Le Mort Subite: Plötzlicher Tod – durch Bier

Nach der Fritten-Orgie hatte mir der Sinn in nicht zu unterdrückender Weise nach Bier gestanden. Ein kurzer Blick in die Empfehlungen des Reiseführers, und ich beschloss: im Le Mort Subite wollte ich eines süßen, plötzlichen Todes durch Bier sterben.

Doch vor die Erlösung haben die Götter Reiseführer mit fehlerhaftem Kartenmaterial gesetzt. Bestimmt eine dreiviertel Stunde lang suchten J. und ich einen Eingang, der in der falschen Straße eingezeichnet war. Tatsächlich befanden wir uns drei Mal in nächster Nähe. So langsam wurde es mir heiß in meinen Winterstiefeln …

Für die Historie dieser Brasserie verlinke ich nur zu gerne auf die deutsche Übersetzung ihrer Website, wo man z. B. vom wunderbaren „GroBvater“ lesen kann, der trotz dieses Namens ein ganz umgänglicher Patron zu sein gewesen scheint.

Le Mort subite, Brüssel.

Le Mort subite, Brüssel.

Mehr Pub als Café, war ich von der Atmosphäre des Le Mort subite angenehm überrascht. Durch eine altmodische Tür betritt man einen Saal, an dessen Längsseiten Tische in einer einzigen, langen Reihe stehen. Die Karte hält etliche Sorten Bier bereit. Auch für Barbaren wie mich, die auf das deutsche Reinheitsgebot pfeifen und am liebsten „Bier mit Spüli“ trinken, ist gesorgt: Sorten wie das berühmte Kriek (Kirschbier) oder Pêche (Pfirsich) bieten ausgewogen fruchtig-spritzige Genüsse.

Komm, süßer Tod …

Komm, süßer Tod …

Sieht man rechts oder links von sich die Reihe der Tische hinab, bemerkt man unschwer, dass jedes Bier in seinem eigens entworfenen Glas oder Pokal serviert wird. So ergibt sich schon visuell der Eindruck großer Vielfalt.

Das Publikum war buntgemischt: flämischsprechende City-Boys in adretten Streifenhemden, distinguierte ältere Herren, die sich über ihre Zeitung beugen, elegante Damen mit Taschen, die die Markennamen der umliegenden Boutiquen tragen – und abgerissene Touristen wie wir.

Vielleicht lag das Geheimnis der guten Stimmung in der Art, wie die Kellner bedienten, ohne Unterschiede zu machen: alte Hasen in schwarzen Westen und langen, weißen Schürzen, effizient, ohne hastig zu sein, entspannt, ohne zu trödeln, freundlich ohne Servilität.

Mein Bier muss sehr stark gewesen sein, denn bereits nach dem ersten Glas fühlte ich mich außerstande, noch ein zweites zu bestellen.

Es war aber auch genug gewesen für einen Tag: Besichtigung der Galerie royale Saint-Hubert, der Rue des Bouchers, der Grande Place, des Pinkelknabens, Zwischenstop in der Friterie, Durchprobieren durch -zig Chocolateries und Spekulatiusbäckereien, Mitbringsel für die Katzenpfleger aussuchen, und sich dann wirklich gepflegt abschießen.

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8 Kommentare zu Le Mort Subite: Plötzlicher Tod – durch Bier

  1. rappel sagt:

    beneidenswert schön. und überhaupt und im Ganzen ein sehr schöner Reisebericht, der Appetit macht …

  2. Miss Mao sagt:

    Und ich dachte, ich kenne mich mit Bier ein wenig aus…. Ich glaube, die Fritten reizen mich ebensowenig wie das Kirschbier. Aber die adretten Stühlchen (besonders der Sixties-Stuhl in Grün hat es mir angetan) und die gemütlichen Kneipen lassen mich schon darüber nachdenken, euch das nächste Mal zu begleiten.

  3. Jan sagt:

    na dann prost! schönes bild da oben auch, gefällt mir! apropos chocolaterie: wart Ihr bei pierre marcolini? falls nicht: bei passender gelegenheit unbedingt nachholen!

  4. La Perla sagt:

    …. vielen dank für Deinen interessanten Reisebericht, meine Begegnung mit Brüssel ist schon 14 Jahr her, vieles erinnerte mich daran….und ich LIEBE belgisches Bier, insbesondere:
    Leffe Trippel
    Westmalle Trapist
    Chimale Triple – diese Besonderheit hab ich mal von einem von einem lieben Menschen, der diese Leidenschaft von mir kennt , als Mitbringsel erhalten!

  5. Muyserin sagt:

    Ich finde Chimale Triple nirgends – was ist denn das Besondere daran? Inzwischen kenne ich auch außerhalb Belgiens einen Ort, wo man belgisches Bier bekommt. Ich werde noch darüber schreiben.

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