Spätzle – zu Sooß un Fleesch?! Des gibbt’s bei uns bloß zum Abbelbrei!“

        • Muyserin sagt:

          Mit Apfelmus kann man mich jagen, dank meiner Mutter, die das immer in riesigen Mengen einkochte und es anschließend wochenlang scheinbar nichts anderes gab.

          Also, Spätzle mit Apfelmus, davon habe ich ja noch nie gehört, aber der Kommentar des Bauern erinnert mich an eine Episode, als wir Besuch aus Kamerun hatten. Als wir zum Kaffee Kuchen servierten, fingen die Damen an zu kichern; die Idee, den Kaffee nicht etwa zu Herzhaftem zu reichen, erschien ihnen absurd. :)

  6. uzayda sagt:

    Sieht verdammt lecker!

  7. uzayda sagt:

    Ja, ich brauch‘ ganz dringend Urlaub. Der Aufenthalt in der Türkei war nicht ohne…

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