Bräter

Es gibt in unserer Küche einen sehr schweren Topf, diesen:

Bräter

Woher er stammt, keine Ahnung.
Ob man ihn noch verwenden sollte, und wenn ja, wofür, keine Ahnung.

Sachdienliche Hinweise erbeten! Danke.

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Was ich mit der Herzogin von Cambridge gemein habe

Nachdem mein Geburtstag aufgrund meiner Unpässlichkeit komplett flach fiel, gönne ich mir heute mal einen belanglosen Eintrag.

Schon lange hatte ich mich gefragt, ob ihr Entbindungstermin der selbe ist, wie meiner. Die immer seriöse Daily Mail scheint nun meine Vermutung zu bestätigen – auch wenn sie selbst im Endstadium fast noch als rank und schlank durchgeht, während ich mich selber nur noch als gestrandete Seekuh wahrnehme.

Was die royale Umstandsmode betrifft, ist es zwar löblich, dass sie ein paar Kleidungsstücke von der letzten Schwangerschaft ausgemottet hat, aber hier schlage ich sie um Längen. Bis auf eine Winterjacke und Wollstrumpfhosen habe ich mir für diese Schwangerschaft nichts gekauft, und das lag auch nur daran, weil die letzte eine Sommerschwangerschaft war. Es ging mir auch die meiste Zeit nicht so gut, dass mir nach etwas Hübschem zum Anziehen zumute gewesen wäre.

Aber wenn ich mir ein Stück aus der herzöglichen Garderobe wünschen dürfte, wäre es dieser Mantel. £ 685. Oh, well.

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Kombinat Delikat: Salsiccia Chipotle (und was man damit machen kann)

Gestern Abend war es endlich soweit: Mann und Kind waren beim Kombinat Delikat einkaufen.

Das Verkaufsfenster des Kombinat Delikat.

Das Verkaufsfenster des Kombinat Delikat.

Anfang Februar hatte ich zum ersten Mal von dieser neuen, etwas anderen Fleischerei gelesen, die bis dato nur einmal in der Woche öffnet und nur wenige, ausgewählte Produkte aus eigener Fertigung anbietet.

Salsiccia Chipotle vom Kombinat Delikat.

Salsiccia Chipotle vom Kombinat Delikat.

In dieser Woche gab’s u. a. Salsiccia Chipotle – nein, ich wusste auch nicht so richtig, was man sich darunter vorstellen konnte. Aber als Liebhaberin jeglicher italienischer Wurstwaren ließ ich mich vom Namen einwickeln.

Leider waren die Würste noch tiefgefroren, so dass es ein recht spätes Nachtmahl wurde. Aber was für eines. Wirklich gut gefüllt war der Kühlschrank nicht, also verfuhr ich nach der Rumpelstilzchen-Methode: Stroh zu Gold.

Salsiccia Chipotle mit Kartoffelpüree und Apfel-Zwiebel-Confit.

Salsiccia Chipotle mit Kartoffelpüree und Apfel-Zwiebel-Confit.

Kurzerhand machte ich das, wofür ich noch jedes Mal Lob von meinem Mann geerntet habe: Apfel-Zwiebel-Confit – nicht, weil meines so besonders wäre, sondern weil es einfach eine leckere Beilage ist, noch dazu im Handumdrehen zubereitet. Dazu gab’s Kartoffelpüree, mit Meerrettich verfeinert.

Die Salsiccia Chipotle war weniger pikant, als erwartet. Dafür besaßen sie eine herzhafte Kräuternote.

Die Würste werden wir auf jeden Fall wieder kaufen und bevorraten. Etwas schade finde ich, dass man bis dato kaum etwas über die Herkunft des verwendeten Fleisches sowie über die Macher hinter dem Kombinat Delikat erfährt. Aber die Website scheint ja nur als Interim gedacht. Seien wir also gespannt.

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Menu, 23. Juli 1928

Ich weiß gar nicht, was mich mich an diesem kleinen Zeitdokument mehr begeistert:

Gesehen in der Bockmühle im Polenztal.

Gesehen in der Bockmühle im Polenztal.

