Suppe am Samstag

Meine Eltern waren beide Lehrer, und zwar zu einer Zeit, als es noch den Samstagsunterricht gab. Was für sie Stress gewesen sein muss, verbindet sich in meiner Erinnerung mit einer schönen Tradition: Suppe am Samstag. Das hieß, dass nach den zwei Doppelstunden, aus denen die Samstagsschule für gewöhnlich bestand, gegen Mittag das gemeinsame Familienwochenende möglichst unkompliziert beginnen sollte. Anstatt also stundenlang in der Küche zu stehen, wurde es zu einer Gewohnheit, am Samstag eine Suppe zu kochen und dazu ein paar „Laugaweckle“ zu vespern. Die Suppen wurden mal von meiner Mutter, öfter auch von meinem Vater zubereitet. Interessanterweise galt bei uns die Bezeichnung „Suppenkasper“ als Kosename, obwohl wir ja im Gegensatz zur gleichnamigen Gestalt des „Suppenkaspars“ im Struwwelpeter Suppe nachgerade mochten.

Reissuppe, gebrannte Grieß- oder Mehlsuppe, Flädlesupp‘: die Varianten waren frugal, aber immer schmackhaft. Und es bedeutete, dass einmal in der Woche die ganze Familie zu einer gemeinsamen Mahlzeit versammelt war. Ich erinnere mich daran mit einem guten Gefühl. Und ich bewundere meine Eltern dafür, dass sie den Zwängen der Arbeitsgesellschaft unkompliziert begegneten und es ihnen gelang, Zeitnot in Familienzeit umzuwidmen.

Jetzt, wo die Tage kälter werden, habe ich oft schon tagsüber das Bedürfnis nach einer wärmenden Mahlzeit (das Abendbrot kann dagegen leichter ausfallen und z. B. Vitamine in Form eines Salates liefern – die Wärme kommt von einer Kanne Tee oder einer heißen Honigmilch). Und so habe ich die letzten Wochen begonnen, neue Suppenrezepte auszuprobieren, die ich in loser Folge vorstellen möchte. Gerne lasse ich mir auch von Lieblings- oder ungewöhnlichen Suppen berichten.

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12 Kommentare zu Suppe am Samstag

  1. Martin sagt:

    Suppe am Samstag, Kunst am Sonntag.

    Wahrscheinlich wird es Dir nicht entgangen sein: heute Tag der offenen Atliers rundherum – gerne läse ich eine Rezension ohne ismus.

    • Muyserin sagt:

      Danke für den Hinweis – ich weiß in der Tat davon und läse selbst gern (m)eine; allerdings habe ich heute leider familiäre Verpflichtungen. Aber vielleicht magst Du erzählen, wie es Dir gefallen haben wird? :)

  2. thg sagt:

    Ich liebe Suppen! Mittlerweile esse ich sogar gern Kürbissuppe, aber Klare Suppen mit Einlage mag ich eigentlich am liebsten.
    Ausnahmen davon sind die typischen Familienfeiersuppen, die ich schon als Kind geliebt habe: Frischkäse-Lauch-Suppe und Reitersuppe. Die ist prima: Eine Tomatensuppe mit allem möglichen drin – Hackfleisch, Silberzwiebeln, Saure Gurken, Ananas, Kartoffeln…

    • Muyserin sagt:

      Ich habe noch mindestens einen Mutti-Klassiker der Sorte „Klare Suppe mit Einlage“ auf Halde, den ich demnächst mal zubereiten werde. Ganz einfach, ungewöhnlich und lecker!
      Frischkäse-Lauch-Suppe: kenne ich als Schmelzkäse-Lauch-Hackfleisch-Champignons-Suppe. Oder ist das schon wieder etwas ganz Anderes?
      Von der Reitersuppe habe ich noch nie gehört, klingt abenteuerlich! :) Irgendwo las ich es, es sei eine persische Suppe – da muss ich mal meine Leserin Lydia um ihre geschätzte Meinung bitten … Waren die Perser nicht ein Reitervolk?

