Auf Kurzbesuch in Wilsdruff

Wilsdruffer Rathaus am Marktplatz.

Wilsdruffer Rathaus am Marktplatz.

Mit dem RB 424 um 16.15 Uhr ab Hauptbahnhof, 17.45 Uhr ab Wilsdruff Markt zurück nach Dresden: zwecks Vorbereitung einer Rede, die ich morgen vor geneigtem Publikum halten werde, unternahm ich heute einen kurzen Ausflug nach Wilsdruff.

Anderthalb Stunden, die kontrastreicher nicht hätten sein können: Unwetter auf der Hin-, Eisessen im Sonnenschein kurz vor der Rückfahrt. Hochgeklappte Bürgersteige im menschenleeren Stadtzentrum, engelsgleiche Live-Musik an meiner Arbeitsstätte.

Denn während ich die erst gestern aufgebaute Ausstellung Lebens(k)reise des Leipziger Künstlers Detlev Kluttig erstmals in Augenschein nahm und mit dem Fotoapparat Gedächtnisstützen für meine Rede anfertigte, probte zeitgleich das Alte-Musik-Ensemble Polyharmonique für ein Konzert, so dass meine Arbeit mit himmlisch anmutenden Klängen untermalt war.

Auf dem Rückweg hatte ich Muße, ein paar der alten (und jüngeren) Ladenbeschriftungen wahrzunehmen:

„1923 – im Notjahre kostete das 4 lb Brot 840 Milliarden D.M.“

„1923 – im Notjahre kostete das 4 lb Brot 840 Milliarden D.M.“

Das da unten, das ist der Double-Whammy-Pasch der Deppenapostrophen.

Ganz unten, das ist der Double-Whammy-Pasch der Deppenapostrophen.

Überhaupt scheint der Wilsdruffer gerne festzuhalten, wo man sich gerade befindet:

Torhaus 1927.

Torhaus 1927.

Als ungewöhnlich empfand ich, vor einem alten Bauernhaus einen Gingko vorzufinden:

Keinen Reim konnte ich mir darauf machen, in einem Brunnen einen Baum ans Licht streben zu sehen, ohne dass die Stadtväter mit dessen natürlichem Treiben Erbarmen zeigen würden:

Hoffentlich kein schlechtes Omen für Morgen …

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Kuchentag

Vorbemerkung: Eigentlich wollte ich nur das Foto veröffentlichen, eine Art Momentaufnahme meines Tages. Doch der Ort, an dem es entstand, weckte Assoziationen und regte mich zu ein paar Überlegungen über unsere Zeit und den Umgang mit Altem an.

Später Vormittag in einem mir nicht sonderlich vertrauten Stadtteil. Ich habe nicht gefrühstückt; mir ist flau.

Die kleine Ladenzeile, welche die Gegend versorgt, liegt ein paar Fußminuten entfernt. In einer Seitenstraße mit Gründerzeit-Mietskasernen und Bauhaus-Wohnblöcken befindet sich – seit Generationen, sicherlich – eine kleine Bäckerei. In einem Regal hinter der Theke stehen fünf oder sechs Sorten Kaffee (kein Bio-, kein Fairtrade-), daneben eine kleine Selektion an Zigarettenschachteln und Feuerzeugen.

Die freundliche Verkäuferin bemerkt, dass die Auslage mich wenig anmacht, und verweist stolz darauf, dass heute „Kuchentag“ sei. Sie zeigt auf einen Rollwagen, über und über mit Holzbrettern gefüllt, auf denen sich allerlei Blechkuchen stapeln.

„Kuchentag. Jedes Stück Blechkuchen 0,60€. Es lohnt sich!“

„Kuchentag. Jedes Stück Blechkuchen 0,60€. Es lohnt sich!“

Was für ein Anblick! Weiterlesen

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Enno (1945–2014)

Ein Mensch, der sich nie entfalten konnte, weil er nicht erkannt wurde. Sein Tod macht mich nicht traurig, sein Leben schon. Requiescat in pace.

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Frauenporträts aus 500 Jahren

Ich bette ja eher selten fremde Inhalte auf meinem Blog ein (schon gar nicht, wenn sie fünf Jahre alt sind), aber bei diesem Film konnte ich nicht widerstehen: „500 Years of Female Portraits in Western Art“.

[Via Robert aus Dresden.]

Übrigens auch hervorragend als Bestimmübung geeignet!

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Ausstellung „Doppelkopf“ von Sophia Schama und Maix Mayer im Interimsquartier der Sächsischen Akademie der Künste

Mittagessen fiel aus Gründen aus; stattdessen machte ich einen Katzensprung hinüber zum Palaisplatz, wo heute das Interimsquartier der Sächsischen Akademie der Künste eröffnet wurde.

Ein eigens engagiertes Blechbläserquartett hatte mich noch in meinem Büro an den Termin erinnert: es gibt doch nichts, was einen effektiver auffordert, endlich die Computerkiste auszumachen, als ein paar Salven Barockmusik, die durchs Barockviertel schmettern.

Gemälde von Sophia Schama im Foyer des Interimsquartiers der Sächsischen Akademie der Künste.

Gemälde von Sophia Schama im Foyer des Interimsquartiers der Sächsischen Akademie der Künste.

In den Fluren der Akademie hängt zur Zeit eine „Doppelkopf“ betitelte Ausstellung zweier Akademiemitglieder. Gemälde Sophia Schamas (welche mir aus meiner langjährigen Tätigkeit für das Büro für Kunst, ehemals büro für kunst, bestens bekannt ist) werden Fotografien Maix Mayers gegenüberstellt, die eine Reihe futuristischer Architekturen aus den, ich tippe mal, Sechziger Jahren abbilden.