  • Die wunderhübsche Art-déco-Vignette mit der Rokoko-Dame
  • Das Menü – „Frankfurter Pudding“? Nie gehört. Beim Googeln aber ein Rezept aus dem Jahr 1902 gefunden.
  • Die Schriftarten des Wortes „Menu“ und des Slogans „Trinkt [W]alzenhauser Tafelwa[sser]“
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Märzenbecherblüte im Polenztal

Märzenbecherblüte im Polenztal: dieses Naturschauspiel in Augenschein zu nehmen, hatten wir uns schon ein paar Jahre vorgenommen, aber leider verpassten wir immer den rechten Zeitpunkt.

Nun neigte sich am Wochenende ein zweiwöchiger Besuch meiner Mutter seinem Ende zu, und da sie uns aufopfernd bei der Pflege des windpockenkranken Bubeles unterstützt hatte, um mir und meinem Mann den Rücken für den Nestbau frei zu halten, wollten wir uns mit einem schönen Ausflug und einem Tag mal ganz ohne Verpflichtungen bedanken.

Mit dem Teilauto fuhren wir aus der Stadt hinaus. Der Anblick von Burg Stolpen provozierte einen Monolog des Bubele über „Rittern“ und 1000 Fragen, warum es diese heutzutage nicht mehr gibt. Noch vor einem Abzweig nach Stolpen sahen wir ein ruinöses, dennoch imposantes Landgut.

Im Polenztal angekommen, merkten wir, dass es leider immer noch sehr kalt war. Auch drangen keine Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Dennoch reihten wir uns in die Menge, die das Polenztal zu Fuß erkundete. Am besten gefiel es wohl dem Bübchen: jeder Stock, jeder Stein, jedes Ast- und Erdloch bot Anlass zu hingebungsvoll-selbstvergessenem Spiel.

Hingebungsvoll waren auch die beiden Fotografen mit Profi-Ausrüstung, denen wir sowohl auf dem Hin- als auch eine halbe Stunde später auf dem Rückweg beim Fotografieren ein und desselben Märzenbecher-Büschels zusehen konnten.

Ich frage bei solchen Motiven einfach meinen Mann:

Zum Glück hatte er auch die Idee gehabt, gleich bei der Ankunft einen Tisch in der rappelvollen Bockmühle zu reservieren. Eine Stunde später und ziemlich durchgefroren, freuten wir uns über frische Rathmannsdorfer Forellen.


Die Bedienung trug Nasenring und den Ansturm mit Fassung. Angesichts der Umstände war ihre Freundlichkeit doppelt erfreulich.

Zurück im Auto, schlief das Kind sofort ein, so dass wir die Zeit für einen spontanen Abstecher nach Schmilka nutzten, wo mein Mann und ich am Reformationstag ein zauberhaftes (hier leider undokumentiert gebliebenes) Wochenende im ehemaligen Forsthaus verbracht hatten.

Kaffee und (wagenradgroßen) Kuchen gabs in der urgemütlichen Mühlenbäckerei. Sogar die Sonne zeigte sich noch.

Auf dem Heimweg jedoch merkte ich, wie meine Kräfte schwanden. Für mich war es genug gewesen, zuhause fiel ich wie tot ins Bett.

Wer die Märzenbecherblüte im Polenztal selbst erleben möchte, dem sei das liebevoll gepflegte Märzenbecher-Tagebuch empfohlen.

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Dresden isst fantastisch – ich auch!

Im Leben nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich mich nach der (nicht unangenehmen) Tour de Force während meiner ersten Schwangerschaft, in der ich bis ins dritte Trimenon hinein als Restaurantkritikerin für die 2011er-Jahresausgabe des damaligen AUGUSTO-Magazins unterwegs war, bei meiner zweiten Schwangerschaft in einer vergleichbaren Situation befinden würde.

Und doch, und doch:

Bei der Arbeit.

Bei der Arbeit.

Seit Anfang Februar watschle ich zweimal die Woche im Auftrag der Dresdner Neuesten Nachrichten für „Dresden isst fantastisch“ los, um jedes Mal erstaunt festzustellen, dass sich für ein Gourmetmenü auch in einem Kugelbauch noch Platz finden lässt.

