Spurensuche: wenige Fakten und zu viele „Vielleicht“

Heute möchte ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen, indem ich das kollektive Gedächtnis meiner werten Leserschaft anzapfe.

In meinem Kopf existieren einige Fragmente aus Kindertagen. Es handelt sich dabei um bruchstückhafte Erinnerungen an Filme, Serien und Romane, die ich trotz Google zu keinem schlüssigen Bild zusammensetzen kann.

Diese in Worte zu fassen, fällt mir nicht leicht, da es sich oft nur um eine Szene, kleine Tableaus oder Wortfetzen handelt. (Man sehe mir den häufigen Gebrauch des Wortes „vielleicht“ nach.) Gesucht sind natürlich die Titel.

  • Kinderbuch/Jugendroman
    1. Ein dicker Fantasyroman mit einem Wolf, einem Zwerg, vielleicht namens Laurin oder Laurenz, einer feinen Goldschmiedearbeit, vielleicht einer Krone. Die Welt wirkt mittelalterlich.
  • Kinderserien und/oder -Filme
    1. Ein Mädchen, das in einem Cottage an der Küste Großbritanniens lebt, sie lernt einen Seehund kennen. Vielleicht lebt sie bei der Tante oder Pflegeeltern oder der Großmutter, vielleicht ist sie dort unglücklich. Es sind vielleicht die zwanziger, dreißiger, vierziger oder fünfziger Jahre.
      [Nachtrag 08.02.’17: Seal Morning (dt. Meine kleine Robbe Laura).]
    2. Ein Junge und ein Mädchen, vielleicht im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Es ist vielleicht schon das Zeitalter der Industrialisierung: ich meine mich an Flusskähne zu erinnern, die von Pferden gezogen werden. Das Mädchen ist vielleicht stumm oder gilt als verrückt. Der Junge landet bei Gaunern (es ist nicht Oliver Twist!). Zwei Szenen stehen mir vor Augen: das Mädchen, eingesperrt in einem Irrenhaus. Eine hohe Fahnenstange oder ein Mast, an der die Kamera entlangfährt, alles dreht sich wie im Taumel. Ringsum Bäume?
      [Nachtrag 08.02.’17: eventuell vermischen sich hier Erinnerungen an The Canal Children mit Sans Famille (dt. Heimatlos) sowie Oliver Twist. Um es abschließend sagen zu können, müsste ich mir die betreffenden Serien nochmals anschauen.]
    3. Eine Welt, die jenseits der unseren existiert. Ein englisches Dorf. Eine alte Sage. Manchmal hört man die Glocken auf der anderen Seite (das fiel mir gestern ein, als ich „High Hopes“ aus Pink Floyds The Division Bell anhörte). Nicht die Nebel von Avalon! Vielleicht Szenen von Morris Dancing oder Bändertanz? Aber auch nicht Hardys Tess of the D’Urbervilles! (Vielleicht auch keine Serie, sondern ein Buch.)
      [Nachtrag 08.02.’17: The Secret World of Polly Flint (dt. Die geheime Welt der Polly Flint).]
    4. Eine Serie mit einer wunderschönen Titel- oder Abspannmelodie, mit einer Flöte [Nachtrag 08.02.’17: gespielt von James Galway!], man sah einen Baumstamm und eine Eule. Oder ein Eichhörnchen. Oder eine Höhle im Baumstamm. Nicht Patricia Highsmiths Schrei der Eule!
      [Nachtrag 08.02.’17: Gefunden! Es ist Brendon Chase (dt. Im Schatten der Eule).]

Ich bin sehr gespannt, ob und was an Rückmeldungen kommt.

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13 Kommentare zu Spurensuche: wenige Fakten und zu viele „Vielleicht“

  1. Carola sagt:

    Na das hört sich spannend an. Aber ich hab das Gefühl wir haben früher schon immer unterschiedliche Dinge gemacht :-)..mir sagt das alles gar nix. Leider..Bin aber gespannt was so an Antworten kommt.
    LG
    Carola

    • Muyserin sagt:

      Trotzdem Danke. Es wird Dich vielleicht freuen, dass auch Du für einen Meilenstein meines TV-Kanons verantwortlich bist: In einer langen, langen Nacht in G. verschlang ich alle drei Bände von „Anna – das Buch zur TV-Serie“. Danach war mein Lebensweg als Ballerina quasi vorgezeichnet. ;)

  2. Jan sagt:

    zu „laurin“ und „mittelalterlich“ fallen mir dietrich von bern und laurin der zwergenkönig mit seinem rosengarten ein.. der rest sagt mir leider eher wenig..

  3. Lydia sagt:

    Leider kann ich Dir auch nicht weiterhelfen. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich paar Jahre zu alt bin …

    Aber Du hast mir grade geholfen!!! Inspiriert von Deinem Post habe ich mal wieder nach einem meiner Lieblings-Jugendbücher gegoogelt und es endlich gefunden! Ich hab es damals hergeliehen und nie zurückgekriegt. Es spielte im Kanada des 17. Jahrhunderts, ein Franzose wird aus Quebec von Mohawks entführt und wächst bei ihnen auf, gelangt „Im Alleingang zum Mississippi“ (so der Buchtitel) und am Schluss gründet er die Hudson Bay Company.