Besonders ein großformatiges Bild (für das der Künstler sogar die Tapete im Hintergrund bestimmte, deren Muster einen solchen Bau in stilisierter Form seriell wiederholt) gefiel mir sehr gut:

Zwei Fotografien Maix Mayers (leider ohne Bildlegende; daher keine weiteren Informationen verfügbar).

Zwei Fotografien Maix Mayers (leider ohne Bildlegende; daher keine weiteren Informationen verfügbar).

Wenn ich es richtig verstanden habe, stammen die Arbeiten aus dem Buch Die vergessenen Orte der Arbeit, welches man sich (coole Sache, das!) in Gänze auch als PDF im Internet ansehen und herunterladen kann. Sehr sehenswert.

Insgesamt also eine interessante kleine Ausstellung.

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Ash-e Anar: Persischer Granatapfeleintopf

Wir haben den 25. Juni und meine Heizung im Büro steht auf Stufe 5! Das da draußen: das ist kein Schlechtwetter, das ist Winter!

Wie gut, dass es in der Suppenbar nahe meines Büros heute so eine köstliche Suppe gab:

Ash-e Anar (persischer Granatapfeleintopf) mit Rinderhack, roten Linsen, angebratener Minze und Reis.

Ash-e Anar (persischer Granatapfeleintopf) mit Rinderhack, roten Linsen, angebratener Minze und Reis.

Das ist das zweite Mal, dass ich in der Löffelbar mein Mittagessen geholt habe, und beide Male waren es ungewöhnliche und schmackhafte Eintöpfe. Bestimmt nicht mein letztes Mal …

Übrigens, Suppen genießen in der persischen Küche hohe Wertschätzung. Wer wissen will, wie schön dekoriert diese serviert werden, folge dem Link „Ash, an Iranian thick soup“.

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Zitronensalz aus alten Zitronen

Diese Zitronen waren wirklich nicht mehr frisch, und ich war bereits am Überlegen, ob ich ihre Haut, die wie brüchiges Leder wirkte, tatsächlich noch abreiben sollte. Zum Glück gewann meine schwäbische Sparsamkeit die Oberhand, denn kaum hatte die Zestenreibe die ersten „Wunden“ gerissen, verbreitete sich der altbekannte, geliebte Duft von Zitronen. Ich erkläre es mir so, dass das Aroma beim Eintrocknen der Haut eingeschlossen wird, anstatt zu verduften (wie auch immer die Natur das gelöst hat).

Zitronensalz aus abgeriebener Zitronenschale und Fleur de Sel.

Zitronensalz aus abgeriebener Zitronenschale und Fleur de Sel.

Ein Rest Fleur de Sel durfte für mein erstes Zitronensalz herhalten, und ich freue mich schon auf den Fisch oder das Fleisch, die darin schmoren werden.

PS Ich freue mich immer wieder über die DDR-Eislöffelchen (zumindest nenne ich sie so, weil ich sie erst in Sachsen kennenlernte – gab’s die früher auch im Westen?), die sich genial für das Portionieren von Gewürzen eignen. Zum Glück sind die Eisverkäufer der Dresdner Neustadt freigiebig …

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Süßes am Sonntag: Backen mit Bubele

Dieser Sonntag schmeckte nach … Liebe.

Dinkelwaffeln mit Zitronenzucker

Dinkelwaffeln mit Zitronenzucker

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Dudelsackpfeifer am Elbufer

Ich hatte im Dresdner Stadtteil Striesen zu tun. Für den Heimweg per Fahrrad entscheide ich mich für die „scenic route“, also die Strecke mit dem höchsten Schauwert: erst durchs Villenviertel Blasewitz und dann auf dem Radweg entlang des Käthe-Kollwitz-Ufers Richtung Neustadt.

Es ist ein wunderschöner, lauer Sommerabend. Kurz vor dem Fährgarten Johannstadt traue ich kaum meinen Augen und Ohren: da steht inmitten der hohen, wogenden Gräser ein Dudelsackpfeifer. – Obwohl der Szene etwas Surreales anhaftet, fängt der Klang dieses alten Instruments meine Stimmung perfekt ein.

*

Später las ich in der Zeitung, dass in diesen Tagen im sorbischen Ort Schleife das Internationale Dudelsackfestival abgehalten werden würde (denn, wer hätte das vermutet, der Dudelsack ist auch in dieser Region seit Jahrhunderten beheimatet). Das konnte kein Zufall gewesen sein, oder?

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Zitronenzucker und Anderes aus Zitrusfrüchten

Uff! 33 ° C! Wer wollte bei diesem Wetter kochen? Darum gab’s heute Mittag einfach „a quick rummage through the fridge“. Also etwas, bei dessen Zubereitung man möglichst lange vor dem geöffneten Kühlschrank stehen kann, um Zutaten rauszuholen. Bei uns war das: griechischer Joghurt mit Nektarinen und Blaubeeren, garniert mit Mandelsplittern sowie, als kleinem Clou, Zitronenzucker.

Mittagessen bei 33 °C: Griechischer Joghurt mit Obst und Zitronenzucker.

Mittagessen bei 33 °C: Griechischer Joghurt mit Obst und Zitronenzucker.

Letzteren kann man für teures Geld kaufen (und bekommt dann zwecks optischer Aufwertung außer Kurkuma auch noch zweifelhafte Zusatzstoffe, die laut Zutatenliste „Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ können), oder man macht ihn einfach selbst.  Weiterlesen

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