Einen interessanten Unterschied zu der sonst eher diskreten Tätigkeit gibt es. Weiterlesen

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Mein Möbel-Blues, mein Nestbau-High

Ich bin im siebten Monat schwanger, von Zur-Ruhe-Kommen keine Spur. Im Zuge des Der-Dreijährige-braucht-endlich-ein-Kinderzimmer und des Unser-Home-Office-ist-eh-seit-Jahren-nur-noch-Rumpelkammer, wuchs sich die Büro-zu-Kinderzimmer-Transformation zu einer allumfassenden Jetzt-oder-Nie-Evaluation der Wohnung aus, deren Genese sich vom Studentenwohnheimzimmer über die Junggesellinnenbleibe hin zum ersten Zusammenziehen zweier DINKYs zum Leben mit erst einem, nun bald zwei Kindern vollzog.

Ergebnis: Kein Stein bleibt auf dem Anderen, kein Auge trocken, kein lange lieb und teuer gehaltenes Sentiment, das nicht über Bord geworfen werden würde.

Ich bin radikalisiert, anders kann ich es nicht beschreiben. Was nutzt mir der schönste Jugendstilschrank, wenn die Kleider von vier Menschen sich vor allem außerhalb dessen in der Wohnung türmen? Was der Ehebett-große Gründerzeit-Schreibtisch, wenn er statt ellenlanger Rollen mit Architekturzeichnungen nur noch einen Laptop tragen muss? Was die Vintage-Vitrine, wenn das Bubele am liebsten Bälle in die Scheiben pfeffert?

Ich hätte nie geglaubt, dass ich mal so sang- und klanglos loslassen würde, woran mein Herz und auch meine Wurzeln hingen. Aber: Tempora mutantur, et nos mutamur in illis. Ich bin nicht mehr nur ich, ich bin Mutter, ich bin Teil einer Familie, und die Anforderungen sind radikal andere.

Vielleicht werde ich es irgendwann bereuen. Aber meiner Erfahrung nach lebt man mit Kindern so sehr im Hier und Jetzt, dass es unwichtig ist, ob das Heim mit Stil- oder Schwedenmöbeln bestückt ist.

Ich freue mich so sehr auf die Zukunft mit meinen beiden Kindern, dass mir alles Andere fast egal ist.

Wer sich an meiner Misere (buh-fucking-huh) bereichern will: bitte hier entlang. Die Liste wird ständig erweitert und aktualisiert.

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„So geht sächsisch“? Notizen zur Bestattung von Khaled Idris Bahray

Ein Satz in einem Zeitungsartikel zur Bestattung des getöteten Asylbewerbers Khaled Idris Bahray stimmt mich sehr nachdenklich:

„Der 20-Jährige hatte in Dresden gewohnt, dort sei aber keine islamische Bestattung im Tuch möglich […]“

Daher fand die Beisetzung vergangenen Samstag in Berlin statt. Aus irgendeinem Grund fällt mir ein (fälschlicherweise Mahatma Gandhi zugeschriebenes) Sprichwort ein:

„The greatness of a nation and its moral progress can be judged by the way its animals are treated.“

Ich finde, Ähnliches lässt sich über unseren Umgang mit Toten sagen, der viel über den Wert verrät, welchen wir ihnen als Lebende beimaßen.

*

Leserbrief an die Sächsische Zeitung vom Wochenende zum Thema Aufnahme von Flüchtlingen:

„[…] Die Straßen sehen aus wie Sau. […] Bevor man so etwas plant, sollte man wohl eher mal die wirklich wichtigen Sachen angehen.“

*

Warum ist eine Bestattung nach islamischem Ritus innerhalb Deutschlands mal möglich, mal nicht? Verstößt das nicht gegen den Grundsatz, dass niemand aufgrund seines Glaubens benachteiligt werden darf? Vielleicht nicht de iure, sicher aber de facto. Die Probleme im Umgang mit Fremden ziehen sich über deren Tod hinaus.

*

Die zunächst mysteriösen Todesumstände des Asylbewerbers scheinen ja mit der Festnahme seines Mitbewohners geklärt, auch wenn z. B. ein taz-Artikel weiterhin reißerisch titelt: „Verdacht gegen Verdacht“.