    Erst vor zwei, drei Monaten hab ich eine Serie meiner frühen Kindheit (erste oder zweite Klasse) wiederentdeckt, die meine Freundin und mich dazu brachte, uns nur noch in Ballettschritten – oder was wir dafür hielten – durch Haus und Hof zu bewegen. Und meine Mutter, mich schließlich bei einer Ballettschule anzumelden, was meinem Ballettfieber ein schnelles Ende bereitete. An einige Bilder dieser Szene konnte ich mich wirklich noch erinnern: http://www.youtube.com/watch?v=txPoIIPpRS4

    • Muyserin sagt:

      Lydia, Dein Buch „Alleingang zum Mississippi“ erinnert wiederum mich an eines meiner Lieblingsbücher: Blauvogel von Anna Jürgen (alias Anna Müller-Tannewitz). Ein weißer Junge wird von Indianern entführt und wächst bei ihnen auf … Durchs Googeln weiß ich jetzt auch, dass es ein DDR-Buch war. Keine Ahnung, wie es zu mir in den Westen gelangt sein könnte.

      Der Ballettfilm sieht sehr süß aus! Mit vielleicht fünf, sechs Jahren war ich auch beim Ballett und machte mir aus Angst vor der strengen Lehrerin beinahe in die Hose. Ich glaube, mein späterer Wunsch war eher von einer Schwärmerei für Patrick Bach inspiriert.

      Danke fürs Mitraten.

  4. CK sagt:

    Ich kann Dir leider auch nicht weiterhelfen. Wir scheinen auf unterschiedlichen Seiten der Mauer groß geworden zu sein. Aber interessant wäre es schon mal aufzuschreiben, mit welchen Büchern und Filmen wir so groß geworden sind.

    Bei uns „Ostkindern“ war der eindeutige Renner „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ welcher ja nun sogar eine Ausstellung in Moritzburg hat. Ein weiterer Renner war Alexander Wolkows Verarbeitung des „Zauberers von Osz“ in „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ und seine Fortführung in weiteren 4 oder 5 Bänden. Diese haben wir verschlungen, und ein Band spielte im Reich der „Sieben unterirdischen Könige“. Da ging Elli als Hauptfigur mit einem Knaul Wolle in ein unterirdisches Labyrinth. Das haben wir dann auch ausprobiert. In der Johannstadt im Elbbogen gegenüber den Elbschlössern mündet ein großes Kanalisationssystem in die Elbe. Dort gingen wir mit einem Knaul Wolle hinein. Aus heutige Sicht äußerst leichtsinnig. Aber wir bekamen es nach den ersten Verzweigungen doch mit der Angst und außerdem stank es bestialisch!

    LG,
    Christiane

    • Muyserin sagt:

      Christiane, das wäre wirklich mal ein interessantes Projekt. Aber da ich als Kind eine Leseratte war (was ich leider nicht annähernd ins Erwachsenenalter hinüberretten konnte), könnte ich wohl nur sehr schwer einschränken, welche Bücher wichtig waren. Und wie kann ich z.B. bei dem Wolf-und-Zwerg-Buch sagen, es hätte Eindruck bei mir hinterlassen, wenn ich nicht einmal die Story nacherzählen kann? Es war aber trotzdem eindrucksvoll. Das ist paradox.

      Deine Johannstädter Ariadne-Anwandlungen lassen bei mir aus Sicht einer Erwachsenen auch Bedenken aufkommen, was da hätte alles passieren können. Aber wir selbst haben auch so viel Blödsinn gemacht, wo ich rückblickend meine, es war die pure Lebensgefahr. Vielleicht haben Kinder einfach doch eine Schutzengel. Hoffen wir es.

    • Muyserin sagt:

      Drei Haselnüsse für Aschenbrödel war im Westen der Weihnachtsfilm. Ich habe ihn jedes Jahr am Nachmittag vor Heilig Abend geschaut, wirklich jedes. Das Highlight war der imposante, schirmartige Hut der bösen Stiefmutter. Natürlich kann ich die Titelmelodie heute noch auswendig trällern.

      Als ich den Film vor einiger Zeit mal wieder sah, gefielen mir die zugrunde liegenden emanzipatorischen Handlungsstränge: immerhin ist Aschenbrödel eine Cross-Dresserin und tritt in Gestalt des Jägerleins den Beweis an, dass Frauen Männern das Wasser reichen können. :)

      Als ich dann Kolya sah, freute ich mich über das Wiedersehen von Libuše Šafránková.

  5. Muyserin sagt:

    Ich werde es weiter versuchen und wohl auch entsprechende Foren wie „wer weiß was“ oder amazon nutzen müssen.

  6. CK sagt:

    Oh ja, eine Leseratte war ich auch! Und wenn vieles in der ehemaligen DDR nicht gut war, der Kinderbuchverlag war es! Und er existiert ja heute auch noch. Da werden viele Bücher aus meiner Kinderzeit wieder aufgelegt. Und die meisten Bücher hatten auch noch schöne Illustrationen. Aber auch die tschechischen Kinderbücher waren schön. Ich habe meine noch fast alle, ich muss mal auf dem Dachboden kramen bei Gelegenheit!

  7. RaLi sagt:

    @Muyserin: Hallo Katrin, DU kennst BLAUVOGEL? Das Teil habe ich vorwärts und rückwärts gelesen, es war (nein: da ich es immer noch besitze, es ist) eines meiner allerliebsten Bücher. Es gibt sogar einen Film, der aber lange nicht so gut war wie meine inneren Bilder…

    @CK: Wie sich das doch ähnelt, ich habe die Wolkow-Bücher alle noch, und unser Eingang in die Dresdener Unterwelt befand sich am Zschachwitzer Elbufer. Wir haben allerdings Kreide für das Widerfinden des Rückwegs benutzt, Jungs stricken ja nicht so viel ;-)

    • Muyserin sagt:

      Hallo RaLi, ja, das Schicksal von Blauvogel hat mich damals sehr angerührt. Ich müsste es allerdings nochmals lesen, um mich daran im Detail zu erinnern. Wie bruchstückhaft Erinnerungen an Lieblingsbücher oder -Serien sein können, zeigt ja mein Eintrag.

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