World Press Photo 2010

Buchstäblich im Vorbeigehen, nämlich eigentlich auf dem Weg zu einem Drogeriemarkt im Bahnhofsgebäude, geriet ich vergangene Woche in die Ausstellung des World Press Photo 2010. So interessante und intensive 15 Minuten verbrachte ich selten.

Eine Auswahl der Bilder, die mich besonders beeindruckten:

Benetton-Kampagne?

© Kitra Cahana

© Kitra Cahana

Nein, bei dem schönen Jüngling und der jungen Frau in sebstbewußter Pose handelt es sich um Angehörige des sogenannten Rainbow Tribes, die sich alljährlich in den Nationalparks der USA zu einem Festival für den Weltfrieden zusammenfinden.

Abendlicher Hausfrauentratsch?

© Pietro Masturzo

© Pietro Masturzo

Nein, hochpolitische Protestrufe von Dach zu Dach gegen den anscheinenden Wahlbetrug bei den iranischen Präseidentschaftswahlen. Widerstand ohne Twitter.

Altmeisterlich komponierte Genreszene?

© Karla Gachet

© Karla Gachet

Nein, anstrengender Alltag professioneller Tangotänzer in Buneos Aires, die sich ihren Gewinn nach den Touristenshows aufteilen.

Was den kuratorischen Aspekt der Ausstellung betrifft, schließe ich mich der Kritik des Blechkopps an, dass die Hinweise und Sichtsperren, die vor den zum Teil sehr drastischen Bildern schützen sollen, mangelhaft sind. Dennoch glaube ich, dass es Fotografen braucht, die hinsehen. Zumal es auch sehr viel Schönes zu entdecken gab, so zum Beispiel den 91-jährigen Schwimmrekordhalter oder die senegalesischen Wrestler, die sich vor dem Kampf mit Milch begießen.

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