Mein Trauer für diesen Fremden bleibt von der neuen Faktenlage unberührt. Selbst wenn sich in Khaleds Blut „laut Obduktionsbericht ‚große Mengen‘ Drogenrückstände“  fanden, glaube ich nicht, dass sein Leben hier eine einzige große Party war. Nochmal die taz:

„‚Die sitzen wochenlang in der Wohnung und schlafen den ganzen Tag, ohne Kontakt zur Außenwelt.‘“ Etwa 200 Asylbewerber leben in Prohlis, 1,5 Betreuerstellen gibt es für sie, einer ist derzeit krank. Die Flüchtlinge, oft sehr jung, teils traumatisiert, sind sich selbst überlassen.“

Khaled hatte eine Mutter, die ihn zur Welt brachte, Hoffnungen für  ihn hatte, ihn durchs Leben gehen und glücklich werden sehen wollte.

Ein paar Seiten weiter seine Todesanzeige:

„Er suchte eine Zukunft und ein Leben in Freiheit.“

Der schlichte Satz berührt mich sehr. Das ist die Tragödie. Darum geht es für mich  im Kern, ungeachtet aller Umstände. Daher trauere ich mit Khaleds Familie, ungeachtet aller Umstände.

Die Unterzeichnenden sind AWO, Ausländerrat, Caritas und Flüchtlingsrat. In meinen Augen eine, wenn auch kleine, so doch wichtige Geste. In Dresden wird kein Grab an Khaled Idris Bahray erinnern.

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Gegen Gewalt an Kindern: Opfer-Telefon des Weißen Rings

Als ich vergangenes Jahr über meine Erfahrungen mit Gewalt gegen Kinder schrieb, war ich etwas ratlos, wem man dies am besten melden solle und fand, dass im Internet auf die Schnelle erstaunlich wenig konkrete Ratschläge und Hilfsstellen auffindbar waren.

Opfertelefon_WeißerRing

Das Opfer-Telefon des Weißen Rings.

Durch eine Plakataktion des Weißen Rings stieß ich nun auf deren Opfer-Telefon, dessen Nummer 116006 ich mir auf jeden Fall in meinem Telefon abspeichern werde.

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Nicht mehr alle Tassen im Schrank oder: Warum man hier auch weiterhin eher über schöne Gegenstände als hässliches Zeitgeschehen lesen wird

Nachdem meine kleine Familie und ich jüngst von Gastroenteritis gebeutelt wurden (so heftig, dass meine beiden Augen trotz Genesung auch Tage später blutunterlaufen sind), führte mich mein erster Auftrag auf wackligen Beinen in eine Ausstellung, über die ich gerne ein wenig ausführlicher berichten möchte, wenn sich die Chance ergibt.

Alle Tassen im Schrank: Ausstellungsexponat im Deutschen Hygiene-Museum.

Alle Tassen im Schrank: Ausstellungsexponat im Deutschen Hygiene-Museum.

Hin und weg war ich jedenfalls von diesem Tassen-Stilleben im Rahmen der Schau. Niemand sah hin, als ich ins Regal griff, um den Unterboden der Tassen auf Herstellerangaben zu untersuchen, und ich bin mir fast sicher, niemand hätte bemerkt, wenn dort plötzlich zwei Tassen weniger stehen würden. Ich war in der Tat magisch angezogen von diesen Designs aus meiner Kindheit. Aber auch eine Elster wie ich verfügt über so etwas wie Berufsehre (man will ja am Ende nicht etwa als Repräsentant der Lügenpresse dastehen).

Apropos „nicht mehr alle Tassen im Schrank“: mich beschäftigt das Zeitgeschehen hier in Dresden immens, wenngleich widerwillig. Wenige Monate, nachdem ich „meinem“ Dresden so etwas wie eine Liebeserklärung machte, weiß ich nicht mehr, ob ich hier noch leben will, sollte der Kleingeist die Oberhand gewinnen. Aber diese endlosen (fruchtlosen?) Diskussionen in mein Journal zu hieven, welches doch ein Ort für gute Nachrichten sein will? Ich bringe es nicht über mich. Außerdem habe ich das Gefühl, mich auf Twitter zu diesem Thema effektiver vernetzen zu können. Wer mir folgen will: @Muyserin.

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