Pissen in Brüssel: eine kulturanthroplogische Betrachtung in Bildern

Das Pissen ist in Brüssel so allgegenwärtig, dass man ihm getrost den Rang einer kulturellen Praxis zugestehen darf.

In Bayern wohl undenkbar, sah ich mich z. B. an einer belebten Straße hinter einer Kirche dieser kleinen Einrichtung gegenüber, die ich zunächst für eine künstlerische Installation hielt. Allein die Windverhältnisse sorgten für die olfaktorische Auflösung des Rätsels.

Pissoir hinter Nôtre Dame de la Chapelle, Brüssel.

Pissoir hinter Nôtre Dame de la Chapelle, Brüssel.

In den Souvenirläden Brüssels scheint der patriarchalisch-archaische Glaube an das Allvermögen des männlichen Geschlechts ungebrochen:

Army of Wolpertinger.

Army of Wolpertinger.

Selbst in ansonsten hochgradig puristischen Umgebungen sorgt der Männeken Pis für eine Entkrampfung der Atmosphäre.

Tapete eines Architekturbüros auf der Rue de l'Écuyer.

Tapete eines Architekturbüros auf der Rue de l'Écuyer.

Wo man sich in Großbritannien inzwischen auf Schritt und Tritt einem Orwell’schen CCTV-Szenario ausgeliefert sieht, begnügt man sich in Brüssel trotz mehrfacher Diebstähle des städtischen Wahrzeichens auf freundliche, da inhaltslose Drohgebärden:

Sicherheit wird hierzulande ganz groß geschrieben …

Sicherheit wird hierzulande ganz groß geschrieben …

Zu guter Letzt: was in Dresden unweigerlich dazu führt, dass Polizeifunktionäre ihr wilhelminisches Kunstverständnis propagieren, erfreut hierzulande Touristen und Einheimische gleichermaßen:

Denis-Adrien Debouvrie, »Janneken Pis«, Bronzefigur, 1985.

Denis-Adrien Debouvrie, »Janneken Pis«, Bronzefigur, 1985.

[Bildquelle: Wikipedia.]

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2 Kommentare zu Pissen in Brüssel: eine kulturanthroplogische Betrachtung in Bildern

  1. Eyachfreund sagt:

    „Naturalia non sunt turpia“ (Sentenz nach Euripides, 480-406 v. Chr.)
    und
    „Navigare necesse est“ (Studentenspruch nach Biergenuss)

    • Muyserin sagt:

      Sehr schön, danke für den Kommentar! :)

      “Naturalia non sunt turpia” – in Dresden offenbar schon. Da gilt die bloße Abbildung zutiefst menschlicher Vorgänge als „Angriff auf die Menschenwürde“ (die ja eine Plastik gar nicht besitzen kann, weil sie kein Mensch ist; aber den Unterschied zwischen Ding und Abbild schient man auch noch nicht so genau verstanden zu haben).

      Wir gehen jetzt wieder belgisches Bier trinken, wie sicher wir danach in unser Quartier navigieren, ist fraglich … schiffen werden wir sicher allemal. Ahoj!

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