Meinen letztjährigen Geburtstag als Reinfall zu bezeichnen, wäre eine Untertreibung.
Daran erinnerte ich mich während eines wunderbar entspannten, ziellosen, ausgedehnten Spaziergangs an meinem diesjährigen Geburtstag. Ich suchte mich ans Vorjahr zu erinnern, doch da war nichts. Keinerlei Bilder, die hoch kamen. Als die Erinnerung sich viele Stunden später unvermittelt einstellte, wusste ich auch wieder, warum ich sie offenkundig verdrängt hatte: der Tag war ein Desaster.
Ein halbes Jahr zuvor Mutter geworden, fand ich mich einen Großteil der Zeit allein zuhause mit dem Kind und dem Chaos.
Mein Wunsch, dass an diesem einen Tag einmal alles wieder „perfekt“ sein möge – sprich, so aufgeräumt, als habe nachts eine gute Fee ihren Zauberstab oder zumindest einen Besen geschwungen – war nicht in Erfüllung gegangen, ebenso wenig wie die Hoffnung, dass an diesem Tag irgendetwas Besonderes passieren würde.
Vielleicht als unbewusste Reaktion darauf ließ ich meinen Geburtstag in diesem Jahr ohne jegliche Erwartungshaltung an mich heran branden – und siehe da, ich erlebte den schönsten Tag, den ich bisher mit meinem Sohn verbringen durfte. Falls das wie eine dahin gesagte Übertreibung klingt – ich meine das ganz und gar ernst.
Ich wünschte, ich hätte in den letzten 17 Monaten schon früher die Konsequenz besessen, an manchen Tagen den Haushalt Haushalt und die Arbeit Arbeit sein zu lassen und mich nur ein einziges Mal von morgens bis abends dem wunderbaren kleinen Menschen an meiner Seite gewidmet. So, wie ich ihm wie ausgewechselt vorgekommen sein muss – entspannt statt gestresst, geduldig statt streng, so kam auch er mir viel zugänglicher vor, fast wie ein intimer Vertrauter, der mich in all meinen Eigenarten kennt und toleriert; es fühlte sich an, als seien wir ein eingespieltes Team. Und auch, wenn es abgedroschen klingen mag: diese Verbundenheit, Innigkeit und Liebe zu spüren, war das schönste Geschenk.
Zum Glück hatte eine Freundin am Vorabend von meinem Geburtstag erfahren, sich nach meinen Plänen erkundet und befunden, dass es nicht anginge, dass ich den Tag allein zu verbringen gedachte. Sie lud mich spontan zu sich ein und gab mir so die Möglichkeit, meinen Alltag für zehn Stunden hinter mir zu lassen, um mich in ihrer Wohnung, ihrer Obhut, mit ihrer kleinen Familie, „home away from home“ zu fühlen.
Gerne will ich es an meinem nächsten Geburtstag (der ja dann ein runder wird) krachen lassen, wieder einmal ein Fest feiern, Gastgeberin sein, Freunde verwöhnen. Aber so, wie es in diesem Jahr war, war es eigentlich perfekt. Less is more!