Frauenfußball & Sexismus

DNN-Kulturredakteur Torsten Klaus resümiert heute, warum Fußball mehr ist als nur ein Spiel. Es stimmt, die Klubs unterlagen immer schon historischen, politischen und soziokulturellen Zeitläuften. Es gibt Klubs mit einem starken Arbeiterklassen-Image und solche, die das Prestigeobjekt von Diktatoren (früher) bzw. Oligarchen (heute) sind.

Interessanterweise geht Klaus mit keinem Wort auf die historischen Bedingtheiten des Frauenfußballs ein, wo doch ein kurzer Blick in die Wikipedia genügt hätte, um sich bewusst zu werden, dass der Fußball nicht nur das gesellschaftspolitische Parameter „Klasse“ reflektiert, sondern auch von Anbeginn an als Projektionsfläche für Genderdiskurse herhalten musste. Die jeweiligen hegemonialen Ansichten zur Gleichberechtigung der Frau wurden und werden im Fußball auf vielen Nebenschauplätzen ausgefochten: Kleidervorschriften (im Iran nur mit Kopftuch), Körperkonstruktionen (der DFB hatte bis in die 70er Jahre aufgrund der angeblich geringeren Belastbarkeit von Frauen die Spieldauer auf 70 Minuten verkürzt) und „Ästhetik“ („Das sieht doch ni aus!“) behindern den Sport nach wie vor. In manchen Ländern ist es Frauen verboten, Fußball zu spielen.

Mag sein, dass dieses Ausblenden des Frauenfußballs bei Klaus‘ Betrachtung des „Fußballs als Sozialkonstrukt“ (so der Titel seines Beitrags) ein bloßes Versehen ist. Allerdings: wir schreiben 2010; inzwischen sollte es eigentlich Standard in den Köpfen und den Praktiken von Kulturschaffenden sein, den Faktor Gender in ihre soziokulturellen Analysen einzubeziehen, wenn sie wirklich zu einem tieferen Verständnis von Gesellschaft gelangen möchten.

Vielleicht aber ist dieses Übersehen symptomatisch für den Sehnsuchtsort: immerhin handelt es sich dabei um ein Autorenkollektiv, das Dresden zwar in „zahlreichen Interpretationen bedenken“ möchte, bis dato jedoch eine reine Männerriege darstellt. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass dem Autor bei aller Erleichterung („Und atmen nun durch: vorbei.“) völlig entgeht, dass das fußballerische Treiben gerade auch in dieser Stadt nicht nur nicht vorbei ist, sondern die U-20-Fußballweltmeisterschaft geradezu identitätsstiftend sein dürfte. Angesichts der Tatsache, dass sich der Sehnsuchtsort den Selbstauftrag gegeben hat, Dresden in „größere Kontexte“ zu stellen, finde ich diese Form der Amnesie kritikwürdig.

Wie dem auch sei, die Frage, ob der Frauenfußball ein Problem mit Sexismus hat, läßt sich ganz anschaulich beantworten. Eine Google-Bildersuche mit dem Suchbegriff „Frauenfußball“ lieferte heute folgendes Ergebnis:

Frauenfußball bei Google. Screenshot: KM

Frauenfußball bei Google. Screenshot: KM

Von 18 Ergebnissen zeigen fünf leicht oder gar nicht bekleidete Frauen, das ist über ein Viertel. Und dabei hatte ich bewusst den SafeSearch-Modus gewählt, der explizite Inhalte herausfiltert.

Auf derlei Altherrrenfantasien hat man im Frauenfußball durchaus selbstironisch zu kontern begonnen, z. B. mit dem pfiffigen Logo auf der Website des TSV Caldern (eine Abwandlung von Otl Aichers berühmten Olympia-Piktogrammen und daher unschwer als ironische Modifikation erkennbar). Ich finde das gut gemacht, besser jedenfalls, als die bereits angesprochene Dresden-Werbung.

Weiterführende Links zum Thema Frauenfußball:

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2 Kommentare zu Frauenfußball & Sexismus

  1. stefanolix sagt:

    Die Idee für das Logo finde ich sehr gut, aber es ist grafisch etwas lieblos gemacht.

    • Muyserin sagt:

      Ich hatte den selben Gedanken. Inzwischen weiß ich durch eine E-Mail-Anfrage, woher es stammt (die Webmasterin hatte es von dort übernommen und leicht modifiziert), und die Quelle ist kein Design-Profi. Seien wir also nachsichtig und freuen wir uns an der Idee.

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