      • Lydia sagt:

        Also ich hab jetzt mal meine persischen Kochbücher nach Suppen durchforstet und im Internet nach „Reitersuppe“ und „persische Reitersuppe“ gegoogelt. Die Zutaten zur Reitersuppe, egal ob persisch oder nicht, klingen jedenfalls nicht sehr persisch. Schon gemischtes Hackfleisch kann nicht original sein, der Iran ist ein muslimisches Land, die essen kein Schweinefleisch. Und Tomatenketchup hat so viel ich weiß ein Sohn nach Amerika ausgewanderter Pfälzer kreiert.

        Als DIE persische Suppe kenne ich Asch, die es in zig Variationen gibt, immer mit ganz vielen Kräutern, so dass sie ganz dick und dunkelgrün ist. In der persischen Küche spielt sie eine wichtige Rolle; das persische Wort für Koch ist asch-paz, wörtlich „Aschkoch“, Küche heißt asch-paz-chaneh-, zu deutsch „Aschkochhaus“. Dann kenne ich noch Abguscht (ab = Wasser, guscht = Fleisch), eine Art Fleischbrühe. Das Lammfleisch wird mit Kichererbsen und Gewürzen so lange gekocht, bis es fast zerfällt, und dann mit den Kichererbsen zu einem dicken Brei zerstampft. Erst isst man die Brühe, dann den Brei mit Fladenbrot. Klingt strange, schmeckt aber sehr gut.

        • Muyserin sagt:

          Lydia, Danke für Deine Mühe. Asch würde ich gerne mal probieren!

          Ich habe es gegoogelt und „Ash e reshtesh“ entdeckt, Suppe mit Nudeln. Scheinbar wird sie immer mit einem Kreuz aus Joghurt dekoriert, siehe hier, hier, hier und hier.

          • Lydia sagt:

            Joghurt nimmt man für die Asche reschteh nur als Notbehelf, wenn man kein Kaschk zur Hand hat. Kaschk ist eine Käseart, die aus Joghurt hergestellt wird. Durch Schütteln, Schlagen oder in Zentrifugen trennt man erst mal das Fett, das sich als Rahm bzw. Butter absetzt. Die Flüssigkeit, die übrig bleibt, trinkt man als Dugh mit Wasser verdünnt. Oder man lässt sie weitergären, salzt und kocht sie, bis ein Rohkäse entsteht, von dem man wiederum – meist durch ein Leintuch – die Molke abscheidet. Diese halbtrockene Käsemasse kann man so essen oder in der Sonne trocknen. Dann erst ist es Kaschk – und genau so schmeckt das auch. Man muss es mögen ;-)

            Mich reizt schon lange ein Rezept, in das wirklich Joghurt kommt, Asche mast (mast = Joghurt). Mit Kichererbsen, roten Linsen und Rindfleischbällchen, je einem Bund Petersilie, Schnittlauch, Koriander und Dill und ganz viel Joghurt … Irgendwann werd ich das noch ausprobieren!

          • Muyserin sagt:

            Klingt verwirrend, aber lecker.

  3. thg sagt:

    Ich hab grad mal fix gegoogelt und bin auf die unterschiedlichsten Reitersuppenrezepte gestoßen – darunter auch eines für eine „Persische Reitersuppe“. Sie ähnelt auch der von mir beschriebenen sehr, allerdings ohne Gurken, Silberzwiebeln und Ananas. Es scheint, wie bei so vielem, die unterschiedlichsten Variationen davon zu geben – mit Bohnen, Pilzen, Tomatenpaprika…

    Wenn Bedarf besteht, erfrage ich gern mal das unsrige Rezept und tipp’s auf meinen Blog. Af alle Fälle sind da Hack, Silberzwiebeln, Saure Gurken, Pilze, Tomatenpaprika (aus’m Glas), Kartoffelstückchen und Ananas drin. Und sicher vieles, was ich mir einfach nicht merken kann.

    Ja, Schmelzkäse-Lauch-Pilze-Hackfleischsuppe dürfte das gleiche sein. Kann man eben auch gut mit Frischkäse machen. Bei uns kommt rein, was grad da ist.

    Auf die Klare Suppe mit Einlage freu‘ ich mich jetzt schon! Solang’s nicht wieder Bohnen sind, Bohnen mag ich nämlich gaaaaaar nicht ;-)

    So, und bei mir gibt’s jetzt Kasselereintopf. ;-)

  4. Pingback: Mai’s Suppe und 1:0 für Mr. Murphy | Journal ohne Ismus

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